Game-Kunst: Wenn «Mario» und «Tetris» im Museum hängen
Aktualisiert

Game-KunstWenn «Mario» und «Tetris» im Museum hängen

Ehre für Schweizer Medienkünstler: Matthias Zimmermann kann seine Werke im Computerspielemuseum in Berlin zeigen. Die herkömmliche Kunstszene hält er für erstarrt.

von
Jan Graber

Es sind auffällige Welten, die der Schweizer Medienkünstler Matthias Zimmermann schafft: Stilistische Abbildungen historischer Gebäude werden in künstliche, surreal wirkende Landschaften verpflanzt, daneben steht eine Burg aus «Super Mario» und in einer Talmulde liegen knallbunte Tetrisklötze. Oder der Betrachter sieht eine futuristische Landebahn, auf der stilisierte Flugzeuge angekommen sind oder auf den Abflug warten, im Hintergrund thronen die Schweizer Alpen und dahinter eine Teleskopaufnahme des Andromeda-Nebels – ein Weltraum, das sich am Rand jedoch in sogenannte Voxel (3D-Pixel) auflöst.

Parallelwelten mit lokalem Flair

Es sind diese Grenzüberschreitungen, die Zimmermann interessieren. «Wir sind geprägt von der digitalen Welt», sagt der 32-Jährige. Mittlerweile würden Menschen das Meiste am Computer erledigen, von der Arbeit übers Telefonieren bis hin zu Freizeitbeschäftigungen. Diese Parallelwelt fasziniert den gebürtigen Basler, der an der Zürcher Hochschule der Künste unter anderem Gamedesign studiert hat – dort wo die Realität auf künstlich generierte Landschaften trifft. «Mich interessiert, wie sich die Realität durch die digitale Welt verändert hat», erklärt Zimmermann. Seine Werke setzt er mit Hilfe von Gameentwicklungs-Technologien um.

Neben lokalen Elementen wie den eingangs erwähnten Schweizer Alpen, oder Berg-, See- und Waldlandschaften, tauchen immer wieder Archetypen aus dem Gamedesign auf: In vielen Bildern stehen Burgen und Industriekulissen (die am häufigsten verwendeten Objekte in Games), immer wieder taucht ein Raumschiff auf, oder eine sogenannte Schrägriss-Perspektive erinnert an die gametypische isometrische Sicht von schräg oben aufs Geschehen.

Kunst in einer Sackgasse

Als Kritik am digitalen Leben will er seine Werke jedoch nicht verstanden wissen. Es gehe ihm mehr um eine Reflektion sowie den Diskurs und – wenn schon – um eine versteckte Ironie. «Es handelt sich um intellektuelle Bilder», sagt Zimmermann und ergänzt: «Mein Ansatz ist eher wissenschaftlich, beobachtend.» Als Inspiration dienen ihm der niederländische Grafiker M.C. Escher und traditionelle asiatische Malerei und japanische Gärten.

Kritisch gegenüber steht er jedoch der klassischen Kunstszene. «In der Kunstwelt geht es doch vorwiegend um Kapitalanlage und Status», sagt Zimmermann, der sich auch mit Kunstvermittlung und Kunstausbildung beschäftigt hat. Die Kunstszene sei in einer Sackgasse, er stelle in ihr eine Arroganz gegenüber neuen Medien fest. «Kunst ist auch ein Spiegel der Zeit», sagt Zimmermann. Videospiele sind als modernes Medium bestens geeignet, als Mittel zur Reflektion benutzt zu werden. Zimmermann: «Games sind auch Zeitzeugnisse.» Zudem sei die Gameszene viel lebendiger, solidarischer und dynamischer als die Kunstszene.

Mit dem Computerspielemuseum hat Zimmermann deshalb einen idealen Aussteller gefunden. Nicht zuletzt auch deshalb, weil sich das Museum sowieso zunehmend der zeitgenössischen Kunst öffnen möchte. Dass Zimmermanns Werke bereits im mittlerweile eingestellten G.E.E.-Magazine und diversen weiteren Gamepublikationen zu sehen waren, hat wohl ebenfalls mitgeholfen, dass das Computerspielemuseum Zimmermanns Werke ausstellt.

Die Ausstellung findet vom 22. Mai bis 8. Juli im Computerspielemuseum in Berlin statt.

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