Briten müssen sparen: Wenigstens das Pint wird billiger im Königreich

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Briten müssen sparenWenigstens das Pint wird billiger im Königreich

«Schulden rauf, Wachstum runter!» Diese Botschaft vermittelte der britische Finanzminister bei der Vorstellung seines neuen Budgets. Sein Zückerchen: Der Bierpreis sinkt, wenn auch bloss minimal.

Ein Pence pro Pint sinkt der Bierpreis. Ob die Pubbetreiber diese minimale Preissenkung an die Kunden weitergeben, ist nicht anzunehmen.

Ein Pence pro Pint sinkt der Bierpreis. Ob die Pubbetreiber diese minimale Preissenkung an die Kunden weitergeben, ist nicht anzunehmen.

Die gute Nachricht zuerst: In Grossbritannien wird das Bier billiger. Finanzminister George Osborne lässt von Sonntag an einen Pence pro Pint an Steuern nach. Das ist aber auch schon so ziemlich alles, was Osborne den Briten am Mittwoch bei der Vorstellung des Haushaltes für das Finanzjahr 2013/14 an Positivem zu verkünden hatte. Bei allen gut gemeinten Versuchen des Zweckoptimismus blieb für das Königreich unter dem Strich eine ernüchternde Botschaft: Schulden rauf, Wachstum runter!

Die Labour-Opposition und einige Ökonomen hatten von der Regierung im Vorfeld gefordert, gezielte Infrastrukturförderung zu betreiben, um das Wachstum im Lande anzukurbeln. Milliarden sollten in den Bau von Strassen, Schienennetzen und Kraftwerken investiert werden, verlangte die Labour-Partei.

Osborne reagierte darauf mit Haushaltskosmetik. Der Steuerfreibetrag für die Einkommenssteuer wird ab 2014 von 8105 Pfund auf 10'000 Pfund (14'290 Franken) erhöht und junge Leute sollen mit staatlichen Darlehen zum Hauskauf animiert werden - mit einer ähnlichen Massnahme hatte schon Margaret Thatcher in den 1980er Jahren versucht, Konjunkturpolitik zu betreiben. «Abgesehen von ein paar Versuchen, ihn aufzujazzen, ist der Haushalt fiskalpolitisch neutral», sagte der Analyst James Knightley von der ING-Bank.

Der Teufelskreis

Grossbritannien steckt in der Falle: Das Land hat schlicht kein Geld mehr zu verteilen. Dringend benötigte Konjunkturpakete, um die lahmende Wirtschaft anzukurbeln oder sie zumindest von ihrer starken Fokussierung auf die Finanzdienste zu mehr Industrieproduktion umzubauen, kann sich Osborne nicht leisten.

Zusätzliche Ausgaben müssten aus neuen Schulden gespeist werden. Doch dann droht die Kreditwürdigkeit des Landes weiter Schaden zu nehmen. Die Ratingagentur Moody's hatte bereits im Februar Grossbritannien die Topbewertung AAA aberkannt.

Und so bleibt Osborne bei seinem Plan, voll auf Schuldenabbau zu setzen. Bisher ist er nicht aufgegangen. Noch vor vier Monaten hatte der Finanzminister bei seinem Herbstausblick gesagt, das Haushaltsdefizit werde im Haushaltsjahr 2013/14 auf 6,1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes fallen. Jetzt geht er von nur noch 6,9 Prozent nach 7,4 Prozent im laufenden Jahr aus.

Wachstum bleibt aus

Grund ist vor allem das Ausbleiben des erhofften Wachstumsschubs. Für das kommende Finanzjahr musste Osborne die Prognose auf 0,6 Prozent korrigieren - bei seinem Amtsantritt 2010 hatte er noch an 2,9 Prozent geglaubt. Das bedeutet, dass die Wirtschaftsleistung Grossbritanniens auch im kommenden Jahr nicht über das Niveau von 2007 hinauskommen wird.

Die Kommentare, die sich Osborne angesichts der desolaten Wirtschaftslage an seinem ersten Tag auf Twitter gefallen lassen musste, waren bissig. «Er ist der falsche Mann am falschen Platz - und das zur ungünstigsten Zeit für unser Land», sagte Oppositionsführer Ed Miliband.

Der britische Komiker David Schneider schlug als Seitenhieb auf die vielen Kürzungen, denen die Briten in den vergangenen drei Jahren ausgesetzt sind, nun vor, die maximale Zahl der Anschläge für Twitter-Nachrichten von 140 auf 135 zu kürzen - aber nur für Leute, denen mehr als 200'000 andere folgen. (sda)

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