Thomas Middelhoff: Wenn schon abzocken, dann richtig
Aktualisiert

Thomas MiddelhoffWenn schon abzocken, dann richtig

Trotz Millionenabfindungen kursieren um Ex-KarstadtQuelle-Manager Thomas Middelhoff Pleitegerüchte. Der Wirtschaftsboss lässt dies nicht auf sich sitzen und zählt öffentlich seine Millionen.

von
Sandro Spaeth

Er hatte den deutschen KarstadtQuelle-Konzern sowie dessen Holding Arcandor an den Rand einer Pleite geführt: der Manager Thomas Middelhoff. Seinem Ruf schadete dies nicht: Kurz nach seinem Abgang im Februar 2009 – den sich der Manager mit 2,3 Millionen Euro entschädigen liess – ging der KarstadtQuelle-Konzern in den Konkurs. Tausende Mitarbeiter verloren ihre Jobs oder bangen seither um ihre Weiterbeschäftigung. Nicht aber Middelhoff: Trotz Schiffbruch erhielt er einen lukrativen Job als Berater.

Zehn Millionen für Entlassung

Der frühere KarstadtQuelle-Chef soll im Jahr 2009 als Berater abkassiert haben. Pikant: Er beriet den Hauptaktionär seines früheren Arbeitgebers, das Bankhaus Sal. Oppenheim. Der Berater-Vertrag versprach Middelhoff einen Jahreslohn von vier Millionen Euro. Er unterschrieb für drei Jahre, wurde von Sal. Oppenheim aber bereits nach wenigen Monaten wieder rausgeschmissen. Den Reibach machte der Berater trotzdem: Für seine Entlassung strich er zehn Millionen Euro ein.

Grund für seinen Rauswurf: Der Konkurs von KarstadtQuelle und der Arcandor Holding brachte die einst stabile Bank Sal. Oppenheim in ernsthafte Schwierigkeiten. Das Institut besass viel zu viele Arcandor-Aktien und geriet in Turbulenzen, weshalb die einst solide Privatbank von der Deutschen Bank gerettet werden musste. Den Millionenvertrag für den Berater Middelhoff wollte Sal. Oppenheim nicht kommentieren. Es sei aber üblich, dass Wissen und Kontakte zu Investoren gut bezahlt würden.

Ist Middelhoff pleite?

Trotz der 10-Millionen-Abfindung ranken sich um Thomas Middelhoff Pleitegerüchte. In Wirtschaftskreisen wird gemunkelt, dass der Wirtschaftsboss Schulden in Höhe von 107 Millionen Euro hat – und zwar bei der Bank Sal. Oppenheim. Angeblich soll sich Middelhoff viel Geld geliehen und es in krumme Geschäfte mit Immobilienfonds investiert haben. Die Informationen zu Middelhoffs Schulden stammen aus einem geheimen Papier der Wirtschaftsprüfgesellschaft Deloitte, die im Auftrag der deutschen Behörden wegen auffälligen Geldmanövern von Middelhoff und seiner Frau Corneli ermittelt.

Die Pleitevorwürfe liess Middelhoff, der einst Verwaltungsratspräsident beim Medienkonzern Bertelsmann war, nicht auf sich sitzen. Er fürchtet um seinen Ruf als Investor und legte gegenüber der «Süddeutschen Zeitung» seine Finanzen offen. Auf die Frage «Herr Middelhoff, sind sie Pleite?», antwortete der 56-Jährige: «Unfug». In Festgeldern angelegt hätte er derzeit rund 50 Millionen Euro. Dann präsentierte er stolz seinen Rechenschaftsbericht: Den ersten grossen Coup machte Middelhoff als Bertelsmann-Manager. Wegen seinem guten Riecher für den Kauf und Verkauf der Internetfirma AOL erhielt er 1998 rund 40 Millionen Euro Bonus.

Vertrag bis ins 75. Lebensjahr

Lukrativ war auch Middelhoffs Abgang beim Medienkonzern: Als ihm 2002 sein bis zum 75. Lebensjahr laufender Vertrag gekündigt wurde, sackte er mehr als 20 Millionen Euro Abfindung ein. 2003 wurde Middelhoff Partner bei der Investmentgesellschaft Inverstcorp., wo er das Europageschäft übernahm – und mehr verdient haben soll als der Deutsche-Bank-Chef Joe Ackermann. Zum Vergleich: Dieser erhielt 2003 rund 11 Millionen Euro.

In astronomischer Höhe verdiente Middelhoff schliesslich in seiner Zeit als Arcandor-Manager, wo er 2005 über 21 Millionen, 2007 rund 13 Euro einstrich. Der grösste Teil davon soll aber nicht vom Handelskonzern, sondern aus Geldanlagen der Investmentgesellschaft stammen. Zu Middelhoffs Einkommen hinzu kommen Erträge aus den Immobilienfonds von 72 Millionen Euro und die viermonatige Beratertätigkeit bei Sal. Oppenheim – die 10 Millionen einbrachte. Rechnet man dies alles zusammen, verdiente der Manager in den letzten zehn Jahren rund 200 Millionen Euro. Kann ein solcher Mann tatsächlich Pleite sein? Durchaus denkbar. Denn dass sich viel Geld plötzlich in Luft auflösen kann, zeigt der Fall des Betrügers Bernhard Madoff. Wegen seines Schneeballsystems verloren 8000 Anleger total 46 Milliarden Euro. Dem Texilunternehmer Carl J. Shapiro gingen über seine Stiftung 145 Millionen US-Dollar verloren.

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