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KraftbündelWenn der Böse dich flachlegt

Matthias Sempach ist bereit für die neue Saison. Der Schwingerkönig von 2013 gab 20 Minuten eine Kostprobe seines Könnens.

von
heg

Matthias Sempach bodigt 20-Minuten-Sportredaktor Herbie Egli. (Video: Webvideo Tamedia/Irina Fehlmann)

Die besten Schwinger werden oft als Böse bezeichnet. Matthias Sempach gehört zu diesen. Der Schwingerkönig von 2013 ist aber gar nicht so böse. Zumindest dann nicht, wenn er 20-Minuten-Sportredaktor Herbie Egli flachlegt.

Wir begrüssen uns zuerst, bevor mir der 31-jährige Berner zeigt, wie man richtig greift. Nachdem ich mit der rechten Hand den Hosengurt am Rücken und mit der linken Hand den Hosenbund vorne am Oberschenkel gefasst habe, bin ich gespannt, wie ich nun gelegt werde. Es geht schnell. Sempach greift an und schon liege ich am Boden. Natürlich legt er mich viel sanfter, als wenn er im Sägemehlring einen richtigen Gang austrägt.

Erstes Kranzfest wartet

Sempach gewann Ende April mit dem Ziegelhof-Schwinget in Schönenbuch BL bereits ein kleineres Fest. Dieses Wochenende steht mit dem Emmentalischen in Heimenschwand das erste Kranzfest der Saison an. Mit den stärksten Berner Schwingern. «Ich konnte im Winter gut trainieren», sagt der Athlet mit den Gardemassen von 194 cm und 110 kg. «Ich hatte vor kurzem zwar noch eine kleine Grippe, aber nun freue ich mich auf das erste Kranzfest.»

Vielleicht zeigt der zweifache Familienvater an diesem Fest den Sempach-Spezial. Dieser Schwung ist eine Mischung zwischen Überwurf und äusserem Haken. Der Gegner wird mit einer ruckartigen Bewegung und mit der Hilfe eines Armes, der über den Rücken die Hose fixiert, über den eigenen Arm auf den Rücken gedreht. Mir blieb dieser Schwung zum Glück erspart, sonst hätte ich diesen Text vielleicht gar nicht mehr schreiben können.

Der Mann mit der besten Schnellkraft

Das Saison-Highlight ist für Sempach und seine Kollegen das Unspunnen-Schwinget Ende August in Interlaken. Die Berner treffen dann auf die restliche Elite der Schweiz und zählen zu den Topfavoriten. Schliesslich stellten sie mit Kilian Wenger (2010), Sempach und Matthias Glarner (2016) die letzten drei Schwingerkönige.

Sempachs Vorgänger und Nachfolger bezeichneten den 31-Jährigen als jenen Schwinger mit der besten Schnellkraft. «Jeder hat seine Stärken. Bei mir ist es sicher die Schnellkraft, die ich mir mit meinem Trainer Jean-Pierre Egger, der aus der Leichtathletik kommt, antrainieren konnte», sagt Sempach, der im Winter 16 bis 18 Stunden pro Woche trainiert.

Auch wenn ich Sempach nach unserem kleinen Intermezzo spasseshalber den Rücken abwischen durfte, seine Gegner müssen sich in Acht nehmen.

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