Schokoladenwelt: «Wenn es jemand besser kann als ich, höre ich auf»
Aktualisiert

Schokoladenwelt«Wenn es jemand besser kann als ich, höre ich auf»

Ernst Tanner ist seit 22 Jahren Mr. Lindt & Sprüngli. Und strotzt nach dem neuen Umsatzrekord vor Selbstbewusstsein.

von
I. Strassheim
Wird dieses Jahr 68 und denkt nicht ans Aufhören: Lindt & Sprüngli-Chef Ernst Tanner (hier an einer Medienkonferenz 2012).

Wird dieses Jahr 68 und denkt nicht ans Aufhören: Lindt & Sprüngli-Chef Ernst Tanner (hier an einer Medienkonferenz 2012).

Ernst Tanner, Sie haben beim Umsatz die Marke von drei Milliarden Franken geknackt. Bekommen Sie und die Mitarbeitenden nun auch einen Rekord-Bonus?

Wir haben die Boni noch gar nicht festgelegt. Der grösste Stolz ist für mich aber nicht Geld, sondern dass es unserem Unternehmen gut geht.

Was verkauft sich am besten?

Wir wachsen zwar mit allen Produkten. Aber am wichtigsten überall auf der Welt ist Lindor. Egal ob als Kugel, Tafel oder Snack. Am zweitwichtigsten ist Excellence, denn die Konsumenten wechseln langsam, aber stetig von heller auf dunkle Schokolade.

Lindt & Sprüngli erscheint mehr und mehr als Freizeitunternehmen mit Shops, Cafés oder der Erlebniswelt im Luzerner Verkehrshaus, wieso das alles?

Das ist strategisch genial. Im Verkehrshaus holen wir die nächste Generation der Schweiz ab, denn zu den 650'000 Besuchern im letzten Jahr zählten vor allem Kinder. Wir sind die einzigen, die die Schoggi von der Kakaobohne bis zur Tafel zum fertigen Produkt machen. Etwas ist uns wichtig: Dass Kinder wissen, woher Schokolade kommt.

Das brauchen Kinder doch nicht zu wissen, um auf Schoggi abzufahren?

Wir erklären, warum unsere Schokolade besser und etwas teurer ist. Wer als Erstklässler im Verkehrshaus selbst sieht, wie eine Tafel Schokolade hergestellt wird und zuhause seiner Mutter erklären kann, dass der Kakao beispielsweise in Ghana wächst, vergisst das seinen Lebtag nicht mehr.

Und wieso müssen Sie Ihre Schokolade auf 3454 Meter im Lindt Shop auf dem Jungfraujoch verkaufen?

Dort gab es im letzten Jahr einen Besucherrekord von über 850'000 Menschen, die meisten davon aus Asien – Japan, China, Indien. Dort oben können wir ihnen unsere Schokolade verkaufen und die fahren nach Hause und erzählen dann, was sie persönlich erlebt haben. Der Jungfraujoch-Laden bringt uns mehr als jedes Inserat.

Auch weltweit haben Sie weiter neue Lindt-Läden eröffnet. Wieso braucht es eigene Shops, um Schokolade zu verkaufen?

Weil wir dort die grösste Auswahl und beste Beratung bieten können. Und weil dort das Einkaufen ein besonderes Erlebnis ist. Inzwischen machen wir zehn Prozent des Umsatzes in eigenen Shops.

Sie führen den Konzern jetzt 22 Jahren und werden dieses Jahr 68. Gibt es für Sie ein Leben danach?

Ich bleibe noch, fühle mich nicht nur fit, sondern bin es auch. Und ich wüsste nicht, weshalb ich aufhören sollte. Aber wir arbeiten an der Nachfolge. Sobald wir jemanden gefunden haben, der es besser kann als ich, höre ich auf.

Bei den Produkten leben Sie von Neuheiten – was haben Sie für Ostern bereit?

Da lassen Sie sich überraschen – von einer ganzen Palette neuer Produkte. Aber unser Zugpferd ist und bleibt der Goldhase, von dem wir weltweit 150 Millionen Stück in allen Grössen verkaufen, allein sechs Millionen in der Schweiz.

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