Aktualisiert 04.01.2019 08:42

Dynamische PreiseWenn die Ski-Tageskarte 101 Franken kostet

Die flexiblen Preismodelle einiger Bergbahnen lassen die Preise für Skitickets durch die Decke gehen. Wintersportler sind schockiert.

von
Dominic Benz
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Einige Skigebiete setzten neu auf dynamische Preise. So etwa auch die Oberengadiner Bergbahnen.

Einige Skigebiete setzten neu auf dynamische Preise. So etwa auch die Oberengadiner Bergbahnen.

Keystone/Arno Balzarini
Das führt an schönen Tagen mit hoher Nachfrage zu Auswüchsen bei den Ticketpreisen. Kurz vor dem Jahreswechsel kostete eine Tageskarte für einen Erwachsenen 101 Franken.

Das führt an schönen Tagen mit hoher Nachfrage zu Auswüchsen bei den Ticketpreisen. Kurz vor dem Jahreswechsel kostete eine Tageskarte für einen Erwachsenen 101 Franken.

Keystone/Giancarlo Cattaneo
Die Oberengadiner Bergbahnen verteidigen sich. «Letztlich bestimmt der Konsument den Preis», sagt ein Sprecher auf Anfrage.

Die Oberengadiner Bergbahnen verteidigen sich. «Letztlich bestimmt der Konsument den Preis», sagt ein Sprecher auf Anfrage.

Keystone/Arno Balzarini

Pulverschnee und schönes Wetter locken in den jetzigen Weihnachtsferien Tausende Wintersportler auf die Schweizer Pisten. Doch wer sich spontan für den Skiplausch entscheidet, erlebt eine böse Überraschung: Die Preise für die Skitickets sind ins Astronomische gestiegen.

Konkret: Für das Skigebiet Corviglia in St. Moritz musste ein Erwachsener am ersten Tag des neuen Jahres 95 Franken hinblättern, für eine Halbtageskarte 83 Franken. Für Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren kostete der Tagespass 63.20 Franken und für Kinder zwischen 6 und 12 Jahren 31.60 Franken. Kurz vor Jahresende lagen die Preise für Erwachsene an drei Tagen gar bei 101 Franken.

Nicht nachvollziehbar

Für viele Wintersportler sind diese Preise nicht nachvollziehbar. «Welche Familie kann sich das noch leisten? Ich bin schockiert», beschwert sich etwa 20-Minuten-Leserin Kathrin. Und Leserin Andrea meint: «Wenn man sparen will, muss man im Voraus planen. Mit Kindern ist das aber oft schwierig.» Zum Vergleich: In der letzten Saison gab es eine Tageskarte in St. Moritz noch fix für 79 Franken.

Grund für die jetzigen teuren Tickets sind dynamische Preise. Wie Andermatt oder Zermatt hat auch St. Moritz solche eingeführt, um die Pisten wieder zu füllen. Das heisst: Wenn das Wetter schön ist und viele Ski fahren wollen, steigen die Kosten. Umgekehrt verhält es sich bei schlechterem Wetter und geringerer Nachfrage. Dann profitieren die Gäste von attraktiveren Preisen.

«Konsumenten bestimmen den Preis»

Die Oberengadiner Bergbahnen verteidigen ihre Preispolitik. «Letztlich bestimmt der Konsument den Preis», sagt Sprecher Thomas Rechberger auf Anfrage. Am 29. Dezember etwa habe man 22'500 Skifahrer auf den Oberengadiner Pisten gehabt. Das sei sehr viel. «Je mehr Personen kaufen, desto mehr steigt der Preis.» Das sei das gleiche Prinzip wie bei den Flugtickets und Hotelübernachtungen. Nun gebe es dynamische Preise eben auch beim Skifahren.

Rechberger empfiehlt, früh auf der Plattform Snow-Deal.ch zu buchen. Wer dort bis 15 Tage vorher Tickets kaufe, spare bis zu 30 Prozent. «Die Preise liegen dann zwischen 45 und 70 Franken.» Man wolle bewusst jene Wintersportler belohnen, die unabhängig vom Wetter früh buchen. Im bisherigen Verlauf der Wintersaison hätten bereits ein Drittel der Gäste von solchen Frühbucher-Rabatten profitiert, insbesondere auch Familien mit schulpflichtigen Kindern.

Preise könnten theoretisch weiter steigen

Die neue Preispolitik habe man seit Juli öffentlich auf diversen Kanälen kommuniziert, sagt der Sprecher. Viele Gäste seien daher informiert und hätten Verständnis dafür, wenn die Preise mal höher seien. «Wer aber nur das Filetstück haben will und nur spontan an den schönen und besucherstärksten Tagen buchen möchte, ist sicherlich erstaunt über die teureren Tickets.»

Laut Rechberger könnten die Preise theoretisch mit steigender Nachfrage weiter nach oben klettern. «Bei den 101 Franken haben wir aber eine Schmerzgrenze ausgemacht.» Die Nachfrage habe sich auf diesem Level erschöpft. Angesichts der künftig noch zu erwartenden Gästezahlen dürften die Preise nicht mehr gross steigen, meint der Sprecher. Ende Saison werde man eventuell die Preisparameter im Modell anpassen. «Zurzeit sind wir aber zufrieden, sicherlich auch dank der super Pisten- und Wetterverhältnisse.»

Einseitige Kommunikation

Tourismusexperte Thorsten Merkle von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur kritisiert, dass die Bergbahnen die dynamischen Preise eher als Vergünstigung kommuniziert haben. «Die hohen Ticketpreise bei steigender Nachfrage sind aber die Kehrseite der Medaille.» Viele Gäste würden nun erkennen, dass flexible Preise nicht nur zu ihrem Vorteil seien.

Für Merkle ist klar, dass die Bergbahnen Frühbucher bevorzugen. «Sie haben so das Geld schon im Vorfeld sicher in der Tasche und können dadurch die unterschiedlichen Zahlungsbereitschaften der Kunden abschöpfen.» Mit dem Preismodell gebe man aber das Wetterrisiko zum Teil den Wintersportlern weiter.

«Nicht alle Schneesportler werden da mitmachen»

Unter dem Strich findet Merkle die dynamischen Preise gut. «Die Skigebiete haben von anderen Branchen wie der Hotellerie oder den Airlines gelernt.» Der Experte glaubt aber nicht, dass sich das Modell grossflächig bei den Schweizer Bergbahnen durchsetzen wird. «Nicht alle Kunden werden da mitmachen», sagt Merkle.

Laut einer Mitteilung der Bergbahnen Graubünden von Anfang Jahr ist die aktuelle Wintersaison gut angelaufen. Den regional grössten Zuwachs verzeichnen die Destination Engadin St. Moritz mit einem Frequenzplus von 10,6 Prozent. Das grosse Umsatzplus im Oberengadin sei teilweise auch auf den Snow-Deal zurückzuführen, wie es heisst.

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