Aktualisiert 04.08.2004 10:45

Wenn Deutsche und Schweizer sich nicht verstehen

Wenn Deutsche und Schweizer manchmal aneinander vorbeireden, muss das nichts mit guten oder schlechten Hochdeutsch- Kenntnissen zu tun haben.

Manchmal liegts einfach an der unterschiedlichen Bedeutung gleicher Wörter.

«Moment, ich bring nur noch schnell diese Schachtel auf den Estrich», sagte kürzlich eine Schweizerin zu ihrer deutschen Freundin. Diese fragte daraufhin: «Baust du um?» Eine Frage, die nun die Schweizerin nicht begriff.

Des Rätsels Lösung wurde gefunden: Während in manchen Schweizer Gegenden der Raum direkt unterm Dach als Estrich bezeichnet wird, meint das gleiche Wort in Deutschland einen Zementglattstrich als Untergrund von Bodenbelägen. Der Raum unter dem Dach ist - je nach Landesgegend - der Speicher, Boden oder Dachboden.

Paprika und Peperoni

Beim Lernen von Fremdsprachen wird davor gewarnt, gleichen oder ähnlichen Wörtern auch die gleiche Bedeutung zuzuschreiben. Das englische Wort «fabric» (Stoff) meint beispielsweise etwas anderes als «Fabrik».

Schweizer und Deutschen dagegen gehen üblicherweise davon aus, man würde sich problemlos verstehen, sprächen nur beide (gemässigtes) Hochdeutsch. An mögliche Bedeutungsunterschiede einzelner Wörter denkt kaum jemand.

Dabei können sich schon Hausfrauen in der Küche missverstehen. Steht auf dem Einkaufszettel «Paprika», bringt die deutsche Hausfrau Peperoni heim und die Schweizer ein aus Peperonischoten gemahlenes Gewürz. «Peperoni» sind dagegen für die Deutsche das, was in der Schweiz als Peperoncini in der Gemüseauslage liegt.

Ein Wischproblem

Und wenn dann die Schweizer Hausfrau die schönen Pfannen bei der Coop-Pfannentrophy bewundert, fragt die deutsche, was sie denn um Himmels Willen mit soviel gleichen Kochgeschirren will. Denn Pfannen sind im nördlichen Nachbarland der Schweiz immer Bratpfannen. Das andere sind Kochtöpfe.

Ausserdem nehmen Schweizerinnen und Schweizer zum Fegen des Bodens einen feuchten Lappen. Gewischt wird in der Schweiz mit dem Besen. In Deutschland sind die Verhältnisse genau umgekehrt: Fegen mit dem Besen, wischen mit dem feuchten Lappen.

Riegel wiederum dienen (umgangssprachlich) in Deutschland nur zum Versperren von Türen und Toren. In der Schweiz bezeichnen sie auch einen Haustyp: das Riegelhaus - in Deutschland als Fachwerkhaus bekannt.

Der «Duden» kennt den Schweizer Estrich

Der «Duden» geht mit solchen Bedeutungsunterschieden tolerant um. Sofern er sie nennt, listet er sie getreulich als schweizerische Eigenheit auf. Das gilt beispielsweise für den Riegel und den Estrich. Pfannen sind dagegen für den «Duden» ebenso flach, wie für deutsche Köche und Köchinnen.

Manche unterschiedlichen Bedeutungen kommen im «Duden» nicht vor, weil sie genau genommen Dialektwörter sind, die in der Schweiz auch hochdeutsch benutzt werden. Das gilt beispielsweise für den «Schnorri» (oder «Schnurri»), der kein (deutscher) «Schnorrer» sein muss.

Während der erste einfach viel redet, versucht der andere, auf anderer Leute Kosten zu leben, ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Ein möglicherweise peinliches Missverständnis. (sda)

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