Stahl: Weniger Gewinn für Schmolz & Bickenbach
Aktualisiert

StahlWeniger Gewinn für Schmolz & Bickenbach

Schmolz & Bickenbach, die frühere Swiss Stell, profitiert von der boomenden Nachfrage nach Stahlprodukten. Volatile Rohstoffpreise und beträchliche Investitionen drücken aber auf das Halbjahres-Betriebsergebnis.

Der Umsatz stagnierte im Vergleich zur Vorjahresperiode bei 2,28 Mrd. Euro. Das Betriebsergebnis (EBIT) fiel auf 189,9 (Vorjahresperiode: 230,6) Mio. Euro. Der Konzerngewinn belief sich auf 106,3 Mio. Euro. Das ist deutlich weniger als in der Vorjahresperiode (130,2 Mio. Euro).

Die Umsatzprognose für 2008 wurde dennoch von 4,2 Mrd. Euro auf 4,5 Mrd. Euro hochgeschraubt. 2007 betrug der Umsatz von Schmolz & Bickenbach genau 4,2 Mrd. Euro. Die Auslastung ist gemäss Konzernchef Benedikt Niemeyer sehr hoch, auch an den Produktionsstandorten in der Schweiz.

Schrott als «Nettotreiber»

Die Mittelbindung im Zusammenhang mit schwankenden Rohstoffpreisen schlagen sich in den Halbjahreszahlen nieder. Zwar werden steigende Preise für Chrom durch sinkende Nickelpreise einigermassen ausgeglichen, aber stark steigende Schrottpreise bleiben ein «Nettotreiber», wie Finanzchef Axel Euchner am Dienstag in Zürich an einer Medienkonferenz erläuterte.

Euchner rechnet für die Umsatzprognose mit einem Schrottpreis von 400 Euro pro Tonne. Wie Nickel und Chrom wird der Rohstoff für die Herstellung von rostfreiem Stahl verwendet.

Zwar wird der Legierungszuschlag an die Kunden weitergegeben, Mittel werden für den Stahlkonzern aber durch Vorfinanzierungen gebunden. Der Schrottpreis ist gemäss Finanzchef Euchner ein Risikofaktor.

Ein weiterer Risikofaktor bilden Währungseffekte. Allerdings würden sich diese nur in «bedingtem» Ausmass auswirken, so der Finanzchef.

Konzernleitung zuversichtlich

Die Investitionstätigkeit von Schmolz & Bickenbach wird sich bis zum Jahresende auf rund 100 Mio. Euro belaufen. Anfang 2007 wurde das US-Stahlunternehmen A.Finkl & Sons gekauft. Gesamthaft werden dort Investitionen von rund 155 Mio. Dollar vorgenommmen. Wie Konzernchef Niemeyer sagte, soll die Produktionstätte in Chicago den Ausstoss signifikant steigern.

Die Konzernleitung erwartet weiterhin ein stabiles Marktumfeld dank hoher Nachfrage. Die grosse Stahl-Nachfrage namentlich in aufstrebenden Märkten wie Asien, Osteuropa und Brasilien sichere Schmolz & Bickenbach weiterhin eine hohe Auslastung.

Ferner gab der Konzern bekannt, dass die Konzernrechnung per 31. Dezember 2008 erstmals auf Basis der IFRS (International Financial Reporting Standards) publiziert wird.

Aktie verliert

Die Aktie von Schmolz & Bickenbach ging am Dienstag deutlich fester in den Handel, notierte am Nachmittag aber 0,7 Prozent im Minus auf 66.50 Franken.

Das Unternehmen habe ein solides Ergebnis bekannt gegeben, bilanzierte Vontobel-Analyst Fabian Haecki. Schmolz&Bickenbach habe von einer ungebrochen starken Nachfrage nach Edelstahl profitiert, jedoch beim Stahlschrott und Sonderstahl mit Preisschwankungen zu kämpfen gehabt.

Ausserdem habe sich die Nettoverschuldung wegen der Umstellung der Rechnungslegungsstandards auf IFRS um 245 Mio. Euro erhöht. Gemäss Haecki ist die Bilanz nun sehr strapaziert, was die Finanzierungskosten erhöhen werde und auch den unternehmerischen Spielraum einschränken könnte, sofern die Rohstoffpreise nicht allmählich nachgeben.

(sda)

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