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Doktor Sex«Wenn ich auf ihn zugehe, zieht er sich zurück!»

Seit Anouks Mann auszog, ist nichts mehr, wie es war. Mehr und mehr wird die Situation zur Belastung und langsam fragt sie sich, wie lange sie das noch durchhalten wird. Was tun?

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Rückzug und Gesprächsverweigerung sind in einer Konfliktsituation höchstens vorübergehende Lösungen. (Symbolbild: Colourbox.de, Artem Furmanö)

Rückzug und Gesprächsverweigerung sind in einer Konfliktsituation höchstens vorübergehende Lösungen. (Symbolbild: Colourbox.de, Artem Furmanö)

Frage von Anouk (31) an Doktor Sex: Seit über sieben Jahren bin ich mit meinem Partner zusammen. Wir haben eine Tochter. Anfang des Jahres zog er aus, mit der Begründung, er wisse nicht mehr, ob er noch genügend Gefühle habe, um unsere Beziehung weiterzuführen. Etwas später sagt er mir, dass er mich zwar liebe, jedoch noch nicht nach Hause kommen wolle, da er etwas Abstand brauche. Nun eröffnete er mir vor kurzem, er sei total überlastet, bei der Arbeit und auch privat. Aber helfen könne ich ihm nicht. Ich hasse diese Situation und fühle mich ausgeschlossen. Sobald ich auf ihn zugehe, hat er das Gefühl, unter Druck zu stehen, und zieht sich sofort zurück. Ich weiss nicht, wie lange ich das noch durchhalte. Wie kann ich aus dieser Situation herauskommen?

Antwort von Doktor Sex

Liebe Anouk

Offenbar bestimmt dein Partner bereits seit einiger Zeit weitgehend, wann und wie in eurer Beziehung Begegnung stattfindet, worüber gesprochen werden kann, und auch, wer welche Rolle zu übernehmen hat. Verständlich, dass du dieser Situation gegenüber Hassgefühle entwickelst und zunehmend an deine Grenzen kommst. Umso mehr, als du zu glauben scheinst, dem Verhalten deines Mannes ausgeliefert zu sein und nur darauf warten zu können, dass er Vernunft annimmt und in eure Partnerschaft zurückkehrt. Du bist aber nicht abhängig von ihm!

Ein derart einseitiges und dominantes Verhalten ist eigentlich nur so lange ohne weitergehende Begründung gerechtfertigt, als es sich um eine Auszeit handelt, in der es beispielsweise darum geht, in einer akuten Krise einen klaren Kopf und festen Boden unter die Füsse zu kriegen. Da steht dein Mann aber mit ziemlicher Sicherheit nicht mehr. Trotzdem bleibt er ambivalent. Emotional nähert er sich dir an, indem er dir seine Liebe versichert. Real aber bleibt er auf Distanz.

Wichtig scheint mir, dass ihr in einem gemeinsamen Gespräch herauszufinden versucht, was dein Partner mit seinem Verhalten bezwecken will. Also, was der tiefere Sinn dahinter ist. Ich vermute, dass nach sieben Jahren Beziehung eine grundlegende Klärung ansteht. Die Zeit der Verliebtheit liegt definitiv schon länger zurück. Und einfach weitermachen, als ob nichts wäre, ist für deinen Partner offensichtlich unmöglich geworden, nachdem sich bei ihm die Erkenntnis eingestellt hat, dass seine Gefühle zu dir andere geworden sind. Zwar hat der dies nicht explizit gesagt, jedoch legt sein Verhalten diesen Schluss nahe.

Möglicherweise ist dies daher auch die Botschaft, die es für euch beide anzunehmen und zu verstehen gilt. Eure Beziehung sagt euch: So wie bisher geht es nicht mehr weiter! Geklärt ist damit zwar noch gar nichts, jedoch ermöglicht euch diese Botschaft vielleicht, wieder aufeinander zuzugehen und gemeinsam zu erforschen, in welche Richtung sich euer Zusammensein verändern und was darin auch noch leben möchte. Gut möglich, dass ihr zum Beispiel herausfindet, wie sehr euer Fokus auf wirtschaftlich-praktische Aspekte gerichtet ist und dass ihr die freundschaftliche oder die leidenschaftliche Seite aus den Augen verloren habt. Vielleicht erkennt ihr aber auch, dass es für eure Beziehung besser ist, getrennte Wohnungen zu haben, da ihr sonst beide an der zu intensiven Nähe zu ersticken droht.

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