Anlagealternativen: Wenn das Provinznest zum Mekka wird
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AnlagealternativenWenn das Provinznest zum Mekka wird

Die Welt der Philatelisten trifft sich im st. gallischen Wil. Ob Basler Täubchen, Rayon II oder sitzende Helvetia - an der weltgrössten Briefmarkenauktion steigern die Bieter fleissig mit. Jede Briefmarke, die unter den Hammer kommt, findet ihren Käufer.

«Die Philatelisten lassen sich nicht beirren von der Krise», stellt Jean-Paul Bach nach Auktionsbeginn am Montag zufrieden fest. Bach ist philatelistischer Experte der Peter Rapp AG und Präsident des Schweizer Briefmarkenhändlerverbands. «Normal, anständig» seien die erzielten Preise.

Zum Auftakt der weltgrössten Auktion dieses Jahrs kommen Schweizer Klassiker unter den Hammer, darunter eine Reihe von «Basler Dybli». Bis zu 13 500 Franken bringen die Einzelstücke, zumeist deutlich mehr als der Schätzpreis im Auktionskatalog.

«900 dort hinten, 950 vorn»

Hundert Augenpaare richten sich auf Auktionator Peter Rapp, der ruhig und routiniert Los um Los versteigert. Auf einer Leinwand werden die philatelistischen Kostbarkeiten präsentiert, und in 20er- , 100er-, 500er- oder 1000er-Schritten schaukeln sich die Gebote nach oben. «900 hinten, 950 hier vorn...»

Der Käufer mit dem Konto 299 hat schon etliche Exemplare ersteigert. Er tippt in seinen Taschenrechner und konsultiert den über 600-seitigen Katalog, in dem jedes Stück, jeder Brief in Farbe dokumentiert sind. Konzentrierte Spannung erfüllt den holzgetäferten, von Messing-Leuchtern erhellten Saal im Soussol.

Gebote via Internet

Bei Los 72 schaltet sich zum ersten Mal ein Internet-Bieter online ein: Für 9000 Franken erhält er den Zuschlag für eine «Waadt 4 Cent». Die meisten Briefmarken finden für das Zwei- bis Dreifache des Schätzwerts Käufer. Zum Versteigerungspreis kommen 20 Prozent Kommission und 7,5 Prozent Mehrwertsteuer hinzu.

Die Bieter: Zumeist grauhaarige Herren, sachkundige Philatelisten, die das Angebot zuvor in den Besichtigungsräumen des Auktionshauses unter die Lupe genommen haben. Jetzt hoffen sie auf ein Schnäppchen. Hinten im Saal steht diskret ein Securitas-Mann in blauer Uniform und mit Knopf im Ohr.

Alles streng bewacht

Sicherheit wird bei Rapp gross geschrieben - nicht nur während der vier Autkionstage bis Donnerstag. In den Tresoren des Auktionshauses lagern Basler-Täubchen und andere Raritäten mit Millionenwert. Peter Rapp spricht liebevoll von seinem «Taubenschlag».

Mit Schweizer Klassikern wird die Auktion am Dienstag fortgesetzt. Dann kommen echte Raritäten unter den Hammer, wie Jean- Paul Bach betont. Er erwartet sechstellige Preise. Wer dann noch mitbieten will, braucht das nötige «Kleingeld». (sda)

Konservativer Briefmarken-Markt

Marianne Rapp, Mitglied der Geschäftsleitung und organisatorische Leiterin der Auktion, spricht von einer Renaissance der Breifmarken als Anlageinstrument. Den Markt charakterisiert sie als «konservativ und relativ stabil». Genau dies werde in Zeiten der Finanzkrise von Anlegern gesucht. Es gebe eine Hinwendung zu leicht disponiblen Sachwerten.

Dem pflichtet Jean-Paul Bach bei, Präsident des Schweizer Briefmarkenhändler-Verbandes und philatelistischer Experte des Auktionshauses Rapp. Einen Einbruch der Preise, wie beispielsweise bei den New Yorker Herbstauktionen für zeitgenössische Kunst, erwartet Bach nicht: «Alles wird verkauft.»

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