Aktualisiert

Schwule VäterWenn das Kind zweimal «Papa» ruft

Für viele Schwule und Lesben in der Schweiz bleibt der Kinderwunsch wegen gesetzlicher Hürden unerfüllt. In Kanada ist man uns diesbezüglich einen Schritt voraus.

Randy und Drew mit Söhnchen Jack (SRF).

Randy und Drew mit Söhnchen Jack (SRF).

Zwar ist die Toleranz gegenüber Homosexuellen gewachsen; wollen sie dann aber ein Baby haben, geht das vielen doch zu weit. Die Vorurteile gegen homosexuelle Eltern sind immer noch gross. Hinzu kommen die legalen Hürden. So ist in der Schweiz Leihmutterschaft nicht erlaubt, und Schwule und Lesben dürfen zwar ein Kind adoptieren, aber nur, wenn sie ledig sind und nicht in einer eingetragenen Partnerschaft leben.

Etwas einfacher ist die Situation in Kanada. Doch auch dort ist es für Schwule kein Pappenstiel, Vater zu werden. Davon kann Scott ein Liedchen singen. Wegen seines grossen Kinderwunsches ist seine siebenjährige Partnerschaft in die Brüche gegangen. Sein Exfreund war nicht bereit für eine Familie. Nun hat er sich von ihm getrennt und versucht, allein ein Kind zu bekommen. Das ist alles andere als leicht, ziehen doch die meisten Adoptionsstellen oder Leihmütter ein Heteropaar einem schwulen Single vor.

Zwei Väter, keine Mutter

Randy und Drew sind hingegen bereits am Ziel. Das verheiratete Paar hat den kleinen Jack adoptiert und lebt den Alltag aller Eltern: füttern, wickeln, das erste Wort: «Hat er Daddy gesagt?» Dass ihr Familienmodell auch im liberalen Kanada ungewohnt ist, merken sie jedoch immer wieder: «Wenn uns jemand auf der Strasse fragt, wo die Mutter des Kindes sei, dann antworten wir: 'Wir haben keine Ahnung.' Was auch stimmt.»

Stephens Situation ist nochmals anders. Der schwule Patentanwalt lebt in einer Wochenendbeziehung besonderer Art. Unter der Woche arbeitet er in Vancouver. Samstags fährt er frühmorgens auf die kleine Protection Island, wo seine Familie wohnt: seine beiden Töchter, seine Exfrau und deren Lebenspartnerin. Was für Aussenstehende recht verwirrlich wirkt, ist für die vierjährige Zea ganz normal: «Ich bin das glücklichste aller Kinder, denn ich habe die meisten Eltern.»

TV-Tipp:

«Vaterschaftsträume - Wenn Schwule ein Baby wollen», heute um 22:50 Uhr auf SF1.

Deine Meinung