NGO-Studie: Wenn Banken schmutzige Gewinne fördern
Aktualisiert

NGO-StudieWenn Banken schmutzige Gewinne fördern

Eine ganze Reihe von Firmen verdient ihr Geld immer noch mit zweifelhaften Geschäftspraktiken. Und viele Banken investieren mit. Doch es tut sich etwas in der Branche.

von
L. Frommberg
Protest gegen Nestlé: Der Konzern soll Menschenrechte missachtet haben.

Protest gegen Nestlé: Der Konzern soll Menschenrechte missachtet haben.

Banken haben infolge der Krise ohnehin schon mit einigen Image-Schäden zu kämpfen. Eine neue Studie kritisiert nun einen neuen Bereich. «Dirty Profits» heisst der Bericht der NGO-Kampagne Facing Finance. Die Autoren kritisieren, dass Unternehmen der Finanzbranche oft Unternehmen mit ökologisch oder sozial fragwürdigen Geschäftspraktiken finanzieren. «Die Geldgeber sind daher mitverantwortlich für ökologische und soziale Schäden», heisst es.

26 Unternehmen hat der Report als Übeltäter hervorgehoben, darunter etwa das russische Ölunternehmen Gazprom oder den deutschen Sportartikelhersteller Adidas. Aus der Schweiz stehen Glencore Xstrata und Nestlé auf der schwarzen Liste, weil sie Umwelt- und Menschenrechte missachtet haben sollen.

Vergehen der Sünder mitfinanziert?

Banken werden in dem Bericht kritisiert, weil sie die Vergehen der Sünder mitbezahlen - durch Kredite, Anleihen oder Aktien. Die Schweizer Grossbanken sind mit dabei, sogar weit vorne: Die Credit Suisse zählt zu den untersuchten Finanzhäusern, die am meisten Geld in die Sünder investiert haben: rund 7,9 Milliarden Euro sollen es 2012 laut dem Report gewesen sein. Die UBS investierte rund 5,8 Milliarden. Ebenfalls in den Top 3: die französische Grossbank BNP Paribas.

Von den Banken heisst es, die Auswahl der untersuchten 19 Finanzinstitute sei willkürlich. «So fehlen bei den Finanzinstituten wichtige Mitbewerber wie britische oder amerikanische Banken gänzlich», erläutert Credit-Suisse-Sprecherin Valeria Ancarani. Studienkoordinator Thomas Küchenmeister erklärt: «In Europa sind wir in Belgien, Polen und Deutschland repräsentiert, daher beschränken wir uns auf die in diesen Gebieten relevanten Institute.»

Investitionen werden geprüft

Bei beiden Schweizer Grossbanken heisst es, dass man jede Investition auf die entsprechenden Faktoren prüfe. «Die UBS klärt bei Finanzierungsfragen Umwelt- und Menschenrechtsaspekte ab und überprüft, ob ihre Kunden die Standards einhalten», so etwa Christian Leitz, Leiter Corporate Responsibility bei der UBS. Die Bank erbringe wissentlich keine Finanzdienstleistungen für Unternehmenskunden, deren Geschäftstätigkeit bestimmte Umwelt- und Sozialrisiken beinhalten.

Das Bewusstsein der Institute über derartige Risiken hat sich geschärft. Und das hat Unternehmen wie Ecofact auf den Plan gerufen. Die Firma hat sich auf die Risikoberatung von Finanzunternehmen in den Bereichen Soziales, Umwelt und Reputation spezialisiert. «In den letzten zehn Jahren wurde immer klarer, dass es Geschäftspraktiken gibt, die heute nicht mehr akzeptiert werden», sagt Anna Reimann, Chefredakteurin von «Ecofact Quarterly», dem Risikoreport, den die Beratungsfirma vierteljährlich herausgibt. «Die meisten grossen Banken haben Prozesse eingeführt, die sicherstellen, dass Transaktionen mit Kunden in bestimmten Hochrisikosektoren wie Bergbau und Landwirtschaft genau geprüft werden.»

Risiken im Voraus genau prüfen

Die Kritik im Dirty-Profits-Report sei zwar nicht ganz unbegründet, aber man müsse auch sehen, dass es sich bei vielen der kritisierten Firmen nicht um Unternehmen handle, die systematisch Menschenrechte verletzen oder «permanent Dreck in den Ozean pumpen». Kritische Einzelfälle gebe es immer. «Und die Finanzierung in solchen Fällen lässt sich vermeiden, indem man die Risiken im Voraus genau prüft.»

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