Fedpol-Jahresbericht: Weniger Hooligan-Vorfälle im letzten Jahr
Aktualisiert

Fedpol-JahresberichtWeniger Hooligan-Vorfälle im letzten Jahr

Gegen Hooligans wurden im letzten Jahr weniger Stadion- und Rayonverbote ausgesprochen. Trotz diesen Fortschritten geben sich die Behörden nicht optimistisch.

von
Lukas Mäder
Weniger Einsatzstunden der Polizei dank baulicher Trennung: Sicherheitszaun zwischen Bahnhof Wankdorf und Stade de Suisse in Bern, 13. Februar 2011.

Weniger Einsatzstunden der Polizei dank baulicher Trennung: Sicherheitszaun zwischen Bahnhof Wankdorf und Stade de Suisse in Bern, 13. Februar 2011.

Im Kampf gegen gewalttätige Chaoten bei Sportveranstaltungen vermeldet das Bundesamt für Polizei (Fedpol) positive Neuigkeiten. Im letzten Jahr hat es weniger Personen in die Hooligan-Datenbank Hoogan eingetragen als noch 2009. Dies geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten Jahresbericht hervor.

Auch die Zahl der verfügten Massnahmen ging markant zurück. Während 2009 die Behörden 519 Stadion- und Rayonverbote ausgesprochen hatten, waren es 2010 nur 225. Das Fedpol wagt im Jahresbericht eine positive Bilanz: Dank den Massnahmen von Bund, Kantonen und Verband seien die Polizeiaufgebote bei Sportveranstaltungen gegenüber 2009 «leicht zurückgegangen».

Einen positiven Blick zurück wirft auch Basel. «Wir hatten eine ruhige Saison ohne Eskalationen», sagt Polizeisprecher Klaus Mannhart. Es habe eine enge Zusammenarbeit der Beteiligten geben. Diesen dauernden Dialog streicht auch Josef Zindel vom FC Basel heraus. Er verweist aber auch auf Massnahmen des Clubs: «Wir stellen fest, dass wir mit unserer aufwändigen Fan- und Sicherheitsarbeit mit repressiven, präventiven und integrativen Elementen richtig liegen.» Doch der Ruhe traut die Polizei noch nicht recht, wie Mannhart sagt: «Die Situation kann sich auch wieder ändern.»

Noch keine Entwarnung

Zurückhaltend äussert sich auch die Zentralstelle für Hooliganismus. Die Situation habe sich gesamtschweizerisch gesehen zwar verbessert, sagt eine Sprecherin. In den Städten, etwa in Zürich, seien gewalttätige Vorfälle aber gleichbleibend oder sogar zunehmend. Das bestätigt auch der Sicherheitsdirektor der Stadt Bern, Reto Nause. Zwar habe Bern die Einsatzstunden der Polizei dank Investitionen in einen Sicherheitszaun reduzieren können. «Doch in der zweiten Saisonhälfte kam es gehäuft zu Vorfällen, die eine neue Qualität haben.» So stürmten Anfang Mai YB-Anhänger einen Extrazug mit Thun-Fans. Zudem sei es einmal wieder im Stade de Suisse selbst zu Ausschreitungen gekommen, bei denen auch die WC-Anlagen zerstört wurden. Nause betont deshalb: «Es gibt keinen Grund zur Entwarnung.»

Wie weit die 2007 eingeführten Massnahmen tatsächlich greifen, kann die Zentralstelle für Hooliganismus noch nicht abschliessend sagen. Doch die Stadionverbote und die verbesserte Kommunikation zwischen den Polizeikorps seien sicher positiv zu werten, so die Sprecherin. Für den Berner Sicherheitsdirektor Nause hat insbesondere die lückenlose Trennung der verschiedenen Fangruppen Wirkung gezeigt. Doch er erachtet weitere Massnahmen als angezeigt. Neben dem Kombi-Ticket, das die Gästefans zur Benutzung eines Extrazugs verpflichtet, will er eine Bewilligungspflicht für Grossveranstaltungen im Sport. «Wenn eine Bewilligung nötig wäre, könnten wir Auflagen machen oder sogar ein Spiel absagen», sagt er. Im Kanton Bern gebe es entsprechende Vorstösse. Die Stossrichtung dabei ist klar, wie Nause sagt: «Die Clubs müssen vermehrt haftbar gemacht werden können.»

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