Philippinen: «Wenigstens die Wahrheit erfahren»

Aktualisiert

Philippinen«Wenigstens die Wahrheit erfahren»

Knapp eine Woche nach der blutigen Geiselnahme in Manila mit acht getöteten Touristen haben zehntausende Menschen für eine umfassende Aufklärung des Vorfalls demonstriert.

In einem Park legten sie drei Schweigeminuten für die Menschen aus Hongkong ein, die am Montag in der philippinischen Hauptstadt bei der Entführung eines Reisebusses und der Stürmung durch die Polizei getötet worden waren.

Den Protestzug hatten mehrere Parteien in Hongkong organisiert. Sie erwarteten nach eigenen Angaben bis zu 50 000 Teilnehmer. Zur tatsächlichen Zahl wurden keine offiziellen Zahlen genannt.

Die Demonstranten zogen durch die Strassen Hongkongs, viele trugen als Zeichen der Trauer weisse Blumen. Bereits am Donnerstag hatten die Menschen in Hongkong der acht Toten gedacht: an jenem Tag wehten die Flaggen auf Halbmast und staatliche Einrichtungen blieben geschlossen.

Kritik an Polizei

In ihrem Protestzug am Sonntag brachten die Menschen ihren Unmut über den Polizeieinsatz in Manila zum Ausdruck. «Für die Regierungen ist es zu spät, etwas zu unternehmen, doch die Menschen in Hongkong hoffen, dass sie von den philippinischen Behörden wenigstens die Wahrheit erfahren», sagte die Demonstrantin Daisy Kwong.

Ähnlich äusserte sich der 56-jährige Law Wai Hing. Er hoffe, dass die chinesische Regierung entsprechend Druck auf die philippinische Regierung ausüben könne, sagte er.

Unter den rund 200 000 in Hongkong lebenden Philippinern herrschte Sorge vor Vergeltungsakten. Mehrere hundert von ihnen gedachten in eigenen Veranstaltungen der getöteten Touristen.

Bei einem Gedenkgottesdienst sagte Fermi Wong von der Gruppe Unison, die sich für ethnische Minderheiten in Hongkong einsetzt: «Es ist nicht Ihr Fehler. Wir sind ebenfalls über die philippinische Regierung verärgert, nicht gegenüber der gesamten Nation.»

Nicht durch Polizeikugeln gestorben

Die philippinische Polizei teilte am Sonntag mit, sie sei sich sicher, dass die Hongkonger Touristen von dem Entführer getötet worden seien und nicht durch Kugeln der Einsatzkräfte.

Nach offiziellen Angaben aus Hongkong ist die Untersuchung der acht Leichen mittlerweile abgeschlossen. Damit könnten nun die offiziellen Ermittlungen eingeleitet werden.

Der Reisebus war am Montag in Manila von einem Ex-Polizisten entführt worden, der mit der Tat offenbar seine Wiedereinstellung erreichen wollte. Er wurde bei der Erstürmung des Busses von Polizisten erschossen.

Die Polizei räumte später ein, bei dem Geiseldrama Fehler begangen zu haben. Ihr war unter anderem vorgeworfen worden, zu spät eingegriffen zu haben. Das Drama zog sich über den gesamten Tag hin. (sda)

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