Excalibur 35X : Wenn der Nachbau selbst zum Klassiker wird
Aktualisiert

Excalibur 35X Wenn der Nachbau selbst zum Klassiker wird

Repliken haben bei Oldtimer-Fans keinen guten Ruf. Aber was, wenn der Nachbau selbst zum Oldtimer und seltener als das Original wird – wie beim Excalibur 35X?

von
Bruno von Rotz

Exklusive Fahrzeuge mit Design-Wurzeln weit in der Vergangenheit, technisch jedoch auf dem neusten Stand: Darauf war die 1964 von Brooks Stevens gegründete Firma Excalibur spezialisiert.

Während der Absatz der Wagen in den Staaten gut lief und auch das eine oder andere Modell nach Europa fand, traf Stevens Mitte der 1960er-Jahre auf den Monegassen Guy Storr. Der hatte sich vorgenommen, das Potenzial des europäischen Markts für nostalgische Automobile auszuschöpfen.

Partner mit Reputation

Als frankophiler Geist befand Storr aber, dass sich an der legendären Marke Bugatti orientierender Nachbau noch viel erfolgreicher sein konnte als die bisherigen Modelle, die sich am Mercedes Benz SS/SSK orientierten.

Statt das Rad selber neu zu erfinden, wandte sich Guy Storr berühmten Partnern zu. So entwickelte Giovanni Michelotti beispielsweise Chassis und Karosserie des neuen Sportwagens. Wem genau das Design zugestanden werden soll, ist unklar, Stevens jedenfalls soll die ersten Entwürfe gezeichnet haben.

General-Motors-Technik

Während die Front stark an die Bugatti-Modelle 35 und 57 erinnerte, wies das Heck Ähnlichkeiten mit den anderen Excalibur-Modellen auf. Schliesslich musste es moderne Technik und etwas Gepäck beherbergen können. Im Gegensatz zu anderen Nachbauten bestand die Karosserie fast vollständig aus Stahlblech.

Wie beim «grossen» Excalibur griff man auch bei der europäischen Variante auf General-Motors-Technik zurück, nutzte Motor, Getriebe und Aufhängungsteile aus dem Ersatzteillager des Opel Commodore (u. a. Reihen-Sechszylinder-Motor).

Präsentation in New York

Im Frühjahr 1968 wurde der «kleine» Excalibur an der New York Autoshow präsentiert. Der Neuzugang setzte seine Reise durch die Autosalons fort, stand im Herbst dann in Paris und im Jahr darauf am Genfer Autosalon.

Nach der Salon-Tour trafen viele Bestellungen bei Guy Storr ein und der Wagen (wohl der Prototyp) hatte sogar einen leinwandfüllenden Auftritt im Film «Slogan» mit Serge Gainsbourg und Jane Birkin. Inzwischen hatte man den Wagen auf 35X umgetauft und eifrig Prospekte gedruckt. Batchweise liess sich Storr bei Michelotti die Karosserien und Fahrgestelle fertigen und dann zu fertigen Fahrzeugen komplettieren.

Die Nachfrage war aber geringer als erwartet und zudem stark von Konjunktur und Wirtschaftsstimmung abhängig. Storr selber starb bei einem tragischen Autounfall. Seine Witwe verkaufte alles und so stellte Michelotti nur gerade 27 Fahrzeuge her. Das macht sie besonders.

Unterwegs in Nummer 1

Wer einen Excalibur 35X Probe fahren darf, erlebt eine interessante Mischung aus Vorkriegsfahrgefühl und Sechzigerjahre-Dynamik. Das Fahren bereitet kaum Probleme, denn alles sitzt dort, wo man es erwartet. Der Motor startet auf Schlüsseldreh, das Schaltschema entspricht dem klassischen «H». Opel-typisch muss der Ring unter dem Schaltknopf angehoben werden, um den Rückwärtsgang einzulegen.

Der Sechszylinder legt sich kräftig ins Zeug und hat mit dem 950 kg schweren Wagen keine Probleme. Die Sitzposition ist angenehm, Fahrtwind gibt es natürlich jede Menge. In den Ohren hat man den Reihensechser-Wohlklang und geniess dazu den Blick über die lange Motorhaube. Fehlt eigentlich nur noch Jane Birkin auf dem Beifahrersitz.

Wir danken der Oldtimer Galerie Toffen für die Gelegenheit, den Prototypen der Excalibur 35X Serie kennenzulernen.

Weitere Informationen zum Excalibur 35X sowie viele Bilder und ein Soundmuster finden sich auf www.zwischengas.com.

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