Der Mann hinter dem Boxspektakel: «Wenn Holyfield gewinnt, haben wir die Kontrolle»
Aktualisiert

Der Mann hinter dem Boxspektakel«Wenn Holyfield gewinnt, haben wir die Kontrolle»

Ohne Philippe Huber wäre es nie zum Schwergewichts-WM-Kampf zwischen Evander Holyfield und Nikolaj Walujew in Zürich gekommen. Der mächtige Mann zieht mit seiner Sportvermarktungsagentur Kentaro im Hintergrund die Fäden. 20 Minuten Online traf den Vielbeschäftigten zum Interview.

von
Patrick Toggweiler

20 Minuten Online: Wie die Jungfrau zum Kind, kam Zürich zu einem Schwergewichts-WM-Boxkampf. Wie angelt man sich so einen Event?

Philippe Huber: Ich bin ja nicht alleine, sondern arbeite in einem super Team. Unsere Partner sind der Sauerland-Boxstall und Don King. Das ist ein Netzwerk, das solche Dinge zulässt. Sie können nicht im stillen Kämmerchen einen solchen Kampf zusammensetzen. Sie brauchen Leute, die über die nötigen Kontakte verfügen. Wir haben das seit Jahren.

Weshalb ausgerechnet Zürich?

Wir wollen die Schweiz als Boxstandort etablieren. Da muss man ab und zu einen Kampf bringen, der die Leute aus den Socken haut. Wir hatten Opposition aus Las Vegas, vom Madison Square Garden, aus China, aus Abu Dhabi. Unsere Firma ist relativ schnell, wenn es darum geht, etwas durchzuziehen. Wir haben die Garantien schneller als alle anderen hinterlegt, deshalb sind wir zum Zug gekommen.

Mit was verdienen Sie Geld an diesem Boxkampf?

Es gibt da Verträge zu bestehenden TV-Rechten. Sauerland hat als Partner die ARD, welche eine schöne Lizenzsumme bezahlt. Dann vertreiben wir die internationalen TV-Rechte: Sie müssen wissen, dass bereits heute 75 Länder ans Signal dieses Kampfes angeschlossen sind. Die bezahlen alle Lizenzgebühren. Die Ticketeinnahmen sind auch nicht unwesentlich.

Welche TV-Stationen haben zugesagt?

Das Schweizer Fernsehen überträgt live, dann die ARD, in England stehen wird in den Abschlussverhandlungen mit einem grossen Sender, Stationen aus den USA, aus dem mittleren Osten – Al Jazeera Sport wird live übertragen. Wenn sie in Dubai in den Ferien sind zu diesem Zeitpunkt werden sie den Kampf also live sehen können. Arabischer Kommentar live aus Zürich kann recht lustig sein.

Auf der sportlichen Ebene wird der Kampf eher belächelt

Ja, das ist jedem freigestellt. Es gibt Leute, die sagen, es werde eine Supersache, andere sehen das anders. George Foreman war 45 Jahre alt, als er den WM-Titel gewann – gegen einen nicht einmal 30-jährigen. Wie im Fussball gilt: Am Schluss gibt man die Antwort auf dem Platz – oder eben im Ring. Mir sind solche Kritiken egal, solange ich weiss, dass wir dem Publikum eine gute Sache bieten können: Holyfield trainiert hart für diesen Kampf. Er will diesen Titel und damit in die Geschichtsbücher eingehen. Man darf ihn nicht unterschätzen: Er gewann ein paar Mal den Weltmeistertitel. Erfahrung hat er. Technisch ist er Walujew mindestens ebenbürtig, wenn nicht überlegen.

Für die Vermarktung ist der Kampf dafür ein Glücksfall

Die Halle wird ausverkauft sein. Wir geben gerade noch Tickets für gesperrte Bereiche frei. Danach gibt es keine mehr. Irgendwann ist mal Schluss.

Ist für Sie Sport oder Show wichtiger?

Wenn mir die Show wichtig wäre, würde ich einen Wrestlingevent organisieren, bei dem es um nichts geht. Ein Ringerfestival. Alles was wir machen hat irgendwo einen sportlichen Hintergrund. Seien das die Vorbereitungen zur Weltmeisterschaft, sei das ein Freundschaftsspiel. Die sportliche Affiche ist die Weltmeisterschaft. Das ist kein Sparring oder eine Pseudoshow.

Was für einen Kampf wünschen Sie sich persönlich am 20. Dezember?

Es wäre unglaublich, wenn Holyfield mit 46 Jahren der älteste Boxweltmeister aller Zeiten werden könnte. So ein bisschen im Stil von Rocky: 12. Runde kurz vor dem Gong noch der K.o. In diesem Fall würde Holyfield noch zwei, drei Kämpfe anhängen, welche auf der ganzen Welt enorme Beachtung finden würden. Wir haben uns seine Rechte für die nächsten drei Kämpfe gesichert – sollte er gewinnen, haben wir die Kontrolle.

Und wie wird der Kampf tatsächlich enden?

Favorit ist Walujew. Im Boxen weiss man nie. Es kann nach drei Minuten enden. Wenn alles seinen normalen Weg geht, gewinnt Walujew. Vielleicht kann ihn Holyfield auch ausboxen. Es ist offen.

Welchen Event bringen Sie als nächstes in die Schweiz?

Die letzten Tage waren brutal. Wir hatten Brasilien gegen Portugal in Brasilien. Wir hatten Argentinien gegen Schottland mit 500 Journalisten an der Pressekonferenz mit Maradona. Mehr geht nicht. Wir machen jetzt erstmal Pause. Nach dem Kampf gehe ich 10 Tage in die Ferien. Es sind meine einzigen Ferien in diesem Jahr. Dann schlagen wir im nächsten Jahr wieder zu.

Philippe Huber (42) gründete zusammen mit seinem deutschen Partner Philipp Grothe Kentaro, eine Sportvermarktungsagentur mit Schwerpunkt Fussball. Huber war verantwortlich, dass sich Brasilien in Weggis für die Fussball-WM in Deutschland vorbereitete. Ebenso war es Kentaro, welche den WM-Schwergewichtskampf Walujew vs. McCline in die Basler St. Jakobshalle brachte. Kentaro besitzt die Vermarktungsrechte (bei Freundschaftsspielen) von Brasilien, England, Argentinien, Schweden, Norwegen, Irland und USA, um nur einige zu nennen). Dasselbe gilt für diverse Fussballclubs (FC Basel, Everton, Glasgow Rangers, Olympiakos Piräus, GC und weitere). Der geschätzte Jahresumsatz von Kentaro liegt bei 250 Millionen.

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