Schweizer Handball-Star im Interview: «Wenn ich wieder normal Treppen steigen kann, dann freue ich mich»
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Schweizer Handball-Star im Interview«Wenn ich wieder normal Treppen steigen kann, dann freue ich mich»

Auch dank Weltklasse-Spieler Andy Schmid schaffte die Schweizer Handball-Nati das WM-Märchen. Nun spricht er über das Abenteuer, unzählige Corona-Tests und seine beiden Kinder.

von
Nils Hänggi
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Viele Fans fragten sich, was dieser Schmid-Jubel bedeutet. Im Interview erklärt er es. Der Grund: einfach süss!

Viele Fans fragten sich, was dieser Schmid-Jubel bedeutet. Im Interview erklärt er es. Der Grund: einfach süss!

Foto: AFP
Andy Schmid ist mittlerweile zurück in Deutschland. Bereits in einer Woche startet die Meisterschaft. «Momentan freue ich mich nicht drauf», meint der Handball-Star. 

Andy Schmid ist mittlerweile zurück in Deutschland. Bereits in einer Woche startet die Meisterschaft. «Momentan freue ich mich nicht drauf», meint der Handball-Star.

Foto: AFP
Dass Schmid müde ist, das ist verständlich. Die Zeit in Ägypten glich zwar einem Märchen, doch sie war auch anstrengend. 

Dass Schmid müde ist, das ist verständlich. Die Zeit in Ägypten glich zwar einem Märchen, doch sie war auch anstrengend.

Foto: AFP

Darum gehts

  • Die Schweizer Handball-Nati ist nach ihrem WM-Märchen wieder daheim.

  • Die Nati zeigte ein klasse Turnier.

  • Nun spricht Andy Schmid über das Abenteuer in Ägypten und seinen speziellen Jubel.

Andy Schmid, jetzt ist es vorbei. Das WM-Märchen ist zu Ende.

Ja, mittlerweile bin ich auch wieder daheim bei meiner Familie in Deutschland.

Haben Sie schon realisiert, was Sie erreicht haben mit der Schweizer Handball-Nati?

Nein. So richtig noch nicht. Momentan ist vor allem eine totale Reizüberflutung da. Es waren mega intensive Tage, vielleicht die intensivsten meiner Karriere. Körperlich und mental. Wir wurden ins kalte Wasser geworfen, erfuhren wir doch erst zwei Tage vor Beginn der WM, dass wir dabei sind. Und dann folgten sechs Spiele innert wenigen Tagen. Momentan bin ich einfach nur sehr müde und erledigt.

Verständlich. War die WM denn so, wie Sie es sich vorgestellt haben?

Ich hatte mir dieses Turnier eigentlich nie vorgestellt. Wir scheiterten stets früh in der Quali, da kam es nie dazu. Und dieses Jahr kam es dann so plötzlich. Auch war es ja ein sehr spezielles Turnier – inmitten dieser weltweiten Pandemie. Corona war jeden Tag präsent.

Sie haben 71 der 153 Schweizer Tore erzielt. Zufrieden mit Ihren Leistungen?

Ja! Aber es geht nicht um mich, sondern um die Leistungen der Mannschaft. Wir haben gezeigt, dass wir mit den Grossen des Handball-Sports mithalten können. Und nicht nur das. Wir zeigten, dass wir vermeintliche Favoriten auch besiegen können. Man muss ja auch bedenken, dass wir in einer der schwierigsten Gruppen waren. Norwegen, Frankreich, später Island und Portugal – das sind alles Weltklasse-Teams.

Hatten Sie ein persönliches WM-Highlight?

(überlegt) Schwierig. Da waren so viele Highlights. Sicherlich das Eröffnungsspiel und der Sieg gegen Österreich, dann die Partie gegen den Weltmeister und mehrfachen Olympiasieger Frankreich, in der wir am Sieg schnupperten. Eigentlich war die ganze Zeit phänomenal.

Es war also alles toll?

(lacht) Auf die vielen Corona-Tests hätte ich schon gerne verzichtet. Es ist nicht angenehm, jeden Tag einen Stäbchen in den Rachen gesteckt zu bekommen. Aber klar, die Tests waren notwendig, sie mussten sein – auch für die Sicherheit von uns allen.

Michael Suter, Ihr Coach, meinte nach der letzten Partie, dass die WM extrem wichtig für den Schweizer Handball sei. Was erhoffen Sie sich?

Kinder werden jetzt nicht in die Hallen rennen, um Handball zu spielen. Nicht allein wegen diesen paar Tagen Weltmeisterschaft. Das ist unrealistisch. Aber die WM gab sicherlich einen Schub. Und bei diesem müssen jetzt alle ansetzen. Der Verband, alle Clubs, jeder Trainer und Spieler.

Aber Nati-Erfolge helfen doch sicherlich auch …

Absolut! An der Nati führt nichts vorbei. Wenn wir Leistungen erbringen, dann sorgt das für enorme Aufmerksamkeit. Das hat man jetzt auch bei der WM gesehen.

2023 findet die nächste WM in Polen statt. Sind Sie dann noch mit dabei?

Das kann ich jetzt nicht sagen. Überhaupt nicht. Für mich sind einfach drei Fragen wichtig. Hab ich noch Spass? Bin ich gesund? Bin ich noch gut? Wenn ich diese mit Ja beantworten kann, dann spiele ich. Ich bin 37 und in einer Phase, in der ich von Jahr zu Jahr schauen muss. Bis 2023 vergeht noch ein wenig Zeit.

Im letzten Vorrundenspiel der WM glänzt der Goalie der Schweizer Handball-Nati mehrmals mirakulös.

Video: TV24

Sie meinten, dass Sie wieder daheim sind. Wie geht es nun für Sie weiter?

In einer Woche startet die Meisterschaft in Deutschland wieder, dann habe ich das erste Spiel mit den Rhein-Neckar Löwen.

Und freuen Sie sich darauf?

Momentan nicht, nein. In ein paar Tagen sieht die Welt dann aber wieder anders aus. Wenn ich wieder normal eine Treppe steigen kann, freue ich mich schon.

Zum Schluss eine persönliche Frage: Nach den Toren haben Sie mit den Händen zwei Dreiecke vor Ihrem Gesicht geformt. Was bedeutet der Jubel?

(lacht) Der Jubel hatte eine persönliche Bedeutung. Er war für meine beiden Söhne. Der grössere spielt Fussball und kann eigentlich jeden Torjubel von jedem Fussballer dieser Welt. Und zu Beginn des Jahres war ich mit meinem Teamkollegen Nik Tominec und meiner Familie essen. Nik fragte meinen Sohn nach seinem Lieblingsjubel, er zeigte eben diesen. Als ich dann plötzlich gehen musste, waren meine Kids traurig. Ich versprach ihnen daher, dass ich für sie den Jubel mache.

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10 Kommentare
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27.01.2021, 17:23

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27.01.2021, 09:54

Es hängt zu viel an diesem einen Spieler. Steht er nicht auf dem Platz, fällt die Durchschlagskraft der Nati beinahe in sich zusammen.