Aktualisiert 10.04.2014 09:39

Nachhilfe-UnterrichtWenn Papi Ego-Shooter lernt

Mama tötet Hühner, Papa stiehlt ein Auto. Natürlich nur virtuell. In diesem Workshop sollen Eltern begreifen, warum ihre Kinder Computerspiele so lieben.

von
ros/ras

(Video: Ruben Assenberg)

Viele Eltern können nicht verstehen, weshalb ihr Kind Stunden damit verbringt, virtuellen Gegnern in den Kopf zu schiessen oder gestohlene Autos zu lenken. Darum führt Medienpädagoge Attila Gaspar in Basel einen Elternabend der besonderen Art durch: Am Workshop mit dem bezeichnenden Namen «Killerchats» werden Computerspiele jeglicher Coleur gespielt. So sollen die Erziehenden den «Kick» für einmal selbst spüren, den sie dem spielsüchtigen Nachwuchs so oft am liebsten verbieten würden.

Im Lokal des Vereins Medien- und TheaterFalle spielen Vater und Mutter zur Abwechslung mal Rollenspiele: Während er in «Grand Theft Auto V» ein Auto klaut, bewaffnet sie sich schon mal mit einer virtuellen Knarre, um in «Counter-Strike» Soldatenarbeit zu verrichten. So sollen die Eltern die Gedankenwelt ihrer Kinder kennenlernen. Und: realisieren, dass auch ein Egoshooter Anstoss für eine konstruktive Diskussion sein kann.

Muss man Gamen tatsächlich erst lernen? Legen sich denn die Finger nicht intuitiv richtig um den Joystick? Offenbar nicht, denn die Nachfrage nach solchen Elternabenden steigt, wie Gaspar feststellen muss. «Das Interesse ist sehr gross, oft werden wir auch von Schulen oder Heimen angefragt, um den Workshop vor Ort durchzuführen.» Die Teilnehmer jedenfalls sind keine Digital Natives, sind nicht mit Konsolen aufgewachsen, und finden nicht automatisch ins Spiel. Dann helfen die Medienpädagogen nach, erklären die Spielregeln in dieser fremden Computerwelt.

«Eigentlich macht es schon noch Spass!»

Hat Nadia Milani, Mutter von einem 14-jährigen Jungen, nach anderthalb Stunden wüster Schiessereien und virtueller Geschicklichkeitsspiele nun verstanden, was im Kopf ihres 14-jährigen Jungen vorgeht? «Eigentlich macht es schon noch Spass! Man merkt kaum, wie die Zeit vergeht. Nach diesem Workshop kann ich schon besser verstehen, was in meinem Sohn vorgeht.»

Auch Daniel Schönenberg* kann die Begeisterung besser verstehen, die seine beiden Söhne, 15 und 17, an den Tag legen, wenn beide um Nachspielzeit am Computer betteln: «Ich kann mir jetzt besser vorstellen, was in meinen Kindern vorgeht. Die virtuelle Welt hat auch mich für kurze Zeit in seinen Bann gezogen.»

*Name von der Redaktion geändert

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