Italiens Jackpot: Weniger Staatsdefizit dank Lottohysterie

Aktualisiert

Italiens JackpotWeniger Staatsdefizit dank Lottohysterie

Die Lottohysterie Italiens nimmt gigantische Ausmasse an: In der letzten Ziehung gab es 139.9 Millionen Euro zu gewinnen. Bevor jedoch feststeht, wer den Jackpot knackt, ist sicher: Der italienische Staat ist der Hauptgewinner.

von
Katharina Bracher

Seit Anfang August haben die Italiener 280 Millionen Euro für die Lotterie ausgegeben. Alleine am Montag flossen 62.5 Millionen Euro in den Topf von «Superenalotto». Der Staatstopf füllt sich im rasanten Tempo, denn 50 Prozent der Einsätze gehen an den italienischen Fiskus. Was genau mit dem Geld geschieht, weiss keiner so richtig. Klar ist einzig: Die römische Sanierungspolitik scheint nicht ohne die Einnahmen aus der Lotterie zu funktionieren. Im Jahr 2007 etwa konnte der Finanzminister nicht zuletzt dank einem zweistelligen Milliarden Betrag aus der Lotteriesteuer einen beträchtlichen Rückgang des Defizites vermelden. Viel anders sieht die Rechnung im Jahr 2009 nicht aus: Der Finanzminister musste Anfang Jahr eine massive Neuverschuldung bekannt geben. 52.9 Milliarden beträgt das aktuelle Staatsdefizit von Italien.

Leerer Staatstopf profitiert vom Lotteriewahn

Die Millionender Spieler kommen da gerade recht. Die italienische Zeitung «Corriere della Sera» wollte von Alberto Giorgetti, Staatssekretär des Finanzministeriums, wissen, was er damit vorhat. «Mit diesen Einnahmen helfen wir den Schwächsten in unserer Gesellschaft», antwortete dieser vage. Giorgetti's oberster Boss, Regierungschef Silvio Berlusconi, hat sich bislang weder zur «Lottohysterie» seiner Landleute noch zum Verwendungszweck der Lottoeinnahmen öffentlich geäussert. Der italienische Verbraucherschutz kritisiert jedoch seit Jahren, dass der Staat nie genau ausweise, wohin die Einnahmen aus der Lotterie fliessen. Ein einzelner Parlamentarier aus dem Regierungslager, Domenico Di Virgilio, verlangt, dass man den Gewinn der Lotterie beschränke und den Rest für «soziale und wohltätige Zwecke» verwende. Doch das sind nur vereinzelte, kritische Stimmen, die im medialen Rauschen um das grosse «Lottofieber» unterzugehen scheinen.

Sogar Kommunalregierungen spielen Lotto

Alle anderen füllen wohl lieber einen Lottoschein aus. Italiener geben nämlich zunehmend mehr Geld aus für Lottoeinsätze: 2006 waren es gemäss «Corriere della Sera» 33.5 Milliarden Euro, was einem 16-prozentigem Wachstum gegenüber dem Vorjahr entspricht, Tendenz steigend. In Bella Italia wie in den Nachbarländern gilt: In wirtschaftlich schweren Zeiten suchen die Leute ihr Glück bei der Lotterie. Aber nicht nur gewöhnliche Einzelpersonen, auch einige italienische Gemeinden versuchen, sich mit der Lotterie aus finanziellen Nöten zu befreien. In Norditalien etwa erhofft sich die kleine Gemeinde Cesenelli, aus dem Lottogewinn endlich den Bau eines eigenen Theaters finanzieren zu können.

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