Spitaldirektor-Prozess: Wenn der Tag 26 Stunden hat
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Spitaldirektor-ProzessWenn der Tag 26 Stunden hat

Alles sei Networking gewesen: Private Essen hat er zur Arbeitszeit gezählt und die Spesen verrechnet: Der ehemalige Bieler Spitaldirektor Paul Knecht steht unter anderem wegen Betrug vor Gericht.

von
kub

Am zweiten Tag der Gerichtsverhandlung zum Fall Paul Knecht sind die umstrittenen Spesen und Arbeitszeiten des früheren Bieler Spitaldirektors durchleuchtet worden. Knecht wies erneut Vorwürfe über Unregelmässigkeiten zurück.

Die angegeben Arbeitszeiten hätten - von einigen Versehen abgesehen - der Realität entsprochen, hielt Knecht am Dienstag bei der Einvernahme vor dem Regionalgericht Berner Jura-Seeland in Biel fest. Der heute 65-Jährige war im Februar 2009 vom Spitalzentrum Biel fristlos entlassen worden. In einem Fall soll Knecht saogar an einem Tag 26 Stunden Arbeitszeit verrechnet haben. Dies bestreitet Knecht.

Vor allem 2007 soll Knecht laut Anklageschrift mehrmals private Treffen zum Essen der Arbeitszeit zugeordnet und die Spesen verrechnet haben. Knecht bekräftigte, diese Verabredungen zum Essen hätten dem Networking gedient. Eine Zeugin hatte am Vortag indes zu Protokoll gegeben, für sie hätten nur die ersten Treffen geschäftlichen Charakter gehabt.

Zur Sprache kamen auch angeblich doppelt bezogene Spesen. Der Staatsanwalt und die Verteidigung nahmen die entsprechenden Beträge anhand von Kreditkartenauszügen, Rechnungen und Belegen unter die Lupe und fühlten Knecht auf den Zahn. Die beiden Gegenseiten schenkten sich nichts; vereinzelt unterbrachen sie sich gegenseitig oder es kam mitunter zu kurzen Zurechtweisungen.

Geschäftsessen am Sonntag

Die Gerichtspräsidentin wollte überdies Näheres zu einem Mittagessen wissen, das sich Knecht laut Anklage entschädigen liess, obwohl es an einem Sonntag stattgefunden hatte. «Es gibt manchmal Gelegenheiten, auch am Sonntag Kontakte zu pflegen», sagte Knecht. Gerade bei ausländischen Gästen aus dem Spitalbereich habe dies vorkommen können.

Zu reden gaben überdies die Entschädigungen für die gefahrenen Kilometer mit dem Auto. Für 2007 liess sich Knecht gemäss Anklageschrift für über 16 000 Kilometer entschädigen, während die Ermittler für diese Zeit lediglich rund 8500 Kilometer geschätzt hatten.

Knecht bezweifelte jenes Resultat an. Für die korrekte Berechnung der Kilometer hätten die Ermittler nämlich die Tagesagenden verwenden müssen, anstatt «irgendetwas Zusammengestiefeltes», sagte er.

Spital nach aussen vertreten

Konfrontiert wurde Knecht mit einer Aussage des heutigen Spitaldirektors in Biel, der am Vortag befragt worden war. Der heutige Direktor hatte zu Protokoll gegeben, Spesen von lediglich 2000 Franken pro Jahr zu haben. Die gefahrenen Kilometer machten nur einen kleinen Teil aus.

Knecht, der das Spitalzentrum Biel seit 1991 geleitet hatte, liess den Vergleich aber nicht gelten. Das seien zwei verschiedene Auffassungen von Führung, sagte Knecht. «Ich vertrat das Spital nach aussen, der Neue vertritt es nach innen.»

Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft beläuft sich der Gesamtdeliktsbetrag auf 175'000 Franken. Anklage wurde wegen Betrugs, ungetreuer Geschäftsversorgung und Urkundenfälschung erhoben.

Knecht und die Spitalzentrum Biel AG tragen seit der Entlassung des Direktors einen erbitterten Rechtsstreit aus. Das Spitalzentrum verklagte ihn auf Schadenersatz. Knecht selber reichte vor dem Handelsgericht ebenfalls eine millionenschwere Klage ein. (kub/sda)

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