Aktualisiert 02.10.2012 14:28

Kunden bibbern

Wenn die Traumferien zum Albtraum werden

In einigen Kantonen sind seit heute Schulferien. Blöd für den, der bei Biber Travel gebucht hat: Kunden des Solothurner Reisebüros warten auf ihre Flugtickets. Die Staatanwaltschaft ermittelt.

von
sas
Die Kunden des Solothurner Reisebüros Biber Travel zittern um ihre Ferien. Wer reklamiert, wird vertröstet.

Die Kunden des Solothurner Reisebüros Biber Travel zittern um ihre Ferien. Wer reklamiert, wird vertröstet.

Es hätten Traumferien werden sollen – zu Traumpreisen: Eine achttägige Reise nach Dubai für 999 Franken oder eine Woche Mallorca für 399 Franken. Nun sind die Aktionspreisangebote des Solothurner Reisebüros Biber Travel womöglich zum Albtraum geworden.

Hunderte Kunden der Firma fürchten um ihr Geld und ihre Ferien, denn sie warten noch immer auf die Flugtickets und die Hotelbestätigung. Wer beim Reisebüro vorbeigeht und sich erkundigen will, wird laut der «Aargauer Zeitung» durch einen Zettel abgewimmelt und gebeten, das Reisebüro zu verlassen. Man werde in den nächsten Tagen über einen «Garantiefonds» informiert.

«Ihr Anliegen ist uns wichtig»

Schaut man sich die Website des Reiseveranstalters an, wird noch immer mit Traumangeboten geworben. Vollmundig verspricht die Firma: «Ihr Anliegen ist uns wichtig.» 20 Minuten Online hat versucht, das Reisebüro telefonisch zu kontaktieren, traf aber einzig auf eine schlecht aufs Band gesprochene Ansage. «Geschätzte Kundschaft der Aktionsreisen nach Mallorca, Gran Canaria, Südtürkei […] und Rhodos für die Abreise im Oktober. Wir bitten um einige Tage Geduld. Sie werden informiert.»

Dass der Schaden durch den Garantiefonds der Schweizer Reisebranche gedeckt wird, ist eher unwahrscheinlich. Abklärungen von 20 Minuten haben ergeben, dass Biber Travel nicht unter den 1600 Reisebüros und Vermittlern gehört, die dem Fonds angeschlossen sind. Der 1994 gegründete Fonds würde bei einem Kollaps eines Veranstalters einspringen und die Schäden von Pauschal-, Kreuzfahrt- und Baukastenreisen-Kunden übernehmen.

Biber Travel beschuldigt andere

Das Schweigen des Reiseveranstalters bekommt vor allem die Gemeindeverwaltung Biberist zu spüren: «Uns erreichen sehr viele verärgerte Leute aus der ganzen Schweiz», sagte Michael Ruefer von der Gemeindeverwaltung zur «Aargauer Zeitung». Reklamationen sind auch auf dem örtlichen Polizeiposten eingegangen. Eingeschaltet hat sich auch die Staatsanwaltschaft. Sie hat aufgrund von Strafanzeigen eine Untersuchung wegen Verdachts auf Veruntreuung eingeleitet.

Biber Travel schiebt die Schuld auf andere. Laut Peter Weisskopf, der sich als «Berater» der Firma ausgibt, liegt das Problem an der Kündigung der Kundengeldversicherung. Die Firma TPA habe die Garantien per sofort gekündigt. In der Folge hätten sich Investoren zurückgezogen. Weiter liess Weisskopf ausrichten, dass das Geschäft in Biberist vorderhand geschlossen bleibe, «aus Sicherheitsgründen».

TPA – die Firma garantiert in erster Linie für Kundengelder von kleinen Reisebüros – hatte ihre Garantien am 19. September aufgrund von Unregelmässigkeiten zurückgezogen. Die Kundengeldversicherungen für Biber Travel sind seit dem 20. Juli ausgestellt worden. Etwas Hoffnung gibt es aber trotzdem: Versicherungen, die dazwischen abgeschlossen worden sind, werden laut TPA-Geschäftsführerin Sonja Laborde gedeckt.

Sind Sie Kunde von Biber Travel und zittern seit Wochen um Ihre Ferien? Schreiben Sie Ihre Erfahrungen an: feedback@20minuten.ch

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