Victorinox-Chef: «Wenn der Euro bei 1.08 bleibt, wird es schwierig»
Aktualisiert

Victorinox-Chef«Wenn der Euro bei 1.08 bleibt, wird es schwierig»

Das Schweizer Armeemesser hat Victorinox weltbekannt gemacht. Victorinox-Chef Carl Elsener über den Swiss-Army-Verdruss, Jobgarantie und die Sorgen wegen des Euro-Kurses.

von
S. Spaeth
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Carl Elsener junior ist seit 2007 CEO von Victorinox. Die Traditionsfirma mit Sitz in Ibach im Kanton Schwyz wurde 1884 vom Urgrossvater des heutigen Chefs gegründet.

Carl Elsener junior ist seit 2007 CEO von Victorinox. Die Traditionsfirma mit Sitz in Ibach im Kanton Schwyz wurde 1884 vom Urgrossvater des heutigen Chefs gegründet.

Keystone/Samuel Truempy
Der Name Victorinox geht zurück auf Victoria, den Namen der Mutter des Gründers, sowie auf den Begriff Inox, der Bezeichnung für rostfreien Stahl. Zudem verwendet Victorinox bei gewissen Produkten den Zusatz Swiss Army.

Der Name Victorinox geht zurück auf Victoria, den Namen der Mutter des Gründers, sowie auf den Begriff Inox, der Bezeichnung für rostfreien Stahl. Zudem verwendet Victorinox bei gewissen Produkten den Zusatz Swiss Army.

Salvatore di Nolfi
Das neuste Messer aus dem Hause Victorinox entstand in Zusammenarbeit mit Nespresso. Die violetten Schalen auf beiden Seiten des Messers bestehen aus je zwölf recycelten Alu-Kaffeekapseln.

Das neuste Messer aus dem Hause Victorinox entstand in Zusammenarbeit mit Nespresso. Die violetten Schalen auf beiden Seiten des Messers bestehen aus je zwölf recycelten Alu-Kaffeekapseln.

Pierre Vogel

Herr Elsener, es gibt nun ein Victorinox-Messer aus recycelten Nespresso-Kapseln. Verhelfen Sie mit diesem Produkt nicht vor allem Nespresso zu einem Imagegewinn?

Carl Elsener: Für uns ist der Imagegewinn nicht entscheidend. Wir helfen gerne an einem Projekt mit, das die Leute dazu sensibilisiert, mehr Materialien einer zweiten Verwendung zuzuführen. Profitieren soll von der Idee vor allem das Recycling.

Für die Sackmesser-Abdeckungen braucht es lediglich das Alu von 24 Kapseln. Damit ist man noch kein Umweltschützer.

(Lacht) Nein, aber wenn man ein solches Messer kauft, unterstützt man den Recycling-Gedanken. Den Leuten soll bewusst werden, dass man aus Recyling-Materialien schöne Gegenstände herstellen kann. Zu Beginn war unklar, ob wir mit dem wiederverwendeten Kapselmaterial unsere Qualitätsstandards würden halten können. Aber es klappte.

Ist das Geschäft mit Messern und Sackmessern eigentlich Krisensicher?

Nein. Nach dem Terroranschlägen in den USA im Jahr 2001 mussten wir erleben, dass ein Ereignis, worauf wir keinen Einfluss haben, unsere Verkäufe dramatisch einbrechen lassen kann. Die Taschenmesserabsätze sanken um 30 Prozent. Zum Beispiel kauften US-Firmen zuvor Tausende Messer als Geschenke, nach 9/11 sagte sie allerdings: ‹Jetzt ist der falsche Zeitpunkt, um Messer zu verschenken.›

Wie stark merken Sie die aktuelle Frankenstärke?

Wir sind vom Entscheid der Nationalbank (SNB), den Euro-Mindestkurs aufzuheben, stark betroffen. Unsere Wertschöpfung findet vor allem in der Schweiz statt und wir können wegen des Swissmade nicht einfach Teile der Messer- oder Uhrenproduktion ins Ausland verlagern. Durch die Frankenstärke wurden unsere Produkte für ausländische Kunden teurer, was sich auf die Verkäufe auswirkt. Und leider hat der Brexit nun den Franken erneut stärker gemacht.

Nun scheint die SNB den Euro-Franken-Kurs aber bei rund 1.08 zu halten. Können Sie damit leben?

Wenn der Euro-Kurs länger bei 1.08 Franken bleibt, wird es für uns schwierig. Zu Zeiten des 1.20-Mindestkurses kalkulierten wir mit einem Euro von 1.26 Franken. Wenn das Währungspaar jetzt länger auf 1.08 verharrt, brauchen wir drei bis fünf Jahre Zeit, bis wir über Effizienzmassnahmen eine Marge erreichen, mit der wir längerfristig leben können.

Was tun Sie denn konkret, um wieder mehr Geld zu verdienen?

Wir versuchen die Produktionsschritte weiter zu automatisieren und die Preise für unsere ausländischen Kunden Schritt für Schritt anzupassen. Derzeit haben wir eine tiefere Marge als früher und liegen mit unseren Verkäufen gegen 10 Prozent hinter jenen aus dem Vorjahr. Wir spüren, dass wegen der Frankenstärke weniger Touristen in die Schweiz kommen.

Haben Sie jetzt ein Konzept für eine erneute Euro-Franken-Parität bereit, womöglich mit Produktionsverlagerungen und Jobabbau?

Wir haben keinen Notfallplan in der Schublade. Was wir machen, ist, die Währung beim aktuellen Niveau abzusichern. Aber wir können das nicht auf Jahre hinaus tun. Für die Arbeitsplätze gilt: Als Unternehmerfamilie haben wir uns immer dafür eingesetzt, dass wir auch in schwierigen Zeiten keine Stellen abbauen. Wir können unseren Leuten die Arbeitsplätze aber nicht für immer garantieren.

Die Verwendung des Begriffs Victorinox Swiss Army kostet Sie jährlich eine halbe Million Franken. Ist dieser Betrag zuletzt gestiegen, weil die Armee die Marke besser bewirtschaftet?

Nein, der Vertrag wurde nicht geändert. Wir bezahlen auf dem Umsatz, den wir mit Victorinox-Swiss-Army-Produkten erzielen, eine Lizenzgebühr an die Armee. Die Marke Swiss Army gehört aber nicht nur der Schweizer Armee: In Nordamerika besitzt Victorinox die alleinigen Rechte an der Marke Swiss Army.

Der Zusatz Swiss Army birgt die Gefahr, die Marke Victorinox zu verwässern.

In vielen Märkten in Europa ist Army nicht mehr unbedingt so positiv besetzt. Gerade bei den Uhren bekomme ich regelmässig Reaktionen von Leuten, die den Swiss-Army-Zusatz als störend empfinden. Uns ist klar geworden: In gewissen Märkten ist Swiss Army ein Nachteil. Die Ausnahme bilden die USA: Dort gilt Swiss Army weiterhin als absolutes Qualitätsmerkmal.

Und was ist Ihre Reaktion auf den Swiss-Army-Verdruss?

Wir verwenden den Begriff Swiss Army in der Kommunikation weniger und fokussieren stärker auf die Marke Victorinox. Ein Beispiel: Früher enthielten alle unsere Parfums den Zusatz Swiss Army, heute nennen wir unseren neuen Duft für Frauen zum Beispiel nur noch Victorinox Ella. Wir unternehmen grosse Anstrengungen, um die Marke Victorinox bekannter zu machen.

Seit letztem Herbst gibt es für Sie mit dem Swiza-Taschenmesser einen direkten Schweizer Konkurrenten. Haben Sie ein solches Messer gekauft?

Ja, natürlich haben wir solche Messer gekauft und die Machart und die Qualität angeschaut. Wir wurden vom neuen Konkurrenten ehrlich gesagt überrascht. Der Mann hinter Swiza ist der langjährige Geschäftsführer der Marke Wenger, die zu Victorinox gehört. Ich hätte den Geschäftsführer gerne bei Victorinox gehalten. Swiza ist zur Zeit in unseren Märkten noch nicht spürbar, doch es heisst ja, Konkurrenz belebt das Geschäft.

Wie Victorinox zum Namen kam

Die Firma Victorinox mit Sitz in Ibach ist die bekannteste Schweizer Messerherstellerin. Sie wurde 1884 von Karl Elsener, dem Urgrossvater des heutigen CEO Carl Elsener, gegründet und ist noch immer in Familienhand. Von den 10 Geschwister des heutigen CEO arbeiten 7 im Unternehmen. Der Name Victorinox geht zurück auf Vicotria, dem Namen der Mutter des Gründers sowie auf den Begriff Inox, der Bezeichnung für rostfreien Stahl.

Victorinox beschäftigt weltweit rund 1700 Personen. Täglich werden im Werk in Kanton Schwyz 120'000 Messer gefertigt, davon sind die Hälfte Taschenmesser. Der Rest der Produktion sind Haushalt und Berufsmesser. Die Jahresproduktion beläuft sich auf 26 Millionen Stück. Die Victorinox erzielte in letzten Jahr einen Umsatz von rund 500 Millionen Franken. (sas)

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