Aktualisiert 20.08.2013 09:50

Absichtliches AnfahrenWenn das Auto zur Waffe wird

Willentlich hat ein Autofahrer in Hallwil AG einen Jogger angefahren, in Zürich ist ein Lenker gezielt in einen Verkehrskadetten gefahren. Immer wieder verwandelt sich das Auto in eine Waffe, wenn es zu Konflikten kommt.

von
lüs

Mit schwersten Rückenverletzungen liegt Marc (25) im Spital – ein Autolenker hat den Jogger am letzten Freitag nach einem Streit um das Wegrecht absichtlich angefahren. Ähnliches passierte einem 14-jährigen Verkehrskadetten, der am Samstag beim Zürcher Einkaufszentrum Letzipark den Verkehr regelte: Auch er wurde von einem Autolenker gezielt angefahren und am Bein verletzt. Dass Autofahrer ihr Fahrzeug als Waffe einsetzen, wenn sie mit anderen in Streit geraten, kommt immer wieder vor: So hat im Juli 2011 in Balgach SG ein unbekannter Autolenker einen Velofahrer absichtlich gerammt. Der Radfahrer erlitt eine Hirnquetschung und einen Riss in der Schädeldecke.

Ebenfalls im Juli 2011 fuhr ein Autolenker in Henau SG eine Frau gezielt an. Er hatte die Nerven verloren, weil sie ihn mit einem Handzeichen darauf aufmerksam gemacht hatte, dass er viel zu schnell unterwegs sei. Daraufhin kehrte der 20-jährige Schweizer um, touchierte die Frau und fügte ihr Verletzungen am Bein zu. Genervt von einem Töfffahrer war im August 2010 ein Schweizer Autolenker (27), der im deutschen Rust unterwegs war: Er drängte den Motorradlenker bewusst ab und brachte ihn zu Fall.

Amokfahrten und Mord per Auto

Für Aufsehen sorgten auch Amokfahrten mit tödlichem Ausgang: Ein Psychiatriepatient überfuhr am 13. März 2012 in Basel mit dem Auto insgesamt sieben Menschen, eine Velofahrerin starb. Einen Monat vorher fuhr ein Autofahrer vor der Lambada-Bar an der Zürcher Langstrasse in fünf Personen, ein Mann wurde getötet. Schwer verletzt wurde ein Mann, der am 1. Mai 2008 im Zürcher Kreis 4 von einem Autofahrer, der die Nerven verloren hatte, erfasst und über 200 Meter mitgeschleift worden war. Als Mordwaffe hat ein Kosovare im November 2011 in St. Gallen seinen Audi eingesetzt, um seine getrennt von ihm lebende Ehefrau zu töten – sie starb noch auf der Unfallstelle.

Mit dem Auto Macht demonstrieren

Valesca Zaugg, Geschäftsführerin der Stiftung Roadcross Schweiz, sagt, so extreme Vorfälle wie jener im Hallwil seien glücklicherweise in der Schweiz eine Ausnahme. «Dass Autolenker ihr Fahrzeug nutzen, um ihre Macht zu demonstrieren, kommt aber täglich vor.» Fussgängern werde der Vortritt verweigert, Velo- oder Töfffahrer würden abgedrängt. «Für viele Autolenker ist das ein Spiel – aber es handelt sich um ein grausames, gefährliches Spiel, das schnell zu bitterem Ernst werden kann.»

Wer in seinem Auto sitze und damit über eine «Aussenhaut aus Blech» verfüge, fühle sich viel mutiger und traue sich eher, sich rücksichtslos zu verhalten. Dass Aggressionen von Seiten von Autofahrern gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern zunehmen, führt sie darauf zurück, dass der Verkehr dichter sei als früher und es mehr Mischverkehr gebe, in denen Autofahrer Fussgängern und Velofahrern begegnen.

Sind auch sie schon als Fussgänger, Töff- oder Velofahrer von einem Auto absichtlich abgedrängt oder angefahren worden? Schreiben Sie uns an die Adresse feedback@20minuten.ch

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