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Storys mit SchussWenn Reporter zu dick auftragen

Fernsehnachrichten leben von starken Bildern. Doch was tun, wenn die verheerende Sintflut nur fusshoch oder der Orkan nur ein Gewitter ist? Dann ist Einfallsreichtum gefragt.

von
Philipp Rüegg

Nachrichten sollen objektiv, sachlich und informativ sein. Als Zuschauer verlässt man sich darauf, dass der Reporter das Geschehen akkurat wiedergibt. Dieser besitzt allerdings nicht unbedingt die gleichen Prioritäten. Für ihn gilt es, Neuigkeiten möglichst spannend zu verpacken.

Problematisch wirds, wenn der Nachrichtenwert dünn und die Aufnahmen langweilig sind. Doch kein Problem für den gewieften Journalisten. So veränderte jüngst ein rumänischer Reporter die Realität zu seinen Gunsten. Um einen Sandsturm anschaulicher zu gestalten, liess er einen Kollegen Staub aufwirbeln.

Oder die «Today»-Show Reporterin Michelle Kosinski. Sie schwang sich in ein Kanu, um die gravierenden Auswirkungen der Sintflut in New Jersey zu verdeutlichen. Dumm nur, wenn bei der Live-Sendung zwei Männer entspannt durchs Bild watschen, denen das Wasser nur gerade bis zu den Knöcheln reicht.

Stürmische Reportage

Ähnlich erging es CNN-Meteorologe Rob Marciano. Bei einer Live-Schaltung über einen Orkan in Long Island, zeigte er sein ganzes schauspielerisches Talent, indem er vom Wind gepeinigt, vor der Kamera herumstolperte. Zum Verhängnis wurden ihm mehrere Passanten. Insbesondere ein mit kurzen Hosen und T-Shirt bekleideter Mann. Seelenruhig spaziert er hinter Marciano durchs Bild, während dieser hinter einer Wand Schutz sucht.

Vor der Pappwand statt im Golfkrieg

Inszenierte Dramatisierungen haben Tradition. Das letzte und längste Video, zeigt einen CNN-Reporter in einem Krisengebiet. So scheint es zumindest. Charles Jaco berichtete 1990 über den Golfkrieg. Was vor Ort Aufnahmen darstellen soll, wirkt im Video wie ein aufgebautes Set mit falschen Palmen. Jaco versicherte, man habe sich auf dem Dach eines Hotels in Saudi Arabien befunden. Das Set sei zum Schutz gegen Wind- und Sandstürme aufgebaut worden. Viele US-Amerikaner sind jedoch überzeugt, dass es sich um ein gefälschte Kulisse handelt. Dass sich Jaco in einem Beitrag panisch eine Gasmaske schnappt, während sein Kollege sich einen Schutzhelm krallt, wirkt über 30 Jahre später nicht sehr realistisch. Jaco arbeitet heute bei Fox 2. Auch das dürfte seine Glaubwürdigkeit nicht wirklich stärken.

(Quelle: YouTube/123filmpjes)

(Quelle: YouTube/patriotportal)

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