Aktualisiert 23.03.2011 13:05

«Time-out»Wenn der SCB-Goalie gut genug ist

Der SC Bern besiegte die Kloten Flyers 2:1. Gelingt SCB-Trainer Larry Huras das «Feintuning», dann geraten die Zürcher doch noch in Not.

von
Klaus Zaugg
SCB-Goalie Marco Bührer stoppte auch die eigenen Spieler. (Bild: Keystone/AP)

SCB-Goalie Marco Bührer stoppte auch die eigenen Spieler. (Bild: Keystone/AP)

Selten war die Analyse einer Auferstehung so einfach wie beim SC Bern: Die Berner gewannen 2:1, weil Torhüter Marco Bührer (31) erstmals im Halbfinale gegen die Kloten Flyers keinen Fehler machte. Das mag eine gar simple Analyse sein. Ungerecht und meinetwegen auch polemisch. Aber es ist, wie es ist: So wie Marco Bührer der Vater der drei Niederlagen in diesem Halbfinale war, so ist er nun auch der Vater des ersten SCB-Sieges.

Diesmal machte Bührer während des ganzen Spiels keinen Fehler. Auch nicht in einer hektischen Schlussphase, als Travis Roche und Simon Gamache auf der Stafbank sassen und die Klotener kurzzeitig mit sechs gegen drei Feldspieler den Ausgleich suchten. Der SCB-Goalie hat sich die Chance erarbeitet, doch noch ein Held zu werden. Die entscheidende Frage ist nun: Welche Auswirkungen hat diese erste Niederlage auf das Wesen und Wirken der Kloten Flyers?

Der so schwierige vierte Sieg

Betrachten wir die Dinge einmal aus der Sicht der Kloten Flyers. Ein Pessimist aus Kloten sagt es so: Wir brauchen ja nur noch einen Sieg fürs Halbfinale. Deshalb waren wir in diesem vierten Spiel in Bern eine Spur zu passiv. Wir spielten sehr gut, eigentlich sogar besser als im zweiten und dritten Spiel. Aber wir suchten den Sieg nicht mit allen Mitteln und mit letzter Konsequenz und diese kleine und letzte Chance hat der SCB ausgenützt. Wir haben die Berner wieder aufstehen lassen. Vielleicht wird sich dann im Rückblick zeigen, dass diese Niederlage der Anfang vom Ende unseres Finaltraumes war.

Der Optimist aus Kloten sieht es anders: Wir haben auch in dieser vierten Partie klar besser gespielt als der SCB und nur viel Pech hat uns um den Sieg gebracht. Wir haben noch so viel Reserven, dass wir den fürs Finale notwendigen Sieg in einer der verbleibenden drei Partien problemlos einfahren werden. Marco Bührer kann nicht viermal hintereinander fehlerfrei spielen.

Wer hat nun Recht? Beide. Der Optimist und der Pessimist haben einen Teil der Wahrheit erkannt. Tatsächlich spielen die Klotener in dieser vierten Partie ruhiger und gelassener, präziser und schneller als die Berner. Weil sie selbstsicherer sind. Bei schnellen Gegenstössen zelebrieren sie mit weniger Aufwand als der Gegner die besseren Einschussmöglichkeiten. Es ist das perfekte Spiel. Nur die Tore fehlen.

Huras' goldenes Händchen

Aber es ist nicht ganz hundertprozentig ausgeschlossen, dass diese Serie noch kippt: Mit einer wichtigen Umstellung hat SCB-Coach Larry Huras dafür gesorgt, dass es gerockt, gerollt und gerumpelt hat: Er ersetzte den völlig überforderte kanadischen Verteidiger Joel Kwiatkowski durch den wieder genesenen Leitwolf Jean-Pierre Vigier. Den grössten Einfluss hatte der bissige Kanadier durch seine Präsenz: Sie verbannte Kwiatkowski endlich auf die Tribüne. Vigier befeuerte das SCB-Spiel auch mit Energie. Typisch seine erste Aktion. Er wuchtet Klotens Finnen Marko Luomala so heftig ins Plexiglas, dass die dahinter stehenden SCB-Ordner fachmännisch und gut gelaunt prüfen, ob noch alles hieb- und checkfest ist. Das Plexi im Hockeytempel hat standgehalten.

Der SCB hat diese vierte Partie nicht zwingend, klar und eindeutig gewonnen. Ein einziger Fehler von Torhüter Marco Bührer hätte dem Meister bereits die Niederlage und das Saisonende beschert. Aber dieser Sieg kann das Spiel des Meisters endlich beruhigen, das Selbstvertrauen stärken, die Gelassenheit zurückbringen und die Verzweiflung in gesunde Arroganz verwandeln. Wenn es Trainer Larry Huras nun gelingt, durch «Finetuning» das hektische Spektakel in geordnete taktische Bahnen zu lenken, Ebbe und Flut des Spiels zu steuern und eine Balance zwischen Offensive und Defensive zu finden, dann kann der SCB die Kloten Flyers noch einmal herausfordern.

Aber wenn Torhüter Marco Bührer so fehlerhaft spielt wie in der ersten, zweiten und dritten Partie, dann können Sie alles wieder vergessen, was Sie soeben gelesen haben.

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