«Digitale Kellerleichen»: Wenn Facebook-Sünden wieder auftauchen
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«Digitale Kellerleichen»Wenn Facebook-Sünden wieder auftauchen

Sind private Facebook-Nachrichten plötzlich für alle einsehbar? Der Social-Media-Gigant winkt ab. Die ganze Aufregung habe mit der Vergesslichkeit der langjährigen User zu tun.

von
dsc

«Schlimme Datenpanne bei Facebook»: Diese alarmierende Meldung geistert durchs Internet und wird - oh Wunder - vor allem über Social Media fleissig weiterverbreitet. Angeblich sollen private Facebook-Nachrichten plötzlich öffentlich angezeigt werden. Und zwar in der Timeline, also der Chronik-Funktion, in der die Facebook-Nutzer ihre «Lebensgeschichte erzählen» sollen.

Anfang dieser Woche berichteten französische Medien, dass private Nachrichten aus den Jahren 2007, 2008 und 2009 unerwartet in der Facebook-Chronik aufgetaucht und für jedermann einsehbar seien. Die oberste Datenschutzbehörde des Landes leitete daraufhin eine Untersuchung ein und befragte die Facebook-Manager (siehe Box).

Vergessliche Leute

Sind private Nachrichten für alle Facebook-Freunde sichtbar? Das weltgrösste Social-Media-Unternehmen verneint und spricht von einem harmlosen Vorgang. Es würden keine persönlichen Nachrichten angezeigt, es handle sich vielmehr um alte Pinnwand-Einträge. «Die Leute haben einfach vergessen, wie sie früher die Pinnwand benutzt haben», zitiert das «Wall Street Journal» einen Facebook-Vertreter. Technisch sei es gar nicht möglich, Privatnachrichten in Pinnwand-Einträge umzuwandeln.

An dieser Stelle gilt es in Erinnerung zu rufen, dass der Like-Button («Gefällt mir») erst 2010 eingeführt wurde. Vorher musste man auf fremde Facebook-Pinnwände schreiben, wenn man auf einen Beitrag reagieren wollte. Diese uralten Dialoge sind nicht mit privaten Chats zu verwechseln. Sie sollen - so das Versprechen von Facebook - auch für alle Zeiten unter Verschluss bleiben. Privat ist die Kommunikation trotzdem nicht, eine spezielle Facebook-Filtersoftware liest mit. Dabei wird nach Sexualstraftätern und anderen verdächtigen Inhalten gesucht, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete.

Gestaffeltes Rollout

Seit August stellt Facebook die über 900 Millionen Nutzer-Profile auf die neue Chronik um. Die Umstellung erfolgt gestaffelt, über die Kriterien beziehungsweise den genauen Zeitplan schweigt sich das Unternehmen aus. Fakt ist: Schon im Januar dieses Jahres warnte 20 Minuten Online: «Wer seine digitalen Kellerleichen nicht zeigen will, sollte sich bald durch seine Posts arbeiten – durch alle!»

Facebook wegen Datenpanne einbestellt

Die französische Regierung hat Facebook-Manager wegen einer Datenpanne bei dem Sozialen Netzwerk in die zuständige Behörde zitiert. Bei dem Treffen in der Datenschutzbehörde am Dienstag sollten die Manager erklären, warum private Nachrichten von Facebook-Nutzern in der «Timeline» (Chronik) auftauchten und somit einer breiten Öffentlichkeit im Internet zugänglich sein können. Facebook solle darlegen, wie es zu der Annahme zahlreicher Nutzer habe kommen können, dass ihre privaten Daten nicht vertraulich behandelt worden seien.

Ein Facebook-Sprecher wies jegliche Fehler im Sicherheitssystem zurück, bestätigte aber, dass alte Daten erschienen seien, wo sie eigentlich nicht hätten veröffentlicht werden dürfen. Diese seien aber nicht privater Natur gewesen, stellte Facebook klar.

(sda)

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