Vorbezug: «Weniger Leute könnten sich ein Haus leisten»
Aktualisiert

Vorbezug«Weniger Leute könnten sich ein Haus leisten»

Der Bundesrat will die Pensionskassen-Gelder für Hauskäufer sperren. Der Traum vom eigenen Haus könnte so für viele platzen, sagt CS-Immobilienexperte Fredy Hasenmaile.

von
J. Büchi
Fredy Hasenmaile ist Immobilienexperte bei der Credit Suisse

Fredy Hasenmaile ist Immobilienexperte bei der Credit Suisse

Herr Hasenmaile*, geht es nach dem Bundesrat, dürfen künftig keine Pensionskassengelder mehr für den Kauf von Wohneigentum verwendet werden. Was bedeutet dies für angehende Hauskäufer?

Kommt die Vorlage tatsächlich so durch, wäre das schon ein erheblicher Dämpfer. Heute ist es so, dass gemäss Umfragen über 40 Prozent der Sparer für den Hauskauf Geld aus der Pensionskasse beziehen. Die einen, weil sie sich sonst gar kein Wohneigentum leisten könnten. Andere, damit sie sich eine grössere, zentralere oder bessere Immobilie kaufen können. Kurz: Man gönnt sich beim Hauskauf ein Upgrade, das man sich ohne diese Gelder nicht mehr leisten könnte.

Das heisst, die Reform würde alle Einkommensklassen treffen?

Da der Vorschlag des Bundesrates nach bisher unbestätigten Informationen nur auf den obligatorischen Teil der Vorsorge abzielt, sind vor allem die unteren Einkommensklassen betroffen. Diese könnten sich wohl gar kein Wohneigentum mehr leisten, die Mittelklasse müsste sich mit günstigeren Objekten zufriedengeben. Die Vermögensverteilung würde also wieder wichtiger, wohlhabende Personen wären nur wenig betroffen.

Erst am Dienstag haben die Banken angekündigt, ihre Richtlinien zur Vergabe von Hypotheken zu verschärfen. Ist der Traum des Eigenheims damit für Normalverdiener gleich doppelt ausgeträumt?

Die Hürde würde durch diese beiden Faktoren sicher höher. Die Verschärfung der Richtlinien der Banken ist im Vergleich aber eine relativ sanfte Massnahme. Der Richtungsentscheid des Bundesrats hätte viel stärkere Auswirkungen für den Immobilienmarkt.

Mit welchen Folgen ist auf dem Markt zu rechnen? Würde die Nachfrage einbrechen?

Es gäbe sicher eine starke Abkühlung. Wenn sich weniger Leute ein Eigenheim leisten können, wird das Angebot an freistehenden Häusern grösser. Dann stagnieren die Immobilienpreise, vielleicht sinken sie sogar. Noch grösser ist jedoch die Gefahr, dass es jetzt noch zu Last-Minute-Käufen kommt und der Immobilienmarkt dadurch befeuert wird.

Wie meinen Sie das?

Die Vorlage kommt frühestens im Herbst in die Vernehmlassung. Bis der Entscheid in Kraft tritt, dürfte es deshalb 2016 oder noch später sein. Es ist zu befürchten, dass nun viele noch Pensionskassen-Vorbezüge tätigen, um sich den Traum des Eigenheims zu verwirklichen, solange sie noch können.

Der Bundesrat plant die Reform ja nur, weil offenbar zunehmend Leute ihre Pensionskassengelder verpulvern - und später als Rentner auf Ergänzungsleistungen des Staates angewiesen sind. Gibt es denn aus Ihrer Sicht eine andere Lösung für das Problem?

Ich glaube, die Selbstregulierung der Banken, die wir vorher angesprochen haben, ist ein erster Schritt. So lässt man dem Sparer die Freiheit, Gelder aus der Pensionskasse zu beziehen. Man zwingt ihn aber sanft dazu, weiter zu sparen und seine Hypotheken schneller zu amortisieren.

* Fredy Hasenmaile ist Immobilienexperte bei der Credit Suisse

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