Aktualisiert 11.10.2005 16:46

Weniger Unfälle - 0,5 Promille zeigt Wirkung

Die Zahl der schweren Unfälle wegen Alkohol ist im ersten Halbjahr 2005 im Vergleich zur Vorjahresperiode um 26 Prozent zurückgegangen. Überhaupt waren weniger angetrunkene Lenker unterwegs.

«Wir können einen neuen Trend feststellen», sagte Heinz Gilomen, Vizedirektor des Bundesamtes für Statistik (BFS), vor den Medien in Bern. Nach jahrelanger Stagnation gab im ersten Halbjahr 2005 weniger Unfälle auf Schweizer Strassen. «Das ist offenbar der Senkung der Promillegrenze sowie der Begleitkampagne zu verdanken.»

Bemerkenswert sei dabei, dass sich die Massnahmen gegen Trunkenheit am Steuer auch auf andere Verkehrsdelikte ausgewirkt hätten, sagte Gilomen. So gab es etwa auch weniger Unfälle wegen zu schnellen Fahrens: Schwere Raser-Unfälle sind um 10 Prozent, solche mit tödlichem Ausgang um 23 Prozent zurückgegangen.

Die Zahl der tödlichen Unfälle unter Alkoholeinfluss sank gar um 37 Prozent. Insgesamt gab es im ersten Halbjahr 2005 12 Prozent weniger Unfälle als in der Vorjahresperiode.

Weniger Blaufahrer

Die Zahlen des BFS zeigen weiter, dass auch die Zahl der angetrunkenen Fahrer gesunken ist. Wiesen im Jahr 2003 24 Prozent (2001/25 %) der getesteten Fahrer einen Blutalkoholgehalt von über 0,8 Promille auf, so waren es im ersten Halbjahr 2005 nur noch 8 Prozent.

Einen Promillewert zwischen 0,5 und 0,79 hatten im ersten Halbjahr 2005 lediglich rund 2 Prozent der Gestesten. Zahlen aus früheren Jahren fehlen für diese Promillespanne.

Dass die Zahl der getesteten Fahrer in angetrunkenen Zustand sinke, sei allerdings wegen der systematischen Kontrollen zu erwarten gewesen, sagte Gilomen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Motorfahrzeuglenker einer Atemalkoholkontrolle unterzogen werde, liege heute bei 6 Prozent. Im Jahr 2004 lag sie nur bei 3 Prozent.

Trotzdem sei die Vermutung berechtigt, dass es im ersten Halbjahr 2005 weniger alkoholisierte Lenker unterwegs waren, sagte Gilomen.

Zu früh für Bilanz

«Noch ist es zu früh, die Champagnerkorken knallen zu lassen», sagte Werner Jeger, Vizedirektor des Bundesamtes für Strassen. Ob der Trend zu weniger Alkohol auf Schweizer Strassen anhalte, könne man noch nicht sagen. Er befürchte, dass die Wirkung der getroffenen Massnahmen etwas zurückgehen werde.

Auch wisse man noch nicht, welche Massnahme den Trend ausgelöst habe, sagte Jeger. Es gelte jetzt herauszufinden, wie stark die Senkung der Promillegrenze und wie stark die vermehrten Polizeikontrollen wirkten. Auch sei der Einfluss der begleitenden Kampagnen noch nicht klar.

Um die Beantwortung solcher Fragen zu erleichtern, führt das BSF neu ein sogenanntes Indikationssystem zur Strassendelinquenz, das auf dem Internet für alle einsehbar ist. Das System stellt Daten aus verschiedenen, den Verkehr betreffenden Statistiken zusammen. (sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.