Case Modding: Wenn aus dem Computer ein Ferrari-Motor wird

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Case ModdingWenn aus dem Computer ein Ferrari-Motor wird

Sie gehen in den Baumarkt statt zum PC-Händler: Case Modder verwandeln ihre PCs in alles, was nicht nach herkömmlicher Kiste aussieht. Wir suchen die schönsten Schweizer Casemods.

von
Jan Graber

Sie sind die Blickfänge von LAN-Partys, Gamemessen und anderen Treffen, an dem Computer-Technikfans aufeinandertreffen: Computer, die nicht aussehen wie herkömmliche Kisten, sondern wie ein Bierfässchen, Terminator oder ein Ferrari-Motor. Es handelt sich um sogenannte Casemods (engl. case=Gehäuse, mod=Veränderung) und Casecons. Letzteres stammt vom englischen Wort «construction» ab und bezeichnet den kompletten Neubau eines funktionierenden PCs, ohne auf ein bestehendes Gehäuse zurückzugreifen.

Casemodding hat seinen Ursprung in den LAN-Partys Ende der Neunzigerjahre, an denen sich Hunderte Gamer zu Matches trafen. Die PCs, die die Gamer zu den Turnieren schleppten, waren nicht nur schwer, sondern sahen auch alle gleich aus: einheitlich grau. «Wer sich damals ein paar blinkende LEDs einbaute, war bereits ein Star», sagt Michael Wegner, Case Modder der ersten Stunde und Gründer der Deutschen Casemod Meisterschaft (DCMM).

Vom Teenie bis zum Opa

Mit ein paar LEDs allein war es freilich bald nicht mehr getan und die Erfindungen wurden verrückter. Um die schwere Kiste nicht schleppen zu müssen, baute sich ein Case Modder den PC zum Beispiel in einen Autoreifen ein - und rollte ihn bequem an die LAN-Party. Bald tauchten weitere, selbstfahrende PCs auf.

Heute sind nicht mehr alle Casemodder Gamer. «Die Szene in Deutschland, Österreich und der Schweiz besteht aus drei- bis fünftausend aktiven Moddern», sagt Wegner. Darunter befinden sich ebenso Technikfreaks wie Künstler, Tischler oder Industriedesigner. Casemodding ist auch keine Frage des Alters: Vom Teenager bis zum Opa bastle jede Altersgruppe an Computern - manchmal alle drei Generationen zusammen. Halt wird auch nicht vor Mobiltelefonen, Radios und anderen Geräten gemacht. «Das Durchschnittsalter beträgt 32 Jahre», sagt Wegner.

Der PC im Käselaib

Die verrückten Kisten blieben auch den herkömmlichen PC-Herstellern nicht verborgen - unterdessen sind PCs im Einheitsgrau weitgehend verschwunden. Stattdessen stehen sie in geschliffenem Alu, lackiertem Schwarz oder einem anderen stylischen Design unter und auf dem Tisch. Hersteller wie Alienware oder Asus bieten fixfertige, formveränderte Game-PCs an und der Markt mit vorgefertigten Mod-Teilen blüht.

Einen richtigen Casemodder treffe man indessen nicht im PC-Laden, sondern im Baumarkt an, weiss Wegner. Durchschnittlich stecken 350 Arbeitsstunden in einer Kreation. Eine besondere Casecon kann aber durchaus auch zwei Jahre dauern. Dabei unterstützt sich die Community gegenseitig, gibt Tipps und nimmt an den sogenannten Worklogs teil: den Dokumentationen, die Schritt um Schritt das Entstehen einer Konstruktion aufzeigen - wie die PC-Architektur zum Beispiel in ein Möbelstück oder in einen Webergrill verpflanzt wird oder die Technik in einem Käselaib verschwindet.

Für die Show

«Casemodder haben eine gesunde Selbstironie», sagt der Gründer der DCMM. Der letzte Schrei seien «Cases on the Move»: PCs mit beweglichen Teilen, die sich während des Betriebs entfalten. «Der Unterhaltungswert rückt in den Vordergrund», sagt Wegner. Am Ende gehe es auch darum, mit den Kreationen eine Show zu machen und die Anerkennung für eine gelungene Casecon oder einen Casemod einzuholen. «Man schafft sich ein kleines Denkmal», schliesst Wegner.

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DCMM

Die Deutsche Casemod Meisterschaft wurde 2002 erstmals durchgeführt. Mittlerweile ist daraus eine internationale Meisterschaft geworden, an der Casemodder aus aller Welt teilnehmen. Die Meisterschaft besteht aus zwei Teilen. Neben 50 jurierten und ausgezeichneten Stücken, die an der Gamemesse Gamescom in Köln gezeigt werden, findet an der Messe auch das Live-Modding statt: In nur 24 Stunden bauen sechs Zweierteams einen funktionierenden Casemod. Die diesjährige Meisterschaft an der gamescom in Köln findet vom 13. bis 17. August statt (Halle 10.2).

www.dcmm.de

Wettbewerb

Sind sie selbst passionierter Case Modder? Machen Sie mit in unserem Wettbewerb. Schicken Sie uns ein aussagekräftiges Foto ihrer Kreation. Nach Ablauf der Einsendefrist (10. August 2014) treten die besten Kreationen gegeneinander an und die 20-Minuten-Leser erküren in einem Duell den Sieger.

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