Hotel Mama: Wenn die Kleinen flügge werden
Aktualisiert

Hotel MamaWenn die Kleinen flügge werden

Im «Hotel Mama» wohnt es sich billig und bequem. Vor allem Männer schätzen die mütterliche Fürsorge und die gute Küche. Doch Bequemlichkeit hin und Gratis-Komfort her: Viele Schweizer nehmen schon früh Reissaus aus dem elterlichen Nest.

von
Franziska Voegeli

20 Minuten Online befragte die User dazu, wann und warum sie von zuhause ausgezogen sind. Dabei kam heraus, dass fast ein Drittel noch bei den Eltern lebt. Dies, weil sie zum Ausziehen entweder noch zu jung sind (46 Prozent sind zwischen 16 und 25 Jahre alt), oder aber, weil ihnen das nötige Kleingeld für eine eigene Wohnung fehlt. Auch eine Sozialstudie von der University of Essex geht davon aus, dass die finanzielle Situation der ausschlaggebende Faktor für den Zeitpunkt des Auszugs ist.

Je nördlicher, desto früher

Im europäischen Vergleich zeigt sich jedoch auch ein Nord-Süd-Gefälle, das nicht unbedingt finanziell begründet ist. So ziehen zum Beispiel die Italiener rund sieben Jahre später aus als die Dänen. Und trotz zentraleuropäischer Lage: Auch die Umfrageteilnehmer verlassen das Nest früh. Die meisten mit etwa zwanzig Jahren, 12 Prozent sogar vor ihrem 18. Geburtstag. Wie zu erwarten, lassen es sich die Männer im Vergleich zu den Frauen noch ein bisschen länger zuhause gut gehen – obwohl es die Hälfte peinlich findet, im erwachsenen Alter noch bei Mami zu wohnen. Doch der Vorteil, sich nicht um dreckige Wäsche kümmern zu müssen, überwiegt.

Irgendwann ist die Zeit einfach reif

Bequemlichkeit und niedrige Kosten zum Trotz: Ausziehen gehört zum Erwachsenwerden. So ist denn auch der Hauptgrund fürs Ausziehen: «Es war halt einfach Zeit.» Oder aber man möchte gleich in ein neues Nest. 22 Prozent der Teilnehmenden verliessen nämlich das Elternhaus, um mit dem Freund oder der Freundin zusammen zu ziehen. Dabei geht es auch dramatischer: «Ich habe es nicht mehr ausgehalten», gaben 17 Prozent der Frauen an – das ist doppelt so viel wie bei den Männern. Doch bei den Frauen fallen die elterliche Überwachung sowie deren Neugierde und Vorschriften stärker ins Gewicht.

In der Online-Umfrage zeigten sich zudem kantonale Unterschiede. Die Berner bleiben gerne zuhause wohnen, weil sie sich so gut mit ihren Eltern verstehen, während die Zürcher es schwerer haben, etwas Passendes auf dem Wohnungsmarkt zu finden, und deshalb noch in Mamas Nest bleiben müssen.

An der nichtrepräsentativen Umfrage von 20 Minuten Online nahmen 1167 User teil, davon 718 Männer und 449 Frauen.

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