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SPD hofft weiter«Wenn das nicht reicht, muss man gucken»

Die SPD hofft weiter auf ein rot-grünes Bündnis, obwohl die Grünen es inzwischen für unrealistisch halten. SPD-Generalsekretär Hubertus Heil sagte im ARD-Morgenmagazin, er setze noch auf die unentschlossenen Wähler. «Wenn das nicht reicht, muss man gucken, was es an anderen Konstellationen gibt.»

Bundeskanzlerin Angela Merkel warb auf einer Wahlkampftour mit dem Zug von Bonn nach Berlin mit einem Slogan Konrad Adenauers für ein schwarz-gelbes Bündnis: «Wir können uns keinerlei Experimente erlauben», sagte die CDU-Vorsitzende. Adenauer hatte 1957 mit dem Slogan «Keine Experimente» die absolute Mehrheit für die Union erzielt.

Opposition stemmt sich gegen Grosse Koalition

Die Opposition versucht unterdessen, sich gegen eine Neuauflage der Grossen Koalition zu stemmen. In einem am Montagabend ausgestrahlten Dreikampf der Spitzenkandidat von FDP, Linken und Grünen in der ARD schloss der Grünen-Chef Jürgen Trittin eine Koalition mit Union und FDP aus, erteilte aber einem Schwarz-Grünen Bündnis keine klare Absage. Rein rechnerisch sei eine solche Koalition allerdings wohl kaum realistisch, schränkte Trittin ein.

Am Vortag hatte die zweite Grünen-Spitzenkandidatin, Renate Künast, eine rot-grüne Koalition für unrealistisch erklärt. Trittin sagte, das erste Wahlziel sei, Schwarz-Gelb zu verhindern. Zweites Wahlziel sei, die Grosse Koalition zu beenden.

FDP-Parteichef Westerwelle bekräftigte die Koalitionsaussage zugunsten von CDU und CSU. Gleichzeitig sparte er nicht mit Kritik am Wunschpartner. Die FDP wolle mit der Union zwar eine Koalition bilden, deswegen sei sie aber längst noch nicht mit allem einverstanden, was diese in der Grossen Koalition mit verabschiedet habe, sagte er. Als Beispiele nannte er die Rente mit 67, die der FDP nicht flexibel genug sei, oder die «grösste Steuererhöhung in der Geschichte der Republik».

Linke-Parteichef Oskar Lafontaine sagte, da alle anderen Parteien eine Zusammenarbeit mit der Linken ausschlössen, stelle sich die Koalitionsfrage für ihn nicht. «Unser Ziel ist es, Politik zu verändern», sagte er. Wenn die Linke allerdings Gelegenheit bekäme, dies in einer Bundesregierung zu tun, würde sie sie wahrnehmen.

Steinmeier verstärkt Angriffe auf Merkel

SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier verstärkte unterdessen die Angriffe auf die CDU und Merkel. In einem Interview des «Bonner General-Anzeigers» meinte er: «Die Strategen in der Unionszentrale wollen Frau Merkel lieber über das Wetter plaudern lassen als über die drängenden Probleme unserer Zukunft in Deutschland.» Die Wähler liessen sich aber «von Frau Merkel weder einlullen noch einschläfern».

Die Kanzlerin spiele Verstecken, sagte Steinmeier. Sie liefere «nur schöne Bilder und schöne Worte». Der SPD-Kandidat bekräftigte, dass es keine Zusammenarbeit seiner Partei mit den Linken auf Bundesebene geben werde: «Die Partei ist nicht regierungsfähig, sie ist populistisch und anti-europäisch.» (dapd)

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