Aktualisiert 09.12.2008 12:58

UngleichWeniger Lohn für Teilzeitarbeitende

Wer im Kanton Zürich Teilzeit arbeitet, erhält weniger bezahlt als den entsprechenden Anteil am Vollzeitlohn. Dies trifft vor allem Frauen, die häufig Teilzeit arbeiten. Bei den Männern sind aber die Unterschiede grösser, wie eine Studie zeigt.

Gut jede zweite Frau und etwas mehr als jeder zehnte Mann im Kanton Zürich arbeiten weniger als 90 Prozent. Für ihr Teilzeitpensum erhalten viele aber deutlich weniger Lohn als das um die entsprechenden Prozente gekürzte Vollzeitgehalt, wie der Zürcher Regierungsrat am Dienstag mitteilte.

Dies müsse anders werden, wolle man die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern, heisst es in der Mitteilung. Nötig sei vor allem, die Bedingungen so zu gestalten, dass es sich auch für Männer lohne, zu Gunsten von Familie und Haushalt ihr Arbeitspensum zu reduzieren.

Die Angaben stammen aus einer Studie des kantonalen statistischen Amts. Dieses hat im Auftrag der Fachstelle für Gleichstellung von Mann und Frau die Lohnstrukturdaten der Privatwirtschaft in den Jahren 2002 bis 2006 analysiert.

Unterschiede je nach Geschlecht, Branche, Position

Rechnet man Teilzeitlöhne auf 100-Prozent-Löhne um, so fällt auf, dass sie im Durchschnitt um 18 Prozent tiefer liegen. Dabei gibt es laut Mitteilung beträchtliche Unterschiede je nach Geschlecht, Branche und hierarchische Position.

Die 13 Prozent Teilzeit arbeitenden Männer verdienen im Durchschnitt 16 Prozent weniger als der entsprechende Anteil am Vollzeitlohn ausmachen würde. Bei den Frauen macht der Unterschied zwar nur 4 Prozent aus. Da aber 52 Prozent der arbeitenden Frauen dies in Teilzeitpensen tun, trifft die Benachteiligung sehr viele Arbeitnehmende.

Besonders gross ist der Unterschied zwischen Voll- und Teilzeitlohn laut Studie im oberen Kader. Übers Ganze betrachtet verdienen dort Teilzeitangestellte (umgerechnet) 30 Prozent weniger als ihre Kollegen mit 100-Prozent-Pensum. In dieser Hierarchiestufe arbeiten immerhin 30 Prozent der Frauen aber nur 6 Prozent der Männer Teilzeit.

Weniger Unterschiede gibt es dagegen in Branchen wie Unterrichts- oder Gesundheitswesen, wo Teilzeitpensen gang und gäbe sind. Dort haben die Statistiker gar festgestellt, dass manche Teilzeitlöhne höher liegen, als der prozentuale Anteil des Vollzeitlohns.

Weniger Bonus für Frauen

Hat sich eine Frau auf eine Kaderposition hinaufgearbeitet, auf der sie Anrecht auf Bonus und Provision hat, so hat sie das Nachsehen gegenüber ihren männlichen Kollegen. Auf allen Stufen erhalten Männer höhere Boni als Frauen.

Am frappantesten ist der Unterschied auf der obersten Chefetage: Männliche Führungskräfte bezogen im Jahr 2006 durchschnittlich 48 000 Franken Sonderzahlungen, Frauen weniger als halb soviel, nämlich 22 000.

10 Prozent weniger für gleiche Arbeit

Im Jahr 2006 verdienten Frauen im Kanton Zürich einen Medianlohn von 5200 Franken. Das bedeutet: 50 Prozent der Frauenlöhne lagen darüber, 50 darunter. Bei den Männern betrug der Medianlohn 6800 Franken. Wie es in der Mitteilung heisst, beruht das Gefälle zwar zu zwei Dritteln auf Unterschieden in Ausbildung, Berufserfahrung, Alter und dergleichen.

Ein Drittel dagegen könne damit nicht erklärt werden. Nach wie vor verdienten somit Frauen mit gleicher Ausbildung und Erfahrung auf der gleichen Kaderstufe und mit gleichen Stellenanforderungen wie Männer zehn Prozent weniger.

(sda)

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