Aktualisiert 17.07.2018 06:25

SBB-Sommerfahrplan

«Weniger Züge, weniger Platz, mehr Verspätungen»

Mit ihrem Sommerfahrplan hat die SBB das Reisen mit dem ÖV erschwert. Pro Bahn fordert nun einen Rabatt für Betroffene.

von
ehs
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Zwischen dem 30. Juni und dem 26. August 2018 wird auf dem Schweizer Schienennetz überdurchschnittlich viel gebaut.

Zwischen dem 30. Juni und dem 26. August 2018 wird auf dem Schweizer Schienennetz überdurchschnittlich viel gebaut.

Keystone/Marcel Bieri
Deswegen sind verschiedene Strecken – etwa zwischen Bern und Lausanne – gesperrt. Pendler müssen mit Ersatzbussen fahren oder alternative Verbindungen nutzen.

Deswegen sind verschiedene Strecken – etwa zwischen Bern und Lausanne – gesperrt. Pendler müssen mit Ersatzbussen fahren oder alternative Verbindungen nutzen.

Keystone/Jean-christophe Bott
Betroffen sind neben der Westschweiz auch Pendler zwischen Basel und Zürich, Zürich und St. Gallen oder im Knonauer Amt. Entschädigungen gibt es im Rahmen eines SBB-Pilotprojektes aber nur in der Westschweiz.

Betroffen sind neben der Westschweiz auch Pendler zwischen Basel und Zürich, Zürich und St. Gallen oder im Knonauer Amt. Entschädigungen gibt es im Rahmen eines SBB-Pilotprojektes aber nur in der Westschweiz.

Keystone/Jean-christophe Bott

Das Reisen mit dem ÖV ist diesen Sommer beschwerlicher als sonst. Zwischen dem 30. Juni und dem 26. August gilt erstmals der «Sommerfahrplan». Diverse Züge fallen aus, auf anderen Verbindungen dauert die Fahrt länger. 20 Minuten beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wo sind die meisten Pendler betroffen?

Zwischen Basel und Zürich fallen über die Hälfte der direkten Züge aus. Die Züge von Basel ins Tessin fahren erst ab Olten. Die Strecke zwischen Bern und Lausanne ist komplett gesperrt. Die Intercity-Züge von Genf nach St. Gallen fahren nur zwischen Freiburg und Wil. Auch im S-Bahn-Verkehr kommt es zu Sperrungen, etwa zwischen Knonau und Zug oder zwischen Sissach und Olten. Dort verkehren Ersatzbusse.

Wieso gibt es weniger Platz in meinem Zug?

Wegen den Unterbrüchen ändern sich laut der SBB auch in über 95 Prozent der Fälle die eingesetzten Züge. Das kann auch bedeuten, dass statt der ursprünglichen Züge etwa S-Bahn-Züge fahren.

Was sagen Pendler zum Sommerfahrplan?

Auf Social Media ärgern sich Betroffene: «Sommerfahrplan aka ‹ihre Fahrzeit verlängert sich um 50 Prozent›», schreibt ein Pendler. «Kein Sitzplatz, totales Chaos und viel längere Reisezeit – ich überlege, ob ich ein Auto kaufen soll», schreibt ein Pendler zwischen Zürich und St. Gallen. Auf der Facebook-Seite der SBB melden sich verärgerte Pendler: «Weniger Verbindungen, weniger Platz, mehr Verspätungen», fasst ein Nutzer den «Pendlersommer 2018» zusammen. Ein Betroffener auf der Strecke Zürich–Basel fragt die SBB, ob sie «wirklich auch zu Pendlerzeiten jeden zweiten Intercity ausfallen lassen muss». Gemäss der SBB halten sich die Rückmeldungen «in normalem Rahmen».

Wieso gibt es einen Sommerfahrplan?

SBB-Sprecher Oli Dischoe sagt, die Infrastruktur der SBB sei eine der meistgenutzten der Welt. Das Angebot werde zunehmend dichter und die Züge beschleunigten immer schneller, was die Infrastruktur zusätzlich belaste. Gleichzeitig würden immer mehr Anlagen in Betrieb genommen. Die SBB sperrt vermehrt Strecken ganz, wenn Bauarbeiten anstehen. «So kann die SBB die Gleisbaumaschinen konzentriert und ohne Unterbruch einsetzen und die Arbeit in kürzerer Zeit erledigen», sagt SBB-Sprecher Dischoe. Der Vorteil: Kunden seien weniger lang betroffen und Arbeiten könnten bis zu 30 Prozent günstiger realisiert werden.

Gibt es Entschädigungen für Pendler?

Pendler, die auf der gesperrten Strecke Bern–Lausanne unterwegs sind, können eine Entschädigung erhalten. Dafür müssen sie die SBB-Mobile-Preview-App herunterladen, die ihre Fahrten aufzeichnet. Kunden, die an mindestens 10 Tagen eine mindestens 20 Minuten längere Fahrzeit haben, erhalten eine Geschenkkarte der SBB im Wert von 100 Franken. Dabei handelt es sich um ein Pilotprojekt. Die Interessenorganisation Pro Bahn kritisiert den Versuch: Präsidentin Karin Blättler sagt, eine Entschädigung müsse zwingend auch für Gelegenheitsreisende ausbezahlt werden, und zwar, ohne dass die Fahrten in einer App aufgezeichnet werden. «Diesen Versuch heissen wir nicht gut», sagt Blättler.

Wie sieht es auf anderen Strecken aus?

Auf anderen Strecken, die vom Sommerfahrplan betroffen sind, gibt es keine Entschädigung. Blättler sagt: «Es wäre fortschrittlich und angemessen, wenn die SBB während des Sommerfahrplans einen Rabatt von beispielsweise fünf Prozent gewähren würde.» Schliesslich bedeute der Sommerfahrplan, dass sich viele Reisende umorganisieren und einschränken müssten.

Wieso heisst der Sommerfahrplan nicht Baustellenfahrplan?

Die Antwort der SBB dazu ist lapidar: «Wir verwenden den Begriff, weil die Arbeiten im Sommer stattfinden», sagt Sprecher Dischoe.

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