Publiziert

Bodensee Wenn du diesen Fisch fängst, musst du ihn töten

Ein ausgesetzter Aquarienfisch breitet sich im Bodensee aus. Ob seine Präsenz einheimische Fischarten bedroht, wird sich noch zeigen. Wenn man ihn aber fängt, darf man ihn auf keinen Fall wieder aussetzen.

von
Leo Butie

Hier siehst du Aufnahmen von Sonnenbarschen.

Mike Garrecht

Darum gehts

  • Eine invasive Art breitet sich im Bodensee aus.

  • Es handelt sich dabei um den Sonnenbarsch.

  • Vermutlich wurde der beliebte Aquarienfisch ausgesetzt.

  • Wenn man ihn fängt, darf man ihn nicht wieder aussetzen und muss ihn töten.

  • Wer in aussetzt, muss mit einer Geldstrafe rechnen.

Dieser Fisch sieht zwar schön aus, verloren hat er hierzulande aber nichts. Der Sonnenbarsch, ein aus Nordamerika stammender Aquarienfisch, wird zunehmend im Bodensee gemeldet. Während die ersten Hinweise bereits im Jahr 2014 (Untersee) eintrafen, konnte der Fisch gemäss dem «St. Galler Tagblatt» kürzlich in der Bucht vor Goldach fotografiert werden. Wie genau dieser in den See gelangen konnte, ist unklar. «Möglich ist, dass der Sonnenbarsch durch Aquarienbesitzer im See ausgesetzt wurde», so Roman Kistler, Leiter der Jagd- und Fischereiverwaltung des Kantons Thurgau.

Ob der Sonnenbarsch, der auch in Weihern und Teichen im Kanton Thurgau gemeldet wurde, für einheimische Fische ein Problem ist, lässt sich nicht genau sagen. «Das ist schwierig vorauszusagen», meint Kistler. Ob er andere Fischarten verdrängen kann, wird sich also erst in Zukunft zeigen.

1 / 8
Der Sonnenbarsch, hier im Bild, breitet sich im Bodensee aus. 

Der Sonnenbarsch, hier im Bild, breitet sich im Bodensee aus.

Wikimedia/Dimitǎr Boevski
Der Fisch, gut erkennbar an seiner dunkel eingefärbten Kiemendeckelverlängerung, stammt aus Nordamerika und wurde vermutlich durch Aquarienbesitzer hierzulande ausgesetzt.

Der Fisch, gut erkennbar an seiner dunkel eingefärbten Kiemendeckelverlängerung, stammt aus Nordamerika und wurde vermutlich durch Aquarienbesitzer hierzulande ausgesetzt.

Wikimedia/Emőke Dénes
Ob die invasive Art ein Problem für einheimische Fische sein wird, lässt sich noch nicht abschätzen.

Ob die invasive Art ein Problem für einheimische Fische sein wird, lässt sich noch nicht abschätzen.

Wikimedia/Cephas

Töten ist Pflicht

Für den Fischfang ist der Sonnenbarsch nicht interessant. «Der Fisch ist zwar essbar, doch wegen seiner geringen Grösse ist der Fang nicht lukrativ», sagt Kistler. Der Fisch kann bis zu 30 Zentimeter lang werden, aber in den meisten Fällen werde der Fisch nicht grösser als zehn Zentimeter. Zudem gingen nur sehr wenige Exemplare ins Netz. Falls man einen Sonnenbarsch einfängt, sollte man ihn aber auf keinen Fall wieder aussetzen. Wird man dabei erwischt, droht eine Strafe. «Die Höhe der Geldstrafe liegt im Ermessen des Staatsanwaltes», sagt Roman Kistler. Im Maximalfall droht eine Geldstrafe von bis zu 180 Tagessätzen.

Vielmehr müsse man den Fisch töten, wenn man einen solchen aus dem Wasser zieht. «Um einen Fisch tierschutzkonform zu töten, muss man diesen zuerst mit einem Schlag auf den Kopf betäuben, bevor man ihn mit einem Kiemenschnitt ausbluten lässt», erklärt Kistler das Vorgehen.

Was sind invasive Arten?

Eine invasive Art ist eine gebietsfremde Art, die negative Auswirkungen auf andere Arten oder Lebensräume hat. Gebietsfremde Arten, in der Fachsprache Neobiota benannt, sind Tier- oder Pflanzenarten, die durch den Einfluss des Menschen in ein neues Gebiet gekommen sind. Meistens geschieht das bewusst, zum Beispiel bei der Einführung einer neuen Nutzpflanze. Eine bekannte Neobiota ist die Kartoffel in Europa, die ursprünglich aus Südamerika stammt.

Nicht die einzige eingeschleppte Art

Der Sonnenbarsch ist bei weitem nicht die einzige eingeschleppte Art, die sich in der Ostschweiz wohl fühlt. Im Sommer letzten Jahres informierte das Thurgauer Amt für Umwelt über die Gefahren von eingeschleppten Arten. Denn auch der Mensch trägt zur Verbreitung solcher Arten bei. Falls man verschiedene Gewässer benutzt und zum Beispiel sein Surfbrett nicht sorgfältig reinigt, können invasive Arten als blinde Passagiere mitreisen. So können sie sich schnell in andere Gewässer ausbreiten.

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel. 079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00

Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Tierschutz Schweiz (anonym möglich)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.
62 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Sämpi too

07.01.2021, 21:18

Wir haben genau diesen Fisch im 2015 im Sempachersee gefangen.. Wir dachten damals auch dass es wahrscheinlich einen Aquariumfisch sein wird. Ich habe sogar noch Fotos gefunden auf der Festplatte.

Avenirpiss

07.01.2021, 09:37

Das sind die Fachkräfte der Seen. Wir benötigen diese Fische für unser Wachstum.

@Lula

06.01.2021, 08:34

Weil die Menschen die Aquapflanzen und Fische nicht richtig entsorgen gibt es eine Fauna und Flora Verfälschung. Deshalb bekommt man immer weniger Tiere und Pflanzen in der Schweiz. Bitte schaut darauf.