Lehrplan 21: Weniger Zeugnisse, mehr Persönlichkeit
Aktualisiert

Lehrplan 21Weniger Zeugnisse, mehr Persönlichkeit

Die Bewertung der schulischen Leistung soll vereinfacht werden. Nun legt die Berner Erziehungsdirektion Vorschläge für die künftige Schülerbeurteilung vor.

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aha/sda
Am Freitag sprach der Berner Erziehungsdirektor Bernhard Pulver über die neue Beurteilungspraxis.

Am Freitag sprach der Berner Erziehungsdirektor Bernhard Pulver über die neue Beurteilungspraxis.

Keystone/Steffen Schmidt

Jetzt ist klar, wie die Leistung der Schüler im Kanton Bern künftig bewertet werden soll. Mit der geplanten Einführung des Lehrplans 21 ab dem Schuljahr 2018/19 sollen einerseits weniger Zeugnisse ausgestellt werden, andererseits sollen im 8. und 9. Schuljahr neu die überfachlichen Kompetenzen der Schüler bewertet werden. Diese Änderungen hat der Kanton gemeinsam mit rund 2000 Lehrpersonen an Hearings ausgearbeitet. Die Änderungen gehen nun bis Ende September in eine breite Konsultation.

Zeugnisse nur noch jährlich

Der Berner Erziehungsdirektor Bernhard Pulver schlägt vor, dass das erste Zeugnis respektive der «Beurteilungsbericht» erst am Ende des zweiten Schuljahres ausgestellt wird. Das gab Pulver am Freitag an einer Medienkonferenz in Bern bekannt. Heute wird das erste Zeugnis schon nach dem zweiten Kindergartenjahr verteilt.

Der zweite Beurteilungsbericht soll Ende des vierten Schuljahres folgen, anschliessend jeweils jährlich vorgenommen werden. Das bedeutet auch, dass in der Sekundarstufe I (7. bis 9. Schuljahr) künftig nur noch jährliche statt halbjährliche Beurteilungsberichte ausgestellt werden.

Am Standortgespräch der Klassenlehrer mit den Eltern wird auch mit der Einführung des neuen Lehrplans festgehalten. Neu soll jedoch ein einfaches Protokoll verbindlich erklärt werden, in welchem die besprochenen Themen jährlich festgehalten und unterschrieben werden.

Teamwork und Ordnungssinn

Die wohl grösste Änderung betrifft die Bewertung der überfachlichen Kompetenzen im 8. und 9. Schuljahr. Neu soll es ein «Portfolio» geben, in dem einerseits die personalen Kompetenzen und andererseits für die Berufswahl wichtige Schlüsselkompetenzen bewertet werden sollen. Sowohl die Lehrer als auch die Schüler geben dabei eine (Selbst-)Einschätzung ab. Dafür sollen darin das Arbeits- und Lernverhalten der Schüler nicht mehr erwähnt werden.

Die sogenannten personalen Kompetenzen werden wie folgt definiert: «Der Schüler kann zunehmend selbstständig arbeiten und wenn nötig Unterstützung holen, Argumente abwägen und einen eigenen Standpunkt einnehmen, über das eigene Lernen nachdenken.» Diese werden fachspezifisch auf einer Skala von 1 bis 10 beurteilt. Bei den Schlüsselkompetenzen werden unter anderem die Teamfähigkeit, der Ordnungssinn und Pünktlichkeit bewertet.

An den Übertrittsverfahren soll, ausser bei gewissen Begriffen, nichts geändert werden. Und ab dem 3. Schuljahr sollen weiterhin Noten erteilt werden.

Mehr Deutsch und Mathe

Zu Beginn des Jahres gelangte ein erster Entwurf an die Medien, der wegen der Bewertung von sozialen Kompetenzen für Polemik gesorgt hatte. Bereits bekannt gegeben wurde im März, dass Berner Schüler künftig mehr Mathe und Deutsch büffeln müssen. Auch die Fachbereiche Medien und Informatik werden verstärkt vermittelt.

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