Maskenpflicht im ÖV: «Wenn ich die Maske bezahlen muss, will ich sie von den Steuern abziehen»
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Maskenpflicht im ÖV«Wenn ich die Maske bezahlen muss, will ich sie von den Steuern abziehen»

Ab Montag gilt im öffentlichen Verkehr eine Maskenpflicht. Das passt nicht allen: 20-Minuten-Leser fordern Einheitspreise oder Gratis-Masken und wollen den Kaufpreis von den Steuern abziehen.

von
Barbara Scherer
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Ab Montag gilt die Maskenpflicht im ÖV in der Schweiz. Nicht alle sind begeistert.

Ab Montag gilt die Maskenpflicht im ÖV in der Schweiz. Nicht alle sind begeistert.

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So fordert ein 20-Minuten-Leser, dass Masken gratis verteilt werden müssten. Laut Experten wäre das theoretisch möglich. Herausfordernd wäre nur die Logistik.

So fordert ein 20-Minuten-Leser, dass Masken gratis verteilt werden müssten. Laut Experten wäre das theoretisch möglich. Herausfordernd wäre nur die Logistik.

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Ein Leser fordert einen Einheitspreis für Masken. Das ist laut dem Schweizerischen Konsumentenforum nicht die Idee des liberalen Wirtschaftssystems.

Ein Leser fordert einen Einheitspreis für Masken. Das ist laut dem Schweizerischen Konsumentenforum nicht die Idee des liberalen Wirtschaftssystems.

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Darum gehts

  • Ab Montag, 6. Juli, gilt Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr.
  • Das passt nicht allen 20-Minuten-Lesern.
  • Der Bund müsse Masken gratis verteilen oder einen Einheitspreis einführen, so die Forderungen.
  • Andere wollen den Kaufpreis von den Steuern abziehen.
  • Experten geben ihre Einschätzung dazu.

Ab Montag gilt im öffentlichen Verkehr in der Schweiz die Maskenpflicht. Wer sich nicht daran hält, dem kann die Mitfahrt im Zug verweigert werden. Ausgenommen von der Pflicht sind Kinder unter 12 Jahren und Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen dürfen.

Die Massnahme wird rege diskutiert. Für die einen kommt sie zu spät, für die anderen macht sie keinen Sinn. Auch die 20-Minuten-Leser haben ihre Meinungen dazu geäussert. Experten haben die Behauptungen und Wünsche eingeschätzt:

Kann ich die Kosten für Masken von den Steuern abziehen?

Eigentlich sieht das Steuergesetz einen Abzug für Masken nicht explizit vor, wie KPMG-Steuerexperte Stefan Kuhn erklärt. Wenn ein Arbeitnehmer auf den öffentlichen Verkehr angewiesen sei und keine Masken vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt bekäme, könne aber argumentiert werden, dass die damit verbundenen Kosten sogenannte Gewinnungskosten darstellten und «deshalb steuerlich abzugsfähig wären». Denn Arbeitnehmer können die Berufskosten von den Steuern abziehen. Dazu zählen beispielsweise Kosten fürs Pendeln oder die auswärtige Verpflegung. «Bund und Kantone gewähren dafür einen Pauschalabzug ohne Nachweispflicht», erklärt Kuhn.

Können wir in der Schweiz einen Einheitspreis für Masken einführen?

«Nicht, solange wir in einer liberalen Wirtschaftsordnung leben», sagt Babette Sigg, Präsidentin des Schweizerischen Konsumentenforums. Denn einen Einheitspreis müsste der Staat verhängen, und das würde den wirtschaftlichen Wettbewerb einschränken. «So können die Konsumenten frei wählen, wo sie ihre Maske kaufen und welche Anbieter sie unterstützen wollen.» Für Sigg ist die Einführung eines Einheitspreises daher unrealistisch.

Könnte und sollte der Bund Masken gratis an die Bevölkerung verteilen?

Möglich wäre es, sagt Pharma-Experte Salvatore Volante: «Während der Vogelgrippe hat der Staat allen Haushalten in der Schweiz gratis Masken verteilt.» Im Ausland ist das bereits so: Die Türkei hat ihren rund 80 Millionen Einwohnern 200 Masken pro Haushalt geschickt. Die grösste Schwierigkeit darin liegt laut Volante in der Logistik: Die Verteilung der Masken würde eine grosse Herausforderung darstellen und auch zu viel Zeit benötigen. Für Gesundheitsökonom Willy Oggier sind Gratismasken kein Thema: «Wir müssen mit dieser Gratis-Konsum-Haltung aufhören. Wer die Maske nicht trägt, gefährdet andere Leute und verursacht potenziell grosse gesundheitliche, menschliche und wirtschaftliche Schäden.» Laut Bundesamt für Gesundheit ist keine Verteilungsaktion von Gratismasken geplant.

Ist der Preis für Masken durch die Corona-Krise gestiegen?

Ja, sagt Pharma-Experte Volante. «Die Masken sind aus China gekommen. Mit der Krise ist die weltweite Nachfrage explodiert, und die chinesischen Anbieter haben die Verkaufspreise massiv erhöht.» Dass 50 Masken vor der Krise nur 12.90 Franken gekostet haben, bezweifelt Volante aber stark. Inzwischen werden auch Masken in der Schweiz hergestellt, und die Preise seien dadurch wieder gesunken: «Konsumenten erhalten Schutzmasken inzwischen zu den besten Preisen von 50 bis 70 Rappen pro Stück.»

Franken pro Maske

  • Aldi: 0.60
  • Coop: 0.56 (weil Aktion)
  • Lidl: 0.70
  • Migros: 0.80
  • Spar: 0.59
  • Valora: 1.50
  • Zur Rose: 1
  • Digitec Galaxus: 0.70
  • Amavita: 0.98
  • Microspot: 0.80

Macht es Sinn, dass eine Maskenpflicht nur im ÖV gilt, oder droht uns bald eine generelle Maskenpflicht?

Weil Personen im öffentlichen Verkehr oft lange nah beieinander sitzen, sei es absolut sinnvoll, sagt Pharma-Experte Volante. «In asiatischen Ländern haben die Leute schon vor 30 Jahren Masken im Zug getragen, um sich nicht gegenseitig anzustecken.» Das Problem sei die Zeitdauer. Je länger Menschen Zeit miteinander verbringen, umso höher sei das Risiko, sich anzustecken. Eine generelle Maskenpflicht sei daher nicht unbedingt nötig: «In Läden ist die Ansteckungsgefahr weniger hoch», so Volante.

Hat der Bund zu viele Masken bestellt?

Da die Lager des Bundes zu Beginn der Krise fast leer waren, mussten im April rund 330 Millionen Hygienemasken in China gekauft werden. Zu viel sei das nicht, sagt Pharma-Experte Salvatore Volante: «Denn angenommen, jeder Haushalt braucht 50 Masken, benötigen wir schnell einmal 150 Millionen Masken.» Somit habe der Bund eine angemessene Anzahl Masken besorgt.

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