Aktualisiert 25.02.2020 17:32

Herdern TG

«Wenn es brennt, fühlt man nichts, man handelt»

In Herdern TG brannte am Dienstagmorgen ein Schweinestall. Dabei sind rund 160 Tiere verendet. Der Betriebsleiter des Stalls erzählt vom tragischen Verlust und dem angerichteten Schaden.

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gab

«Die materiellen Folgen stehen bei diesem Brand nicht im Vordergrund», so Urs Hartmann, Leiter Landwirtschaft im Massnahmezentrum Kalchrain, über den Brand im dortigen Schweinestall.

Am Dienstagmorgen kurz nach 5 Uhr ist bei der Feuerwehr Herdern und der Kantonspolizei Thurgau die Meldung eingegangen, dass ein Schweinestall in Flammen stehe. Urs Hartmann ist als Betriebsleiter zuständig für den Stall bewirtschaftet diesen mit seinen Angestellten. «Ein Mitarbeiter, der in der Nähe wohnt, hatte mich alarmiert. Ich habe sofort die Feuerwehr und weitere Mitarbeiter verständigt», so Hartmann.

Bei Hartmanns Ankunft vor Ort habe der vordere Teil des Stalls schon in Vollbrand gestanden. Mit rund 100 Männern der Feuerwehr Herdern und Frauenfeld habe man versucht, die Schweine aus dem verschonten Gebäudeteil zu retten. «Wir hatten Glück, dass der Wind in die andere Richtung wehte. So wurde der eine Teil des Stalls vom Feuer verschont», sagt Hartmann.

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In Herdern TG stand am frühen Dienstagmorgen ein Schweinestall in Brand.

In Herdern TG stand am frühen Dienstagmorgen ein Schweinestall in Brand.

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«Kurz nach 5 Uhr ging der Alarm los», so Daniel Meili, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau, zu 20 Minuten.

«Kurz nach 5 Uhr ging der Alarm los», so Daniel Meili, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau, zu 20 Minuten.

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Rund 20 Tiere konnte der Betreiber des Stalls retten. Rund 160 Schweine starben.

Rund 20 Tiere konnte der Betreiber des Stalls retten. Rund 160 Schweine starben.

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Keine Chance für 160 Tiere

Zu seinem eigenen Befinden während des Brandes sagt Hartmann: «In so einem Moment fühlt man nichts, man handelt nur.» Der Betriebsleiter, die Angestellten und die Feuerwehr hätten getan, was noch getan werden konnte. «Das ist eine sehr traurige Sache. Doch der Selbstschutz steht trotzdem im Vordergrund», sagt der Stall-Verantwortliche. Rund 20 Tiere konnten die Einsatzkräfte zusammen mit den Leuten vom Hof retten. Rund 160 Schweine sind in den Flammen verendet.

Die Ursache des Brandes ist laut der Kantonspolizei Thurgau derzeit noch unklar. Brandspezialisten haben die Ermittlungen aufgenommen. Die Höhe des Schadens dürfte mehrere hunderttausend Franken hoch sein.

Im Stall arbeiten kriminelle Jugendliche

Der Schweinestall wird staatlich verwaltet. Der Leiter des Massnahmezentrums Kalchrain, Hansjörg Lüking, schaute sich nach dem Brand die Lage vor Ort an. Er sagt: «Der Brand ist ein Rückschlag für die Schweinezucht. Doch glücklicherweise hängt nicht die Existenz unseres grossen Betriebs davon ab.» Im nächsten Schritt wolle man die verbleibenden Tiere gut versorgen und einen neuen Schweinestall finden.

Hier erzählt Hansjörg Lüking, Leiter des Massnahmezentrum Kalchrain. (Video: gab/jil)

Das Zentrum sei grundsätzlich dafür da, junge Straftäter zu resozialisieren und ihnen eine Ausbildung für eine eigenständige Existenz zu ermöglichen. «Die Gerichte weisen uns die Männer zu», erklärt Lüking. Für ihn gebe keinen Grund, einen der Arbeiter der Brandstiftung zu verdächtigen. Auch Urs Hartmann fügt an: «Das wäre schon boshaft, wenn jemand bewusst den Brand bei den Tieren gelegt hätte.»

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