Aktualisiert 26.06.2017 12:13

Lewis Hamilton

«Wenn er ein Mann ist, soll er aus dem Auto steigen»

Der Ton zwischen Lewis Hamilton und Sebastian Vettel verschärft sich. Der Eklat von Baku beendet den respektvollen Umgang der beiden Weltmeister.

von
kai

Vettel lässt seinen Frust an Hamiltons Mercedes aus. (Video: SRF)

Lewis Hamilton und Sebastian Vettel schwärmten von ihrem Duell: Mercedes gegen Ferrari, dreifacher Weltmeister gegen vierfachen Weltmeister, ein Kampf auf Augenhöhe. In diesem Jahr würden endlich wieder die Besten gegen die Besten fahren, sagte der Brite Mitte Mai nach dem GP von Spanien. Sie zollten einander Respekt, verhielten sich wie Gentlemen. Bis zu diesem Sonntag in Baku, der alles veränderte.

Es lief die 19. Runde des GP von Aserbeidschan, das Safety-Car führte das Feld an und hatte die Lichter ausgeschaltet – der Restart stand unmittelbar bevor, als Vettel ausgangs Kurve 15 ins Heck von Hamiltons Mercedes prallte. Der aufgebrachte 29-Jährige sah sich als Opfer eines unvorhersehbaren Manövers, also revanchierte er sich, indem er ausscherte und Hamilton in die Seite rammte. Später sagte Vettel: «Es war ziemlich offensichtlich, dass er da einen Bremstest gemacht hat. Das war komplett unnötig. Ich habe ihm dann gezeigt, dass das nicht in Ordnung war.»

Daten geben Hamilton recht

Ein Bremstest, der vor allem in früheren Zeiten dazu benutzt wurde, den Hintermann zu provozieren und zu verunsichern? Hamiltons Version klang ganz anders. «Ich habe keinen Bremstest gemacht, sondern genau das Gleiche wie in den Runden zuvor», sagte er und ging ins Detail: «Ich fuhr mit 50 bar Bremsdruck in die Kurve und habe den Bremsdruck nicht erhöht. Ich habe nur nicht aus der Kurve heraus beschleunigt, weil ich Abstand zum Safety-Car nehmen wollte. Nicht anders als beim Restart davor.»

Die Auswertung der Telemetriedaten des Mercedes #44 durch den Automobil-Weltverband FIA stützte Hamilton und entlarvte Vettels Theorie als Unsinn. Ein FIA-Sprecher sagte: «Die Rennkommissäre haben Hamiltons Daten untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass sich Hamilton korrekt verhalten hat.» Tatsächlich blieb Hamilton an der Stelle des Zwischenfalls bei allen drei Restarts innerhalb von 3 km/h.

Für Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff ist klar, warum Vettel so aggressiv eingestellt war. «Sebastian wollte den Restart nicht verschlafen», sagte er. Denn Vettel hätte sich beim ersten beinahe von Sergio Pérez überrumpeln lassen.

Schlechtes Vorbild

Hamilton, der das Rennen unmittelbar hinter Vettel auf Platz 5 beendete und sich darüber beschwerte, dass der Deutsche nur eine Stop-and-Go-Strafe von zehn Sekunden kassiert hatte, erinnerte an ihre Vorbildfunktion. «All die Kinder da draussen haben gesehen, wie sich ein viermaliger Weltmeister verhält. Ich hoffe, dass sich die Fahrer in den Nachwuchskategorien nicht von dieser Aktion inspirieren lassen.»

Später legte er nach: «So sollte sich ein Fahrer nicht verhalten. Es ist einfach gefährlich. Wenn Sebastian zeigen will, dass er ein Mann ist, soll er aus dem Auto steigen, dann machen wir es von Angesicht zu Angesicht!»

Vettel droht Sperre

Sollte sich Vettel beim GP von Österreich in Spielberg am 9. Juli noch einmal etwas in dieser Grössenordnung zuschulden kommen lassen, fiele das Verdikt härter aus. Nach dem Foul von Baku ist sein Bussen-Konto von sechs auf neun Strafpunkte angewachsen – wer innerhalb eines Jahres 12 Penalty-Punkte kassiert, muss ein Rennen aussetzen. Am 10. Juli fallen Vettels zwei Strafpunkte von Silverstone 2016 aus der Wertung.

Was die Ausgangslage im Titelrennen angeht, hat der GP von Aserbeidschan auf den ersten Blick nicht viel verändert. Vettel führt nun mit 14 statt 12 Punkten Vorsprung auf Hamilton (153:139). Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Mit seinem Aussetzer in Runde 19 hat Vettel dem Duell eine gehörige Dosis Gift injiziert.

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