Aktualisiert 06.11.2012 22:54

Mobile «Info Ladys»Wenn das Internet auf dem Velo kommt

In Bangladesch versorgen engagierte Frauen die Landbevölkerung mit mobilem Internet. Ihr wichtigstes Arbeitsgerät neben dem Laptop ist das Zweirad.

von
Farid Hossain, ap

Bis vor wenigen Jahren hatte Amina Begum noch nie einen Computer gesehen. Jetzt chattet sie regelmässig über Skype mit ihrem Mann. Auf einem Fahrrad bringt eine Frau das Internet regelmässig in ihr Dorf. Dutzende sogenannte «Info Ladys» fahren mit Internet-fähigem Laptop in abgelegene Dörfer in Bangladesch, wo sie Zehntausenden Menschen helfen, Anträge bei Behörden zu stellen oder auch einfach nur, mit Verwandten und Freunden in Kontakt zu bleiben. Es ist ein wertvolles Angebot in einem Land, in dem nur fünf Millionen von 152 Millionen Menschen einen Internetzugang haben.

Das Projekt der Info-Ladys wurde 2008 von der bengalischen Entwicklungsorganisation D.Net und anderen Gruppen ins Leben gerufen. Ziel ist es, mit Unterstützung der Zentralbank und von im Ausland lebenden Bengalen in den nächsten Jahren noch tausende Frauen mehr für diese Arbeit zu gewinnen. D.Net bildet sie aus, damit sie mit Computer, Internet, Drucker und Kamera umgehen können, und verschafft den Frauen auch ein Darlehen bei einer Bank, damit sie Velos und Ausrüstung kaufen können. «So schaffen wir Jobs für arbeitslose Frauen und die Dorfbewohner kommen an wichtige Informationen», sagt Ananya Raihan, der Exekutivdirektor von D.Net.

«Wir nutzen lieber Skype»

Die Frauen, die als Info-Ladys arbeiten, stammen meist aus Familien der Mittelklasse vom Lande. Und sie verteilen keine Almosen. Begum zahlt 200 Taka (1,90 Euro) für eine Stunde Skype mit ihrem Mann, der in Saudi-Arabien arbeitet. Begum lächelt scheu, als das Gesicht ihres Mannes auf dem Bildschirm vor ihr auftaucht. Aufregt sagt sie ihm, dass das Geld, das er geschickt, angekommen ist. Selbst Begums Schwiegermutter nutzt nun Skype, um mit ihrem Sohn Kontakt zu halten.

«Wir nutzen lieber Skype statt eines Handys, weil wir uns dann auf dem Bildschirm sehen können», sagt Begum, die in dem kleinen Dorf Jharabarsha im Bezirk Gaibandha lebt, rund 200 Kilometer nördlich der Hauptstadt Dhaka. Im benachbarten Dorf Saghata verschafft eine Info-Lady der 16-jährigen Tamanna Islam Dipa eine Verbindung in die sozialen Netzwerke. «Ich habe keinen Computer, aber wenn die Info-Lady kommt, dann nutze ich ihren Laptop, um mit meinen Freunden bei Facebook zu chatten», erzählt sie. «Wir unterhalten uns über unsere Noten und manchmal auch über andere Dinge.»

Gegen eine kleine Gebühr und manchmal auch kostenlos erledigen die Info-Ladys auch andere Dinge. Mit Mädchen sprechen sie über grundlegende Fragen der Gesundheitsvorsorge und auch über Tabus wie Monatshygiene, Verhütung und Aids. Sie helfen Dorfbewohnern bei Anträgen bei den Verwaltungen und reden mit den Bauern über den richtigen Einsatz von Dünger und Gift. Sie wissen auch, wie man den Blutdruck und den Blutzuckerspiegel misst.

Eine Idee von Muhammad Yunus kopiert

Sein Projekt kopiert eine Idee von Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus, der 2004 auf ähnliche Weise Handys in die ländlichen Gebiet brachte. Er schickte damals «Mobile-Ladys» in die Dörfer. Das erfolgreiche Experiment zog dann auch kommerzielle Mobilfunkanbieter an.

Fast 60 Info-Ladys arbeiten in 19 von 64 Bezirken in Bangladesch. Bis 2016 sollen es 15 000 sein, hofft Raihan. In Juli beschloss die Zentralbank von Bangladesch, dass sie den Info-Ladys zinslose Kredite gewährt. Insgesamt stehen 100 Millionen Takas (950 000 Euro) bereit.

Auch für die beteiligten Frauen scheint sich das Projekt zu lohnen. Info-Lady Sathi Akhtar, die in den Dörfern von Begum und Dipa unterwegs ist, sagt, sie verdiene damit mehr Geld, als sie als Lehrerin bekommen würde. «Wir verdienen nicht nur Geld, wir leisten auch einen Beitrag, unsere Frauen mit Informationen zu versorgen», sagt Akhtar. «Das macht uns glücklich.»

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