Dietikon ZH: Weniger Suizide in U-Haft dank neuer Abteilung

Aktualisiert

Dietikon ZHWeniger Suizide in U-Haft dank neuer Abteilung

Um Suizide zu verhindern, gibts im Gefängnis Limmattal eine neue Abteilung. Darin werden Insassen untergebracht, die in einer akuten Krise sind – ausgenommen Gewalttäter.

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Der Eingang des Gefängnis Limmattal in Dietikon. Hier wird in der zweiten Hälfte 2017 eine neue Abteilung Krisenintervention eingerichtet.

Der Eingang des Gefängnis Limmattal in Dietikon. Hier wird in der zweiten Hälfte 2017 eine neue Abteilung Krisenintervention eingerichtet.

Keystone/Ennio Leanza
Darin werden Insassen untergebracht, die zwar in einer akuten Krise sind - aber zu wenig suizidal für eine psychiatrische Klinik. Vier Pflegefachleute und ein Psychiater werden die Insassen rund um die Uhr betreuen.

Darin werden Insassen untergebracht, die zwar in einer akuten Krise sind - aber zu wenig suizidal für eine psychiatrische Klinik. Vier Pflegefachleute und ein Psychiater werden die Insassen rund um die Uhr betreuen.

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Das Gefängnis befindet sich in einem Teil des Dietiker Bezirksgebäudes.

Das Gefängnis befindet sich in einem Teil des Dietiker Bezirksgebäudes.

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Die so genannte «Abteilung Krisenintervention» wird im Untersuchungsgefängnis Limmattal in Dietikon eingerichtet und soll Platz für elf Insassen bieten. Die Abteilung soll in der zweiten Hälfte dieses Jahres in Betrieb gehen.

«Wir wollen den Häftlingen etwas mehr Raum geben, um das Gefühl der Enge auszuschalten», begründete Gefängnis-Leiter Roland Zurkirchen am Dienstag vor den Medien die neue Einrichtung. Man müsse bedenken, dass diese Insassen nicht verurteilt seien und oft mitten aus dem Leben gerissen würden. Für viele sei dies eine akute Krise.

Es gebe einige, die Selbstmordgedanken entwickeln würden. Dies sei nicht nur für die Insassen eine Belastung, sondern auch für die Mitarbeitenden. Gefährlich werde es vor allem abends, wenn es still sei im Gefängnis und die Menschen mit ihren Problemen alleine seien.

Gemeinsames Essen

Die neue «Abteilung Krisenintervention» soll vor allem mehr Begegnungen zu anderen Insassen ermöglichen. Geplant sind gemeinsame Spaziergänge, gemeinsame Essen, wobei auch die Geschlechtertrennung aufgehoben werden soll. Vier Pflegefachleute und ein Psychiater werden die Insassen rund um die Uhr betreuen.

Natürlich gebe es Fälle, die nicht in diese Abteilung eintreten könnten, sagte Zurkirchen weiter. Gewalttäter etwa, die zu einer Gefahr für andere werden können. «Die Ermittlungsergebnisse dürfen durch die Kontakte natürlich auch nicht gefährdet werden.»

Für das zusätzliche Personal rechnet der Kanton Zürich mit Mehrkosten von 600'000 Franken pro Jahr. Der Umbau dürfte etwa 250'000 Franken kosten. Geplant sind dabei auch Zellen, in denen ein Suizid praktisch unmöglich ist. Dafür werden Böden und Wände beispielsweise mit Turnhallen-Boden ausgekleidet, so dass sich Insassen nicht absichtlich am Kopf verletzen können.

«Natürlich gibt es auch da keine hundertprozentige Sicherheit», sagte Zurkirchen weiter. Der eine oder andere Rückschlag dürfte es trotz neuer Abteilung geben. «Unser Ziel ist aber, alles zu tun, was möglich ist.»

Bis anhin wurden suizidale Insassen in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. «Die Aufnahmemöglichkeiten sind aber sehr beschränkt», sagte Zurkirchen weiter. Meist sei die Person nach zwei oder drei Tagen zurückgeschickt worden, weil die akute Krise überwunden sei. Mit der neuen Abteilung könne man nun auch Insassen betreuen, die nicht in einer Klinik aufgenommen würden.

Auslöser Fall Flaach

Auslöser für dieses neue Angebot ist der Suizid der 27-jährigen Frau aus Flaach ZH, die ihre beiden Kinder getötet hatte. Sie wurde anfangs in die geschlossene Abteilung der psychiatrischen Klinik Rheinau gebracht. Nachdem die akute Krise vermeintlich überwunden war, wurde sie in eine Sicherheitszelle im Gefängnis umquartiert.

Die Gefängnisleitung und der zuständige Psychiater liessen die junge Frau so engmaschig bewachen, dass sie gar keine Möglichkeit für einen Suizid mehr hatte. Dieses Arrangement war jedoch sehr freiheitseinschränkend, so dass es nach kurzer Zeit wieder aufgelöst wurde. Im Sommer 2015 brachte sie sich schliesslich um.

Justizdirektorin Jacqueline Fehr (SP) kündigte daraufhin an, die Bedingungen in der Untersuchungshaft zu verbessern, um Suizide wenn immer möglich zu verhindern. (sda)

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