Quarantäne-Regelung: «Wenn man derart verliebt ist, ist eine Trennung nur schwer verkraftbar»
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Quarantäne-Regelung«Wenn man derart verliebt ist, ist eine Trennung nur schwer verkraftbar»

B. J. (20) ist untröstlich: Aufgrund der Schweizer Quarantänevorschriften darf sich der Österreicher nicht mehr mit seiner Schweizer Verlobten (20) treffen. Er fordert eine Ausnahme-Regelung für binationale Paare.

von
Daniel Krähenbühl
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Der 20-jährige B.J. und seine Verlobte können sich aufgrund der Schweizer Vorgaben nur besuchen, wenn sie danach in Quarantäne gehen.

Der 20-jährige B.J. und seine Verlobte können sich aufgrund der Schweizer Vorgaben nur besuchen, wenn sie danach in Quarantäne gehen.

Privat
Seine Verlobte und er litten sehr unter der räumlichen Distanz. «Wir kennen uns seit der Kindheit, in den Sommerferien trafen wir uns immer in unserem Heimatland», sagt der Verkäufer im Aussendienst. «Seit 2014 sind wir ein Paar, seit letztem Jahr auch verlobt.»

Seine Verlobte und er litten sehr unter der räumlichen Distanz. «Wir kennen uns seit der Kindheit, in den Sommerferien trafen wir uns immer in unserem Heimatland», sagt der Verkäufer im Aussendienst. «Seit 2014 sind wir ein Paar, seit letztem Jahr auch verlobt.»

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Bereits im Frühling habe er seine Verlobte vier Monate nicht besuchen können. Nun drohe sich das Szenario zu wiederholen. (Symbolbild)

Bereits im Frühling habe er seine Verlobte vier Monate nicht besuchen können. Nun drohe sich das Szenario zu wiederholen. (Symbolbild)

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Darum gehts

  • Der 20-jährige B.J. und seine Verlobte können sich aufgrund der Schweizer Vorgaben nur besuchen, wenn sie danach in Quarantäne gehen.
  • Er fordert eine Quarantäne-Ausnahmeregelung für binationale Paare.
  • Bereits im Frühling habe er seine Verlobte vier Monate nicht besuchen können. Nun drohe sich das Szenario zu wiederholen.
  • Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) teilt mit, dass in Bezug auf binationale Paare momentan keine Änderungen geplant sind.

«Ich muss meine Verlobte jeden Tag trösten und ihr Hoffnung machen, dass sich bald etwas ändert», sagt B. J. Der 20-Jährige wohnt in Niederösterreich, sein Herzblatt E. B. (20) im Kanton Thurgau. Bei einer Einreise in die Schweiz müsste er sich für 10 Tage in Quarantäne begeben, ihr droht bei der Rückreise aus Niederösterreich das Gleiche. «Das kann sich niemand erlauben, der arbeitstätig ist.» Seine Verlobte und er litten sehr unter der räumlichen Distanz. «Wir kennen uns seit der Kindheit, in den Sommerferien trafen wir uns immer in unserem Heimatland», sagt der Verkäufer im Aussendienst. «Seit 2014 sind wir ein Paar, seit letztem Jahr auch verlobt.»

Als Ende März die Grenzen zwischen der Schweiz und den Nachbarländern geschlossen blieben, haben sie sich vier Monate lang nicht gesehen, sagt J. Nun zeichne sich erneut eine längere Trennung ab. «Seit März bangen wir um die wenigen Besuchstage, die wir haben – nun hat man die uns auch noch genommen.» Er fordert eine definierte Quarantäne-Ausnahmeregelung für binationale Paare: «Dass man seinen Partner beispielsweise 48 bis 72 Stunden besuchen darf und nicht in Quarantäne muss, wenn man innerhalb dieses Zeitfensters auf direktem Weg wieder zurückreist.» Etwa in Bayern gebe es die 48-Stunden-Regel bereits.

«Beziehungen gehen in die Brüche»

Das Vorgehen der Schweizer Regierung kann der 20-Jährige nachvollziehen, aber: «Wenn man sich so lange kennt wie wir und derart verliebt ist, dann ist eine solche Trennung nur schwer verkraftbar.» Momentan telefoniere er deshalb täglich mit seiner Verlobten per Video-Chat. «Mehr bleibt uns momentan nicht übrig.»

Als einzigen legalen Ausweg behalte er sich ein Treffen in einem Ort vor, der nicht von den Schweizer Quarantäneregeln betroffen ist – etwa Vorarlberg. «Dass man Verliebte aber zu solchen Umwegen zwingt, verstehe ich überhaupt nicht», sagt B.J. Sie seien kein Einzelfall, betont er. In diversen Facebook-Gruppen spendeten sich mehrere Hundert Betroffene gegenseitig Trost. «Immer wieder verabschieden sich aber Leute, da ihre Beziehung aufgrund der ständigen Unsicherheit und der Separation in die Brüche gegangen ist.»

BAG: Quarantäne-Ausnahme nur in Härtefällen

Wie ein BAG-Sprecher auf Anfrage sagt, sei die Problematik dem Bundesamt für Gesundheit bekannt. Die zuständigen kantonalen Behörden haben mit Art. 4 Abs. 3 der Covid-19-Verordnung Massnahmen im Bereich des internationalen Personenverkehrs die Kompetenz, in begründeten Fällen weitere Ausnahmen von der Pflicht zur Quarantäne zu bewilligen oder Erleichterungen zu gewähren und in diesem Rahmen entsprechende Vorgaben zu machen. «Diese Ausnahmen sind jedoch mit grosser Zurückhaltung anzuwenden, das heisst in erster Linie, um Härtefälle zu vermeiden.»

Das BAG kann mangels Zuständigkeit aber keine Auskunft darüber geben, ob Kantone im Fall von betroffenen Paaren tatsächlich Ausnahmen beziehungsweise Erleichterungen gewähren. «Zum jetzigen Zeitpunkt sind in Bezug auf binationale Paare keine Änderungen wie etwa ein ‹Besuchsfenster› oder eine kürzere Quarantäne nach einem negativen Testergebnis geplant.»

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