Schweinegrippe: Weniger Tote als angenommen

Aktualisiert

SchweinegrippeWeniger Tote als angenommen

Das neue Grippevirus breitet sich in immer mehr Länder aus, hat aber deutlich weniger Menschen das Leben gekostet als bislang angenommen. Bestätigt sind in Mexiko nur 26 Schweinegrippe-Infektionen, darunter sieben Todesfälle.

Aus anderen Ländern wurden bisher keine Todesopfer gemeldet. Verdachtsfälle gibt es jedoch in zahlreichen Staaten. In Deutschland werden am Mittwoch endgültige Diagnosen für mehrere Patienten erwartet.

159 Tote

Die Zahl der Grippetoten insgesamt in Mexiko sei um sieben weitere auf 159 gestiegen, erklärte Gesundheitsminister José Cordova am Dienstag. Nur noch 1.311 Menschen würden noch im Krankenhaus behandelt. Insgesamt gebe es fast 2.500 Verdachtsfälle auf Schweinegrippe. Die Behörden setzten mittlerweile Schnelltests ein, um eine Infektion mit anderen Typen von Grippeviren auszuschliessen, sagte Cordova. Endgültig nachgewiesen wird die Schweinegrippe mit zeitaufwendigen Tests.

Zwei bestätigte Erkrankungen gab es am Dienstagabend in Grossbritannien, zwei weitere in Spanien. Bei allen Patienten ist der Zustand jedoch nicht bedrohlich. In den USA stieg die Zahl der bestätigten Infektionen auf 66. Laut WHO sind nicht alle Erkrankten in Mexiko gewesen, einige haben sich also vermutlich in den USA angesteckt. Zur Bekämpfung der Grippe beantragte das Weisse Haus im Kongress 1,5 Milliarden Dollar (1,15 Milliarden Euro).

Weitere Infektionen in Kanada und Neuseeland bestätigt

In Kanada erhöhte sich die Zahl der bestätigten Infektionen auf 13 und in Neuseeland auf 14, wie die Gesundheitsbehörden mitteilten. In Israel sind ebenfalls zwei Infektionen bestätigt. Auch aus Südkorea wurde ein Verdachtsfall gemeldet. Die betroffene Frau habe sich inzwischen wieder gut erholt, berichtete die Nachrichtenagentur Yonhap am Mittwoch. In Österreich gibt es offenbar ebenfalls einen Ansteckungsfall, wie die Nachrichtenagentur APA am Dienstagabend meldete.

In Hamburg sind sich Virologen im Fall einer jungen Frau laut einem Bericht der «Financial Times Deutschland» bereits sicher, dass es sich um das Schweinegrippe-Virus handelt. Bei der Patientin, die am Wochenende aus Mexiko eintraf, sei bereits ein Grippevirus vom Typ H1N1 nachgewiesen. Das endgültige Testergebnis soll am Mittag bekanntgegeben werden.

Auch USA für Umbenennung der Schweinegrippe

Weltweit wurden wegen der Ausbreitung der Krankheit die Sicherheitsmassnahmen erhöht. Russland, Hongkong und Taiwan erklärten, Durchreisende mit Grippesymptomen würden sofort in Quarantäne eingewiesen. Als erstes Land stellte Kuba am Dienstag den Flugverkehr von und nach Mexiko für 48 Stunden ein. Argentinien erklärte, bis Sonntag würden alle Flüge aus Mexiko ausgesetzt. Ausserdem sollten sich rund 60.000 Menschen, die in den vergangenen drei Wochen aus Mexiko, den USA und Kanada eingereist sind, mit dem Gesundheitsministerium in Verbindung setzen. Von Südkorea bis Kambodscha sollten Reisende aus Nordamerika mit Thermalscannern auf Fieber untersucht werden.

Nach der EU sprachen sich unterdessen auch die USA für eine Umbenennung der Schweinegrippe aus. Die derzeitige Bezeichnung suggeriere, dass es ein Problem mit Schweinfleischprodukten gebe, sagte Agrarminister Tom Vilsack. Bei der Grippe handele es sich aber nicht um eine Lebensmittelinfektion, und das Virus habe nichts mit dem Konsum von Schweinefleisch zu tun. Die Bezeichnung Schweinegrippe könnte Züchtern wirtschaftlich schaden. (dapd)

Das Schweinegrippe-Virus (Typ H1N1)

Wissenschaftler klassifizieren Grippe-Viren nach ihren Oberflächenproteinen. H steht dabei für Hämaggluttinin, N für Neuraminidase. Es gibt 16 verschiedene H-Typen und neun verschiedene N-Typen, wobei die Nummern nichts über die Schwere der Krankheit aussagen. Die jetzt in Mexiko ausgebrochene Schweinegrippe hat den Virenstamm H1N1, die Vogelgrippe den Typ H5N1.

Der grösste Teil einer Virusoberfläche ist mit dem Eiweiss Hämagglutinin bedeckt. Das Protein ermöglicht Viren das Ankoppeln an die Zelle, in der schliesslich neue Grippeviren entstehen. Neuraminidasen sind Enzyme, die sich auf der Oberfläche von Influenzaviren befinden. Sie ermöglichen das Eindringen von Krankheitserregern in körpereigene Zellen. Diese viralen Enzyme schleusen dann auch von infizierten Zellen neu produzierte Viren aus der Zelle.

(Quelle: AP)

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