Aktualisiert 31.05.2017 18:28

An'Nur-Verein

«Wenn genug Geld da ist, bleibt die Moschee länger»

Die An'Nur-Moschee in Winterthur wird womöglich nicht schon im Juni geschlossen. Spenden Mitglieder genug Geld, wird der An'Nur-Verein bis zum Ende des Mietvertrags bestehen.

von
Jennifer Furer
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«Wenn wir während des Ramadan von unseren Mitgliedern genügend Geld für die Miete erhalten, bleibt die Moschee sicher bis Ende Oktober geöffnet», sagt der ehemalige Präsident der An'Nur-Moschee.

«Wenn wir während des Ramadan von unseren Mitgliedern genügend Geld für die Miete erhalten, bleibt die Moschee sicher bis Ende Oktober geöffnet», sagt der ehemalige Präsident der An'Nur-Moschee.

Doris Fanconi
Denn erst dann läuft der Mietvertrag aus.

Denn erst dann läuft der Mietvertrag aus.

Keystone/Walter Bieri
Der An'Nur-Verein kämpft derzeit aber nicht nur mit finanziellen Problemen. Die Moschee stand nach diversen negativen Schlagzeilen in der Kritik. Der öffentliche Druck, der insbesondere durch die Verhaftungen im Umfeld der Moschee zunahm, sorgte laut dem ehemaligen Präsidenten dafür, dass niemand mehr in den Vorstand des Vereins wollte.

Der An'Nur-Verein kämpft derzeit aber nicht nur mit finanziellen Problemen. Die Moschee stand nach diversen negativen Schlagzeilen in der Kritik. Der öffentliche Druck, der insbesondere durch die Verhaftungen im Umfeld der Moschee zunahm, sorgte laut dem ehemaligen Präsidenten dafür, dass niemand mehr in den Vorstand des Vereins wollte.

Keystone/Walter Bieri

«Es hat keinen Sinn mehr, wir geben auf», sagte der ehemalige Präsident der An'Nur-Moschee vergangene Woche dem «SonntagsBlick» und kündigte damit die Schliessung der umstrittenen Moschee in Winterthur-Hegi auf Ende Juni, nach dem Ramadan, an.

Doch dass in wenigen Wochen bereits Schluss ist, ist gar nicht sicher. Auf Anfrage von 20 Minuten sagt der ehemalige Präsident: «Wenn wir während des Ramadan von unseren Mitgliedern genügend Geld für die Miete erhalten, bleibt die Moschee sicher bis Ende Oktober geöffnet.» Erst dann läuft der Mietvertrag aus.

In andere albanische Moscheen ausweichen

Der An'Nur-Verein kämpft derzeit aber nicht nur mit finanziellen Problemen. Zahlreiche Negativschlagzeilen haben den Moscheevertretern zugesetzt. Der öffentliche Druck, der insbesondere durch die Verhaftungen im Umfeld der Moschee zunahm, sorgte laut dem ehemaligen Präsidenten dafür, dass niemand mehr in den Vorstand des Vereins wollte.

Auch deshalb betrachtet es der ehemalige Präsident als unwahrscheinlich, dass nach der Schliessung der Moschee der An'Nur-Verein unter einem neuen Namen weitergeführt wird. Doch wo werden die Gläubigen künftig beten? «Viele unserer Mitglieder wie auch ich werden vermutlich in eine albanische Moschee ausweichen, beispielsweise in Winterthur oder Volketswil», sagt der ehemalige Präsident.

«Womöglich werden viele spenden»

Blerim Bunjaku, selbst Muslim, SP-Politiker und Mitglied der Schulpflege in Winterthur, engagiert sich mit dem Verein Fair Winti für einen Dialog unter den Religionen und gegen den Radikalismus. Ihn verwundert es nicht, dass der An'Nur-Verein bis im Oktober die Moschee halten möchte: «Das ist sicher von allen Gläubigen gewünscht. Womöglich werden viele spenden, damit sie noch bis im Oktober bleiben können.» Es sei aber offen, ob das reichen werde.

Selbst wenn das Geld zusammenkommt, stellt sich die Frage, wie es für die Leute des An'Nur-Vereins weitergehen wird. Bunjaku: «Ich denke nicht, dass sie in einer Moschee in Winterthur willkommen sind. Diese haben schon oft gezeigt, dass Leute aus dem Umfeld der An'Nur-Moschee unerwünscht sind.»

Lokalität mit Auflagen

Dennoch wird laut dem SP-Politiker der harte Kern weitermachen wie bis anhin: «Die haben ihre Plätze, wo sie sich treffen werden.» Dies könnte im Untergrund geschehen, aber auch in anderen Moscheen ausserhalb von Winterthur. Beide Optionen seien «gefährlich» – zum einen, weil so die Kontrolle dieser Leute schwierig werde, und zum anderen, weil dadurch andere Moscheen indoktriniert würden.

Dem hätte aber laut Bunjaku nur die Stadt Winterthur entgegenwirken können: «Sie hat die Chance verpasst, der Moschee zu helfen und ihr eine neue Lokalität unter Auflagen zur Verfügung zu stellen.» So hätte beispielsweise ein Imam gewählt werden können, der einige aus dem Umfeld der An'Nur-Moschee «resozialisiert» hätte. Bunjaku ist überzeugt, dass die Probleme nach der Schliessung weiterbestehen werden.

Zudem sagt Bunjaku: «Um allgemein gegen islamistische Radikalisierung vorzugehen, ist es notwendig, die muslimischen Gemeinden anzuerkennen. Genauso wie bereits die jüdischen Gemeinden anerkannt worden sind. So hätten die Behörden Zugang zu Imamen, Finanzierung und vielem mehr.»

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