Gefährlicher Trend: Wenn Liebespaare ihr Passwort teilen
Aktualisiert

Gefährlicher TrendWenn Liebespaare ihr Passwort teilen

Sie sind jung, verliebt und teilen alles - wirklich alles. Als Zeichen des gegenseitigen Vertrauens tauschen junge Leute sogar ihre Passwörter aus. Ein riskanter Liebesbeweis.

von
Daniel Schurter
Was in guten (Beziehungs-)Zeiten gut gemeint ist, kann in schlechten Zeiten böse enden.

Was in guten (Beziehungs-)Zeiten gut gemeint ist, kann in schlechten Zeiten böse enden.

Wenn der Himmel voller Geigen hängt, hat die Vernunft einen schweren Stand. Das zeigt eine Reportage der «New York Times» zum Verhalten junger Paare. Demnach tauschen die Liebenden im 21. Jahrhundert nicht nur Zärtlichkeiten aus, sondern auch ihre Passwörter.

Es handle sich um den ultimativen Vertrauensbeweis, dem Partner oder der Partnerin den uneingeschränkten Zugang zum eigenen Facebook-Profil oder dem E-Mail-Konto zu ermöglichen. Dieser Ansicht sind offenbar zahlreiche Paare, ob als Teenager oder älter. Und es gibt sogar Liebende, die ein identisches Passwort wählen für ihre jeweiligen Facebook-Konten und dergleichen. Noch einen Schritt weiter gehen Paare, die anstatt getrennter Online-Profile beispielsweise nur noch ein gemeinsames Facebook-Profil führen.

Riskantes Verhalten

Grobe Fahrlässigkeit oder bewusstes Risiko? Dass solche digitalen Verstrickungen riskant sind und alle Compuer-Sicherheitsexperten davon abraten, ist wohl vielen jungen Leuten durchaus bewusst. Der Reiz des Verbotenen scheine den Passwort-Tausch noch anzustacheln, vermutet die «New York Times». Eine 17-jährige Kalifornierin sagte gegenüber dem Reporter: «Ich habe nichts vor meinem Freund zu verstecken, und er nichts von mir». Sie sei sich sicher, dass ihr Freund niemals etwas tun würde, das ihrem Ruf schaden könnte.

Allerdings enden nicht alle Liebesgeschichten friedlich. Die New York Times nennt als Beispiel einen zornigen jungen Mann in der High School, der die vertraulichen Mails seiner Ex-Freundin im Internet veröffentlichte. Oftmals sei es kein weiter Weg von der verschmähten Liebe zum Cybermobbing – aus ehemals Liebenden werden Täter und Opfer. Ein bekanntes Passwort ist praktisch eine Einladung zum Identitätsklau und zu weit bösartigeren Taten.

Psychischer Druck

Die Autorin Rosalind Wisemann hat den Umgang von amerikanischen Teenagern mit moderner Technologie untersucht und einen Eltern-Ratgeber verfasst. Sie erklärte gegenüber der «New York Times», dass es in vielen jungen Liebesbeziehungen psychischen Druck gebe. Der Anspruch, der ans Gegenüber gerichtet werde, sei immer der gleiche: «Wenn wir in einer Beziehung sind, dann solltest du mir alles geben.» Dies könne sich auf die Sexualität beziehen und auf das Passwort.

Eine 2011 durchgeführte Studie kam zum beunruhigenden Schluss, dass 30 Prozent der jugendlichen Internet-Nutzer in den USA ein Passwort mit einem Freund oder einer Freundin getauscht haben. Das riskante Verhalten schien bei den Mädchen verbreiteter zu sein.

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