Aktualisiert 28.02.2012 20:57

Schlechte Stimmung

Wenn Ekelzwerge das Kommando übernehmen

Besserwisser und Ekelzwerge im Betrieb werden massiv unterschätzt. Sie schädigen das Teamklima nachhaltig und erzeugen hohe Kosten.

von
Elisabeth Rizzi

Mitarbeitende mit einem Charakterproblem wissen alles besser, kanzeln andere grundlos ab oder agieren als hinterhältige Giftzwerge.

Für Vorgesetzte sind sie ein Graus, aber da sie teils sogar überdurchschnittliche Arbeitsleistungen erbringen, werden sie als lästige Begleiterscheinung in Kauf genommen. Das ist fatal. Eine Studie der Fachstelle für Psychiatrische Rehabilitation Baselland und der Fachhochschule Kärnten zeigt, dass die aneckenden Mitarbeitenden das Teamklima nachhaltig schädigen. Gemäss den 1050 untersuchten Personen kommt es bei der Hälfte zu einer Eiszeitstimmung. «Denn persönlichkeitsbedingte Auffälligkeiten lösen häufig Ärger, Unverständnis und Wut aus. Mitleid ist dagegen selten», erklärt Studienautor Niklas Baer.

Ausserdem verursachen die ungeliebten Arbeitskollegen hohe Kosten. Denn Persönlichkeitsstörungen seien der häufigste Grund für IV-Rentenfälle aus psychischen Gründen, so Baer. Persönlichkeitsstörungen würden sich häufig hinter auffälligem Verhalten verbergen. Hier sind laut Baer nicht Vorwürfe angebracht, sondern eine ärztliche oder psychologische Begleitung. Die Personalabteilung oder der Vertrauensarzt der Firma wären dann beizuziehen.

«Problematisch ist, dass sich viele Vorgesetzte in einer solchen Situation selbst als Versager fühlen», sagt Christoph Negri, Psychologie-Dozent an der ZHAW. Deshalb werde zu oft zugewartet. Laut Negri sollten Vorgesetzte spätestens dann Hilfe holen, wenn «Ekelzwerge» die eigentliche Führung übernehmen und die Handlungsfreiheit des Chefs einschränken.

So verhalten Sie sich richtig

Ignorieren Sie das Problem nicht, sonst leidet das Teamklima.

Machen Sie keine Vorwürfe, sondern konfrontieren Sie die Betroffenen

neutral mit Ihren Beobachtungen und Erwartungen.

Hinter auffälligem Verhalten verbirgt sich oft eine Persönlichkeitsstörung.

Ziehen Sie als Chef die Personalab­teilung oder den Vertrauensarzt bei.

Holen Sie als Chef externe Hilfe und akzeptieren Sie nicht, dass die Giftzwerge die Führung übernehmen.

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