Autobahn blockieren, Schiessen und Rasen: Wenn Hochzeitskonvois ausser Kontrolle geraten

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Autobahn blockieren, Schiessen und RasenWenn Hochzeitskonvois ausser Kontrolle geraten

Ein Autokonvoi einer Hochzeitsgesellschaft hat den Verkehr auf der A1 lahmgelegt. In Deutschland passiert das immer wieder: Türkische Hochzeitskorsos blockieren dort häufig Strassen.

von
Barbara Scherer
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In Deutschland blockieren Autokorsos von Hochzeitsgesellschaften immer wieder die Strassen.

In Deutschland blockieren Autokorsos von Hochzeitsgesellschaften immer wieder die Strassen.

imago/Andreas Gora
Eine Hochzeitsgesellschaft blockierte am Samstag den Verkehr auf der A1 und verursachte einen Stau. Die Aktion erinnert stark an Ereignisse in Deutschland. 

Eine Hochzeitsgesellschaft blockierte am Samstag den Verkehr auf der A1 und verursachte einen Stau. Die Aktion erinnert stark an Ereignisse in Deutschland.

Leser-Reporter 
Dort blockieren immer wieder türkische Hochzeitsgesellschaften Strassen. Dabei wird in die Luft geschossen und gerast.

Dort blockieren immer wieder türkische Hochzeitsgesellschaften Strassen. Dabei wird in die Luft geschossen und gerast.

imago/Arnulf Hettrich

Darum gehts

  • Auf der A1 hat ein Hochzeits-Konvoi den Verkehr ausgebremst.
  • Das Ereignis weist Parallelen zu Deutschland auf.
  • Dort sorgen türkische Hochzeitkorsos immer wieder für ein Verkehrschaos.

Ein Fahrzeugkonvoi auf der A1 blockierte am Samstagabend die A1 in Richtung Zürich. Die 10 Fahrzeuge befanden sich auf dem Weg zu einer Hochzeit. Dabei fuhren die Autos langsam auf dem Pannenstreifen und hielten sogar an.

Für die Aktion wurden zwei Schweizer und ein Türke aus dem Kanton Baselland gebüsst. In Deutschland sind Autokorsos, die die Strasse blockieren, ein bekanntes Phänomen. Dabei handelt es sich meistens um türkische Hochzeitskorsos, wie der «Bayernkurier» schreibt.

Rennen fahren und Schüsse abfeuern

Ob es sich auch im aktuellen Fall von der A1 um eine türkische Hochzeit handelte, ist gemäss der Polizei nicht bekannt. Die Aktion weist aber Parallelen zu Ereignissen in Deutschland auf. Einige Beispiele:

  • Bei Düsseldorf blockierten mehrere Autofahrer mit teuren Sportwagen die A3. Sie wollten wohl ein Hochzeitsfoto auf der Fahrbahn schiessen. Dazu pendelten drei Autos mit Warnblinklicht auf allen Spuren hin und her und brachten den Verkehr so zum Erliegen. Ein weiterer Fahrer liess die Reifen qualmen und driftete über die gesperrte Fahrbahn.
  • Im bayrischen Aschaffenburg mussten 2019 unbeteiligte Autofahrer einem Hochzeitskonvoi von 40 Autos im Kreisverkehr ausweichen und wurden dabei in den Graben gedrängt. Vor der City-Galerie schossen die Mitglieder der Hochzeitsgesellschaft dann in die Luft und beleidigten Passanten.
  • In Nordrhein-Westfalen fuhren letztes Jahr 10 bis 15 Fahrzeuge auf einer Strasse und überholten sich dabei ständig. Ein Velofahrer musste dadurch eine Vollbremsung hinlegen und stürzte. Obwohl sich der Velofahrer verletzte, hielt der Unfallverursacher nicht an, sondern flüchtete. Wenig später wurde zudem ein Schuss aus der Autokolonne abgegeben.
  • In der Stadt Duisburg besetzten rund 100 Hochzeitsteilnehmer eine Kreuzung. Sie schwenkten türkische Fahnen, zündeten bengalische Fackeln an und feuerten Schüsse in die Luft, bis die Polizei eingriff.

Hochzeitskorsos haben in der Türkei eine lange Tradition. In die Luft geschossen wird aber höchstens in konservativen, ländlichen Gegenden. Dass dabei der Verkehr blockiert wird, ist hingegen neu und in der Türkei nicht üblich.

Das nordrhein-westfälische Landeskriminalamt bewertet die Autokorsos als «übersteigerte Männlichkeitsinszenierungen». Denn meistens würden vor allem junge Männer mit ihren Autos an den Hochzeiten über die Stränge schlagen, wie der «Bayernkurier» weiter schreibt.

Woher der Autokorso-Brauch kommt

Bei türkischen Hochzeiten wird die Braut vom Bräutigam oft mit einem Autokorso abgeholt. Dieser Brauch stammt aus Anatolien, wie Migrationsforscherin Gülistan Gürbey gegenüber der «Frankfurter Allgemeinen» erklärt. Bevor es das Auto gab, wurde die Braut dort vom Elternhaus abgeholt und auf einem Pferd durchs Dorf geführt. Der enge Kreis lief hinterher. Zum Brauch gehörte laut Gürbey auch, dass das Pferd von verschiedenen Menschen gestoppt wurde. Sie blockierten den Weg, bis sie ein Geschenk erhielten.

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