«Time-out» mit Klaus Zaugg: Wenn der Coach die Differenz macht
Aktualisiert

«Time-out» mit Klaus ZauggWenn der Coach die Differenz macht

Der HC Davos ist der erwartete Meister. Kloten war, wie wir befürchtet hatten, zu «normal». Davos hat aber auch das typische Profil einer Meistermannschaft des 21. Jahrhunderts.

von
Klaus Zaugg

Seit 1986 haben vor allem grosse Mannschaften die Meisterschaft gewonnen. Das «Grande Lugano» des John Slettvoll. Die «Big Bad Bears» der Bill Gilligan. Klotens Eisballett von Conny Evensson und Alpo Suhonen. Denn das waren die Zeiten, als es möglich war, durch Einsatz von viel Geld eine Mannschaft zusammenzukaufen, die eine Meisterschaft von A bis Z dominierte (Lugano). Oder einzelnen Spielern war es möglich, die Entscheidung herbeizuführen. Beilspielsweise Klotens Mikael Johansson, Felix Hollenstein und Anders Eldebrink, Berns Alan Haworth und Reijo Ruotsalainen. Doch der HC Lugano von 2006 war der letzte Meister, der aufgrund seiner Stars (Nummelin, Pletonen, Metropolit) und Sternchen ein logischer Meister war.

Athlethen können Künstler besiegen

Inzwischen ist die Ausgeglichenheit so gross geworden, dass wieder andere Faktoren als ein paar Stars und ein guter Goalie den Ausschlag geben. Denn zum ersten Mal in der Geschichte des Eishockeys sind die Athleten dazu in der Lage, die Künstler zu besiegen. Wer kräftig und schnell ist, kann dem Superstar folgen und ihm Raum und Zeit wegnehmen. Heute gewinnen die besseren Defensivstürmer eine Meisterschaft. Nicht mehr die kreativeren Stürmer.

Diese Problematik hat dazu geführt, dass die Regeln strikter ausgelegt werden («Null Toleranz»). Denn die Zuschauer wollen Stars sehen. Nicht Athleten (bzw. Fräser). «Null Toleranz» soll dem Star wieder Raum und Zeit verschaffen. Aber es hat nichts genützt.

Grössere Bedeutung der Trainer

Das bedeutet, dass dem Trainer wieder eine viel grössere Bedeutung zukommt. Erstens muss er sicherstellen, dass seine Spieler die besten Athleten sind. Dann Disziplin durchsetzen. Und weil Eishockeyspiele gerade in Extremsituationen im Kopf entschieden werden, braucht es einen im guten Sinne verrückten Coach, der seine Spieler über die Grenzen der Müdigkeit hinaus treibt und gleichzeitig sicherstellt, dass dabei keiner die Nerven verliert. Ein Coach wie Arno Del Curto.

Del Curto der entscheidende Faktor

Nie zuvor ist eine Meisterschaft so sehr an der Bande entschieden worden wie im Frühjahr 2009. Nie zuvor hatte ein Coach so grossen Anteil an einem Titel wie Arno Del Curto im Frühjahr 2009. Die Saison 2008/09 ist Arnos beste Saison. Er hat die Meisterschaft mit dem HCD zwar schon mehrmals gewonnen. Doch nie zuvor hatte er einen so grossen Anteil am Erfolg beim Titelgewinn von 2009. Wenn denn je ein Coach das Prädikat «Meistermacher» verdient hat, dann Arno Del Curto.

Nicht die Mannschaft mit dem meisten Talent ist Meister geworden (der SC Bern hatte die besseren Einzelspieler). Auch die Kloten Flyers würden in einem Talentwettbewerb gegen den HC Davos klar gewinnen. Ja, Meister Davos hatte nicht einmal die besten Ausländer der Liga. Selbst die SCL Tigers waren auf den vier Ausländerpositionen besser besetzt.

Novum durch Davos

Die Mannschaft mit dem verrücktesten, besten Coach hat auf eine verrückte Art und Weise in 21 Playoff-Spielen den Titel geholt. Alle Playoffserien sind im 7. Spiel entschieden worden. Das hat es so seit Einführung der Playoffs (1986) noch nie gegeben. Und wird es wohl eine Weile nicht mehr geben.

Davos im nächsten Jahr nicht der Favorit

Das bedeutet auch, dass der HC Davos nicht als Favorit in die nächste Meisterschaft steigen wird. Zu gross ist die Ausgeglichenheit in der Liga. Der SC Bern, der HC Lugano, die ZSC Lions, Fribourg-Gottéron und die Kloten Flyers sind auf dem Papier - wie in dieser Saison - mindestens gleichwertig oder sogar besser.

Es wird wieder Meistermacher Arno Del Curto sein, der die Differenz machen muss.

HC Davos.

Gründungsjahr: 1921.

Erfolge: 29-mal Schweizer Meister, letztmals (vor 2009) 1984, 85, 2002, 2005, 2007. - 14-facher Spengler-Cup-Sieger.

Präsident: Tarcisius Caviezel.

Team. Tor: Reto Berra. Leonardo Genoni.

Team. Tor: Reto Berra. Leonardo Genoni.

Verteidigung: Florian Blatter. Beat Forster. Andreas Furrer. Lukas Gerber. Marc Gianola. Robin Grossmann. Lukas Stoop. Jan von Arx. Thomas Wellinger.

Sturm: Andres Ambühl. Dario Bürgler. Alexandre Daigle (Ka). Gianni Donati. Dario Gartmann. Peter Guggisberg. Lee Jinman (Ka/ab Playoff). Robin Leblanc. Josef Marha (Tsch). Michel Riesen. Sandro Rizzi. Petr Sykora (Tsch). Peter Taticek (Tsch). Reto von Arx. Dino Wieser. Marc Wieser.

Coach: Arno Del Curto.

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