Vergessene Kunst: Wenn Opas alter Schinken eine Million wert ist
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Vergessene KunstWenn Opas alter Schinken eine Million wert ist

Vielleicht besitzen Sie ein wertvolles Kunstobjekt und wissen nichts davon. Immer wieder werden solche nämlich im Estrich entdeckt. Jetzt ist der perfekte Zeitpunkt, um sie zu verkaufen.

von
bat/ame

Was für eine Schweizer Familie letztes Wochenende in Erfüllung ging, ist für viele ein Traum: Ein vermeintlich wertloses Bild, das seit 40 Jahre im Besitz der Familie war, entpuppte sich als äusserst wertvolles Gemälde eines italienischen Künstlers. Es konnte für 1,2 Millionen Franken beim Zürcher Auktionshaus Koller verkauft werden.

Gemäss Silvana Ghidoli, Presseverantwortliche des Auktionshauses, sind solche Fälle zwar selten, kommen aber immer wieder vor. «Unsere Kunstexperten prüfen täglich dutzende Gemälde, Möbel und andere Kunstobjekte.» Meistens stammen die Objekte aus Erbschaften oder seien in der Familie zufällig entdeckt worden. Eine erste unverbindliche Prüfung beispielsweise anhand von guten Fotos kostet den Kunden nichts. «Wenn sich ein Kunstobjekt als wertvoll herausstellt, wird recherchiert und mit den weltweit wichtigsten Kunsthistorikern auf den entsprechenden Gebieten zusammengearbeitet». Kann ein Gemälde verkauft werden, behält Auktionshaus eine Kommission ein, die je nach Höhe des Verkaufspreises variiert.

Vorsicht vor Betrügern

Vielfach können die Experten des Auktionshauses aber sehr schnell feststellen, dass das vermeintliche Kunstwerk eben nicht wertvoll ist. «Manche Besitzer denken, ihr Gemälde oder Möbel sei nur deshalb schon wertvoll, weil es 100 Jahre alt ist. Das ist leider nicht so», sagt Ghidoli. Nur in ungefähr fünf Prozent aller geprüften Fälle handle es sich um kostbare Ware. Grundsätzlich rät die Presseverantwortliche, Objekte in einem Auktionshaus prüfen zu lassen, um Klarheit zu erhalten und nicht übers Ohr gehauen zu werden.

Auch im Auktionshaus Fischer in Luzern gab es schon einen Glückspilz, der nicht wusste, dass sein Gemälde ein Bild aus dem 17. Jahrhundert ist und einen Wert von einer halben Million Franken hat. Hier werden ebenfalls jeden Tag dutzende Bilder, Möbelstücke, Schmuck oder Skulpturen zur Prüfung abgegeben. Auch ganze Nachlässe nimmt das Expertenteam des Auktionshauses unter die Lupe. «Etwa 20 Prozent der geprüften Objekte sind wertvoll», sagt Geschäftsführer Kuno Fischer. Zurzeit lohne es sich, diese zu verkaufen. «Denn wertvolle Gemälde sind auch als Kapitalanlage sehr beliebt. «Wir können die Nachfrage fast nicht befriedigen», so Fischer.

Nicht nur in Auktionshäusern landen immer wieder Schätze, sondern auch in Brokenhäusern. So zum Beispiel bei Ueli Müller, Geschäftsführer des Zürcher Brockenhaus: «Wir verkaufen wöchentlich Gegenstände, die mit 50 Franken angeschrieben sind und dann für 1000 Franken oder mehr über weiterverkauft werden.» Ein besonderer Fall ereignete sich vor 30 Jahren. «Damals kaufte ein Kunde einen kleinen Chagall bei uns für wenig Geld. Heute hat das Bild wohl einen Wert von 200'000 bis 300'000 Franken.

Aus 65 Franken 4500 gemacht

Ein ähnlicher Fall ereignete sich kürzlich in der Brockenstube auf dem Wolf in Basel: «Vor wenigen Tagen haben wir ein Bild mit schöner Landschaft erhalten. Dieses war mit 65 Franken ausgeschrieben. Bei Auktion ging das Bild für 4'500 Franken an neuen Besitzer», sagt Mitarbeiterin Sabine Reusser. Es stammt aus dem 18. Jahrhundert und ist der holländischen Schule zuzuordnen. «Uns hat das natürlich ein bisschen geärgert», so Reusser.

Ein besonderes Kunstwerk fand auch ein Mitarbeiter der Heilsarmee Brocki vor drei Wochen in Graubünden bei einer Hausräumung. «Dieser fischte ein besonders altes Buch aus einem Müllcontainer», sagt Jakob Amstutz, Geschäftsleiter Heilsarmee Brocki Schweiz. Wie sich herausstellte, handelt es sich beim Buch um eine rätoromanische Bibel, die Ende des 17. Jahrhunderts geschrieben wurde. Der Wert konnte bis jetzt noch nicht bestimmt werden.

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