Seltsame Wetteinsätze: Wenn der Tennis-Crack plötzlich flügellahm wird
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Seltsame WetteinsätzeWenn der Tennis-Crack plötzlich flügellahm wird

Eine Niederlage sorgt für Polemik: Beim Hallenturnier von Zagreb gab der ehemalige Top-Ten-Spieler Guillermo Cañas seine Erstrundenpartie gegen einen krassen Aussenseiter nach einer Satzführung urplötzlich ab. Ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als die Wetteinsätze bei einem australischen Anbieter in die Höhe geschnellt waren.

Wird der Tennissport nach den Wett-Problemen in den vergangenen Jahren erneut von einem Wettskandal heimgesucht? Beim ATP-Turnier in der kroatischen Hauptstadt Zagreb, das vergangene Woche über die Bühne ging, ereigneten sich merkwürdige Geschehnisse.

Der ehemalige TopTen-Spieler Guillermo Cañas verlor in der ersten Runde gegen den krassen Aussenseiter Antonio Veic (ATP 255). Der klare Favorit aus Argentinien führte gegen den Underdog, der vorher noch nie ein Spiel auf der ATP-Tour gewinnen konnte, bereits mit 6:4 und 2:1 als beim australischen Wettanbieter «Betfair» auf einmal verdächtig hohe Summen auf den Aussenseiter gesetzt wurden. Cañas, der 2005 für zwei Jahre wegen Dopingmissbrauchs gesperrt wurde, musste sich kurz darauf an der Schulter behandeln lassen und verlor die Partie tatsächlich noch in drei Sätzen mit 4:6, 6:4 und 6:2.

Untersuchung blieb ergebnislos

Einen Tag nach dem Vorfall schaltete sich der internationale Tennisverband ITF ein und veranlasste «Betfair» dazu, die Auszahlung der Gewinne um 26 Stunden zu verschieben. Es sei besser, die Partie zu überprüfen. Die Untersuchung konnte aber keinen Zusammenhang zwischen Cañas und dem australischen Wettanbieter. Der Argentinier gab seine Schulterverletzung als Grund für seine schwache Leistung und sein Ausscheiden an. Ihm konnte keine Absprache nachgewiesen werden und der Wettanbieter zahlte die Gewinne in der Höhe von ungefähr 16 Millionen Euro doch aus. Der Vorfall soll aber trotzdem noch genauer untersucht werden.

Morddrohung gegen Turnierdirektor

Noch während das Turnier weiterlief und die Gerüchteküche brodelte, erhielt Zagrebs Turnierdirektor Branko Horvat eine Morddrohung per E-Mail. Horvat werde das Turnier im kommenden Jahr nicht mehr miterleben. Er sei Schuld am Verlust eines Vermögens ehrlicher Tennisfans, hiess es in der Nachricht.

Erinnerung an den «Fall Dawydenko»

Der australische Wettanbieter «Betfair» war bereits 2007 in eine ähnliche Situation geraten. Damals verlor der damalige Weltranglisten-Vierte Nikolai Dawydenko völlig überraschend gegen Martin Arguello Vassallo im polnischen Sopot. Der Russe hatte damals aufgegeben, nachdem auf seinen argentinischen Gegner trotz verlorenen Startsatzes hohe Wetteinsätze gemacht wurden. Dawydenko wurde nach langen Untersuchungen schlussendlich von jedem Verdacht freigesprochen und der Wettanbieter musste ebenfalls bezahlen.

(pre)

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