Homophobe Beschimpfung im Bahnhof Luzern  - «Wenn man nichts dagegen macht, wird es immer schlimmer» 
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Homophobe Beschimpfung im Bahnhof Luzern «Wenn man nichts dagegen macht, wird es immer schlimmer»

Von zwei Jugendlichen wurde ein homosexueller Brasilianer im Bahnhof Luzern attackiert. Mit einer Anzeige möchte er auf Diskriminierung aufmerksam machen.

von
Tino Limacher
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Zwei Jugendliche haben am Samstag einen homosexuellen Mann beleidigt und angegriffen. Danach ergriffen sie die Flucht.

Zwei Jugendliche haben am Samstag einen homosexuellen Mann beleidigt und angegriffen. Danach ergriffen sie die Flucht.

privat
Nach der Tat meldete der Brasilianer den Vorfall umgehend bei einer Patrouille im Bahnhof Luzern. Die Polizei fasste kurz darauf die zwei Beschuldigten.

Nach der Tat meldete der Brasilianer den Vorfall umgehend bei einer Patrouille im Bahnhof Luzern. Die Polizei fasste kurz darauf die zwei Beschuldigten.

20min/Gianni Walther
Die zwei Jugendlichen wollten sich beim 31-jährigen Mann daraufhin entschuldigen. Doch für den Mann genügt eine Entschuldigung nicht und er möchte die Jugendlichen immer noch anzeigen. 

Die zwei Jugendlichen wollten sich beim 31-jährigen Mann daraufhin entschuldigen. Doch für den Mann genügt eine Entschuldigung nicht und er möchte die Jugendlichen immer noch anzeigen.

20min/Gianni Walther

Darum gehts

  • Ein 31-jähriger Brasilianer wurde am Samstag im Bahnhof Luzern aufgrund seiner sexuellen Orientierung verbal und physisch angegriffen.

  • Passantinnen und Passanten im Bahnhof Luzern kamen ihm sofort zur Hilfe. Die zwei Jugendlichen flüchteten daraufhin.

  • Der Mann meldete den Vorfall bei einer Patrouille im Bahnhof, welche die Jugendlichen kurzerhand fassen konnte.

  • Die Jugendlichen wollten sich daraufhin beim berufstätigen Verkäufer persönlich entschuldigen. Dieser lehnte aber ab, weil für ihn eine Entschuldigung nicht ausreicht.

  • Mit seiner Anzeige möchte er vor allem darauf aufmerksam machen, dass diese Art von Diskriminierung in der Schweiz nicht toleriert werden sollte, besonders bei jungen Menschen.

Ein Brasilianer (31) war am Samstagnachmittag unterwegs im Zug nach Luzern. Dort fielen ihm zwei Jugendliche auf, die nebenan sehr laut waren. «Ich habe schon gemerkt, dass sie mich wegen meinen auffallenden Schuhen ausgelacht haben und aufgrund dessen Schlüsse auf meine sexuelle Orientierung gezogen haben. Doch ich habe sie einfach ignoriert», wie der 31-Jährige gegenüber 20 Minuten berichtet. «Ich dachte, dass sie mich in Ruhe lassen werden, sobald ich aus dem Zug aussteige», wie er weiter erzählt. Jedoch wurde es für ihn schlimmer.

«Sie liefen mir hinterher und fingen an, mich wüst zu beschimpfen. Als ich sie zur Rede stellen wollte, was das soll, und ich sie anschliessend als ‹Idioten› bezeichnet habe, fielen sie über mich her», wie der Verkäufer sagt. Passantinnen und Passanten kamen ihm sofort zur Hilfe, wobei auch diese teilweise von den zwei Jugendlichen beschimpft wurden. «Während die Jugendlichen flüchteten, haben sie mich trotzdem noch weiter beschimpft. Ich selbst habe mich während der ganzen Auseinandersetzung lediglich verbal gewehrt, weil ich selbst nicht handgreiflich werden wollte», so der 31-Jährige.

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Hier findest du Hilfe:

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Du-bist-du.ch, Beratung und Information

Lilli.ch, Information und Verzeichnis von Beratungsstellen

Milchjugend, Übersicht von Jugendgruppen

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Mit Anzeige will er ein Zeichen setzen

Der 31-Jährige lebt seit drei Jahren in der Schweiz. Davor lebte er unter anderem in Brasilien und Grossbritannien. «In diesen Ländern ist mir so etwas noch nie passiert, obschon Brasilien nicht unbedingt als sicheres Land gilt. Deshalb macht es mich umso trauriger, dass mir so eine Situation in der Schweiz, in einem sicheren Land, widerfahren ist», so der Brasilianer. Den Vorfall meldete er sofort den Polizistinnen und Polizisten, welche im Bahnhof auf Patrouille waren.

Er will nun eine Anzeige einreichen. Sein Ziel mit der Anzeige sei es nicht unbedingt, die zwei Jungen verurteilen zu lassen, sondern ein Zeichen gegen ein solches Verhalten zu setzen und die Gesellschaft dafür zu sensibilisieren. «Auch wenn die Anzeige schlussendlich nur in einer Statistik landet, finde ich es wichtig, dass die Gesellschaft davon erfährt», so der Mann. «Es kann nicht sein, dass gerade bei jungen Leuten ein solch diskriminierendes Verhalten am helllichten Tag gewissermassen toleriert wird, indem sie ohne Anzeige davonkommen. Schliesslich sind die jungen Menschen unsere Zukunft und werden die nächste Generation prägen», so der Verkäufer.

Dies ist auch der Grund, warum für den Brasilianer eine Entschuldigung nicht ausreicht. «Die Polizei konnte zwar die zwei Jugendlichen schnell ermitteln und sie teilten mir mit, dass sich diese bei mir entschuldigen möchten. Doch dies habe ich mit dem Hinweis abgelehnt, dass ein solches Verhalten schon gar nicht akzeptiert sein sollte und deshalb eine Entschuldigung nicht ausreiche. Zudem haben sie gegenüber der Polizei ausgesagt, dass ich angefangen hätte, was natürlich absurd ist», so der 31-Jährige. «Ich möchte auf jeden Fall noch Anzeige erstatten. «Denn, wenn man nichts dagegen macht, wird es immer schlimmer», so der Brasilianer.

Bei der Luzerner Polizei konnte am Sonntag niemand zum Vorfall Auskunft geben.

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